Metal Heroes – The Fate of Rock

Ein Interview mit Swen Harder

Es wird laut in der Welt der Spielbücher. Nach dem Überraschungshit „Reiter der Schwarzen Sonne“ hat sich Swen Harder in seinem zweiten Spielbuchprojekt „Metal Heroes – and the Fate of Rock“ dem Metalgenre als Spielbuchhintergrund zugewendet. Mitten in der Endphase des Buches konnten wir mit dem Autor Swen Harder ein Exklusivinterview für „Neue Abenteuer“ führen.

Neue Abenteuer: Reiter der Schwarzen Sonne“ war ja – übrigens herzlichen Glückwunsch – ein riesen Hit. Mit dem großen Umfang, aber auch zahlreichen innovativen Ansätzen (Einzelne Kapitel mit Seitenregister, Speicherpunkte, verschiedene Zufallssymbole, aufgeteilte Regelsegmente) konntest du Spielbuchfans rundum begeistern. Wie weit hat dich diese Erfahrung in deinem Anschlussprojekt beeinflusst. Bist du jetzt ganz anders an den Aufbau herangegangen? Hast du dich vielleicht bewusst zu mehr oder weniger Umfang entschieden?

Swen Harder: Tatsächlich habe ich nun Erfahrungswerte, die die Entwicklung vereinfacht haben. Jedoch habe ich mir auch wieder neue Hürden auferlegt, in dem ich versuche, neue Ideen umzusetzen, was über das einfache Schreiben eines Spielbuchs hinausgeht. Somit ist es doch wieder sehr stressig und eine echte Herausforderung für alle Beteiligten. Der Umfang war eigentlich wesentlich geringer geplant, steuert nun aber irrwitzigerweise wieder in den vierstelligen Sektions-Bereich. So viel zum Thema „gute Planung“.

Neue Abenteuer: Ein Clou deines ersten Projektes war, dass der Spielercharakter einen Gedächtnisverlust erlitten hatte und er ähnlich wie wir die fremde Welt und seine Rolle erst erkunden musste. LA ist uns allen nun etwas bekannter und das Stilmittel lässt sich vermutlich nicht allzu oft wiederholen. Wen werden wir bei Metal Heroes verkörpern dürfen, oder ist der Charakter diesmal sogar frei auswählbar?

Reiter der Schwarzen Sonne war Swens erstes großes und durchschlagendes Spielbuchprojekt

Reiter der Schwarzen Sonne war Swens erstes großes und durchschlagendes Spielbuchprojekt

Swen Harder: Man übernimmt die Rolle des gescheiterten Rockers Taylor, der sich mehr schlecht als recht durch den Großstadtdschungel LA schlägt. Eines Tages wird seine jämmerliche Existenz jäh beendet, als der amtierende, jedoch amtsmüde Rock-Gott Taylor in Aussicht stellt, dessen Job zu übernehmen. Allerdings nur, wenn es Taylor gelingt, seine Olymp-Tauglichkeit unter Beweis zu stellen, in dem er eine junge Garagenband zum größten Act des Planeten aufbaut.
Das Stilmittel des Gedächtnisverlusts spielt diesmal keine Rolle – wobei Taylor in seinem Leben sicher den ein oder anderen erlitten hat.
Neben Taylor gibt es natürlich noch die Band selbst. Vier junge Kerle, die das Schicksal kunterbunt zusammengewürfelt hat. Indirekt lenkt man natürlich auch ihre Handlungen, indem man ihre Umgebung oder gar Personen manipuliert. Daraus ergeben sich unterschiedliche Handlungsebenen für den Leser.

Neue Abenteuer: Schaut man sich die meisten Spielbuchprojekte an bedienen diese sich herkömmlicher Genres. Fantasy, Endzeit, Science Ficton und in kleinen Ausnahmefällen auch mal historische Vorlagen. „Metal Heroes“ spielt in der Gegenwart, bedient sich aber einiger fiktiver Elemente, kannst du uns mehr dazu verraten?

Swen Harder: In großen Teilen des Buchs bewegt man sich in einem nachvollziehbaren, weltlichen Rahmen. Aber alleine schon die Tatsache, dass der Rock-Gott seinem designierten Nachfolger Taylor einen Teil seiner Macht überlässt, hat der Leser „übermenschliche“ Einflussmöglichkeiten auf die Welt um uns herum. Und – ohne zu viel zu verraten – gibt es selbstverständlich einen weiteren Storytwist, der dem Ganzen die Krone aufsetzt.

Neue Abenteuer: Als Spielbuchfans, kennen wir das Geplane mit dem Rucksackplatz, zahlreiche zu wählende Fertigkeiten und dazu meist eine riesige Portion Kämpfe. Dass Würfel auch in deinem aktuellen Projekt eine Rolle spielen, hast du indirekt verraten, da der Special Edition zwei Spezialwürfel beiliegen werden. Nun hat dich das Genre sicher vor einige Herausforderungen gestellt klassische Ansätze zu übernehmen. Wie regelintensiv wird Metal Heroes ausfallen? Wird es Kämpfe geben und was dürfen wir uns als Fertigkeiten oder Inventargegenstände vorstellen? Kommt hier die Comedy im Metal-Comedy Genre zum tragen?

Swen Harder: Auf jeden Fall! Die „Gegenstände“ heißen beispielsweise „Verdammt schwarzer Kaffee“, „Alles-Easy-Kippen“ oder „Akebonos Hemd“, wobei die Inventarliste sehr knapp ausfällt. Die Regeln sind wieder modular und – je nach eigenen Ansprüchen – erweiterbar. Sie sollen einerseits Spielbuch-Einsteigern einen leichten Zugang ermöglichen, andererseits echten Fans genügend Tiefe bieten. Bei der Entwicklung nicht gerade die einfachste Aufgabe.
Kämpfe im Sinne von Würfelorgien gegen Zahlenwerte wird es nicht geben. Trotzdem wird gewürfelt! Beispielsweise um zu überprüfen, ob sich ein Bandmitglied geschickt in einem Interview verhält, ob es rechtzeitig einem herunterstürzenden Scheinwerfer ausweichen kann, oder ob die Band eine gute Performance bei ihren Auftritten hinlegt. Gerade die Gigs sind elementar und stellen in der höchsten Schwierigkeitsstufe eine große Herausforderung – selbst für Regelfüchse – dar.

Die Band "Huntress" gehört zu den Bands die auf der beiliegenden CD  vertreten sein werden.

Die Band „Huntress“ ist eine der Bands die auf der beiliegenden CD vertreten sein werden

Neue Abenteuer:  Das Metal und Fantasy eng zusammengehen kann man wohl auf jeder Convention beobachten. Du bist nun auch ein Fan dieser beiden Welten. Welche Leidenschaft wurde bei dir zuerst ausgelöst und wieso glaubst du, passen beide Sphären offensichtlich so gut zusammen?

Swen Harder: Eine ebenso gute, wie schwierig zu beantwortende Frage. Metal Musik zog mich bereits als junger Teenager in seinem Bann, ebenso wie das Rollenspiel. Was zuerst kam, kann ich nicht mehr sagen, es war wahrscheinlich eine parallele Entwicklung. Eventuell ist das auch die Antwort. Beide Welten haben die gleichen Wurzeln. Das Fantastische, Dunkle, Geheimnisvolle aber auch Heroische, Maskuline, Kämpferische. Facetten, die man besonders als Außenseiter gerne verinnerlicht.

Neue Abenteuer: Metal bleibt bei dem Projekt nicht nur der abstrakte Hintergrund. Dem Buch wird eine CD mit Songs von einer Vielzahl an internationalen Metalbands beiliegen, die du versprichst in das Buch einzubetten. Erstmal: wie hat sich der Kontakt zu den Bands ergeben. Konnten diese was mit Spielbüchern anfangen? Wie haben die Bands auf so ein Projekt reagiert? Und kannst du uns an einem Beispiel verraten wie du die Musik in das Spielgefühl einbinden konntest?

Swen Harder: Die Musiker mit denen ich Kontakt hatte, waren sehr aufgeschlossen und kannten sich meistens sogar mit dem Thema aus. Ergo, wer Metal Musik macht, kennt auch Fantasy Literatur, bzw. Rollenspiele. Ist ja auch logisch. Wenn es Parallelen beider Strömungen bei den Fans gibt, warum sollte das bei den Musikern nicht der Fall sein?
In bestimmten Momenten wird der Leser zum Hörer. Dann heißt es einen bestimmten Track auf der CD abzuspielen. Mittels einer konkreten Frage überprüfe ich, ob sich der Spieler mit dem Song auseinandergesetzt hat. Die Frage kann sich auf die Musik selbst, den Text, die Art der Performance usw. beziehen. Ist die Antwort richtig, wird man belohnt, wenn nicht, naja, es wird niemand gezwungen, die Musik zu hören.

Auch "Delain" wird vertreten sein und ist ebenso bei Napalm Records unter vertrag.

Auch „Delain“ wird vertreten sein und ist ebenso bei „Napalm Records“ unter Vertrag

Neue Abenteuer:  Dann noch eine Frage zu den Illustrationen. FuFu Frauenwahl hat schon die Zeichnungen zu „Reiter der schwarzen Sonne“ beisteuern können und war wohl ein ziemlicher Glücksgriff für das Projekt. FuFu ist auch bei Metal Heroes wieder mit dabei. Wie eng habt ihr euch abgesprochen und können wir wieder eine direkte Nutzung der Illustrationen erwarten, wie z.B. mit dem komplexen Bilderrätsel bei dem Reiter?

Swen Harder: Ja, es wird wieder Bilderrätsel geben. Einige sogar ziemlich tricky, würde ich sagen. Und diesmal kann Fufu sein besonderes Talent als Comic-Zeichner umso mehr in die Waagschale werfen, schließlich sind die Seiten als Comic-Panels ausgelegt. Es sind also mehrere Zeichnungen auf einer Seite und erzählen eine kurze Geschichte.

Neue Abenteuer:  Als Spielbuchautor hast du sicherlich schon einiges an anderen Spielbüchern gelesen und beobachtest vermutlich auch die aktuellen Entwicklungen. Worin siehst du die Stärken des Genres? (Warum) hat es noch eine Daseinsberechtigung in der Zeit von Skyrim und Co? Konnte das Spielbuch vllt. sogar etwas vom Computerspieldesign lernen? Und hast du selber ein Lieblingsspielbuch bzw. eine Lieblingsreihe?

Swen Harder: Stärken des Genres? Nun, das wäre, als würde man die Vor- und Nachteile von Büchern im Vergleich zu Filmen erörtern. Irgendwie müßig. Die Frage nach der Daseinsberechtigung beantworten einzig und allein die Leser. Solange es genügend davon gibt, die es als gute Unterhaltung erachten und gewillt sind, dafür einen angemessenen Preis für die erbrachte Leistung zu zahlen, wird es auch Spielbücher geben. Und die Tatsache, dass sie weiterhin nachgefragt werden, zeigt doch, dass nicht alles was bombastisch auf Bildschirmen daherkommt, automatisch besser ist.
Ganz ehrlich, manchmal denke ich, Computerspiele könnten eher von Spielbüchern lernen, so flach und wenig interaktiv sind ihre Storylines …
Meine Lieblingsserie ist neben Einsamer Wolf die Bruder John Saga. Klasse Spielbücher um den zeitreisenden Bruder John und seinem fantastischen Kreuzzug im Namen Gottes. Ähm … hört sich in der heutigen Zeit zugegebenermaßen etwas schräg an.

Neue Abenteuer:  Wenn „Metal Heroes“ endlich in den Buchregalen steht, worauf freust du dich am meisten nach der nach der stressigen Endphase und hast du schon ein anderes Projekt in der Pipeline?

Swen Harder: Nun, Spielbücher haben ja die Eigenheit, dass man sich nach der Veröffentlichung nicht sofort entspannt ausruhen kann, sondern es gibt zunächst eine Phase der Ungewissheit. Sind alle Sektionen richtig miteinander verknüpft? Gibt es Wege, die in eine unerklärliche (und unverzeihliche) Sackgasse führen? Im Gegensatz zu den Computerspiel-Herstellern, kann man keinen Release-Day-Patch raushauen, sondern muss eben vor der Drucklegung sehr gewissenhaft bei der Qualitätskontrolle gewesen sein.
Mein „nächstes Projekt“ ist bereits auf Englisch unter dem Titel „Echoes of the Moonstone“ erschienen. Es handelt sich um das Bonus-Abenteuer für den 21. Band der Einsamer-Wolf-Serie. Auf Deutsch wird es im November 2015 erscheinen. Mein drittes eigenständiges Spielbuch, Arbeitstitel „Ribbon Nippon“ wird im feudalen Japan spielen. Natürlich wieder mit allerlei fantastischen Elementen.

-Vielen Dank Swen für das Interview, und weiterhin viel Erfolg für deine Projekte!

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