Echo des Wahnsinns

Cthuloider Horror in den Alpen

Lovecrafts Werk gehört mittlerweile zweifelsohne zum popkulturellen Kanon. Wer Brett- oder Rollenspiele zu schätzen weiß, wird um den eigenartigen Autoren und seine furchteinflößenden Geschöpfe nicht herumgekommen sein. Aber auch in Comic, Serie und Film ist Lovecraft mittlerweile allgegenwärtig. Wie weit und unterschiedlich adaptierbar Lovecrafts Werk ist, bestätigt die Comicanthologie Echo des Wahnsinns, die „Geschichten aus dem H.P. Lovecraft Universum“ verspricht.

Das Comicerstwerk aus dem Sphinxverlag begrüßt uns ebenso passend wie stimmungsvoll mit einem von Tentakeln umrahmten Blick auf eine Österreicher Almhütte. Ganze 11 Kurzcomics widmen sich dem cthuloiden Werk Lovecrafts nämlich in einer überraschenden Gegend: Österreich.

Die 11 Comics sind dabei nicht nur in einer ungewohnten Umgebung angesiedelt, sondern auch äußerst unterschiedlich gestaltet. Den Einstieg macht eine Erzählung von FuFu Frauenwahl, den man neben Comics auch von diversen Rollenspiel- und Spielbuchprojekten kennen kann. Ihm gelingt es auf nicht einmal 10 Seiten eine andeutungsvolle Parallele zwischen Alfred Kubin und Lovecraft zu ziehen, die einigen Stoff zum Grübeln lässt. FuFus starker Zeichenstil wird perfekt durch die Farbnutzung gestützt und gibt einen guten Vorgeschmack auf die anderen Erzählungen. Auch der zweite Comic Alpenkonventmacht starken Gebrauch von den zwei zur Verfügung stehenden Farben (Schwarz und Blau) und versucht eine ähnlich tiefgehende Geschichte zu erzählen. Trotz den gerade einmal 7 Seiten werden wir Leser in eine verstörende und geschichtsträchtige Szenerie versetzt, die einige Inspiration für eine Rollenspielrunde liefern könnten. Die dritte ‚große‘ Geschichte entspringt der Feder von S.R. Ayers und behandelt Pickmanns Verbindung nach Wien. Neben dem düsteren Zeichenstil kann insbesondere der investigative Ansatz der Erzählung überzeugen und hinterlässt eine Erzählung, die ebenso erschreckend wie inspirierend ist. Auch Andre‘ Breinbauers Urlaub auf dem Land erzählt eine eher ernste Geschichte, die durch einen schönen Zeichenstil überzeugt, insgesamt aber am gradlinigsten erzählt ist.

Solche atmosphärischen Umsetzungen machen nur etwa die Hälfte des Sammelbandes aus. Neben den ernsteren Geschichten haben auch humoristische oder sogar künstlerische Ansätze Platz gefunden. Am herausragendsten ist wohl Das Abbild von Wolfgang Matzl, der auf wenigen Seiten mit einem Portrait Lovecrafts arbeitet und zum wiederholten lesen – oder vielmehr anschauen – einlädt. Ähnlich ‚künstlerisch‘ ist Arnuld Rödlers Formal: Haut, das sich etwas wie ein Horrortrip im Weltall liest und uns direkt in die Köpfe zweier Astronauten wirft. Necronomicon 9 to 5 ist ähnlich ungewöhnlich und sticht durch einen auffälligen Zeichenstil und etwas absurden Ansatz heraus, den man einfach selbst gelesen haben muss.

Einen größeren Raum nehmen humoristische Erzählungen ein, wobei diese von subtil bis albern reichen. Die mit etwa 17 Seiten recht umfangreiche Erzählung „Der Berg ruft“ lockert ein recht schweres cthuloides Thema mit einem leichten Zeichenstil, etwas Humor und dem Einsatz von Dialekt auf. Ähnliches gilt auch für die mit 20 Seiten längste Geschichte des Buches, die durch einen karikaturhaften Zeichenstil und Mundart auffällt. Verhandlungssache verpflanzt das Necronomicon auf einen Österreichischen Flohmarkt und gibt es zwei urigen Dörflern in die Finger. Anna-Maria Jung legt auf zwei Seiten einen lustigen Twist der Farbe im All vor, die diesmal „sexy“ auf der Welt aufschlägt. Auch Die Blockade von Thomas Aigelsreiter nimmt sich nicht zu ernst, und konfrontiert uns mit einer Schreibblockade des Altmeisters – Tentakelhausdienerin inklusive.

Fazit

Alles in allem legt Echo des Wahnsinns eine äußerst bunte Comicanthologie vor, die von ernsten bis zu lustigen Erzählungen reicht und sich rund um den Mythos in Österreich dreht. Dadurch ist der Band einzigartig und dürfte jeden ansprechen, der Lovecrafts Werk nicht ausschließlich als schwere Kost verstanden wissen will. Wie es in der Natur von Comics liegt, sind die 110 Seiten schnell gelesen. Trotz des knappen Raumes gelingt es aber allen Erzählungen im Gedächtnis zu bleiben. Äußerst positiv hervorzuheben ist auch die hohe Qualität des Buches. Der Inneneinband ist optisch schön gestaltet und selbst das kurze Vorwort ist illustriert. Auch die Entscheidung in Schwarz-Grau und Blau zu drucken ist toll umgesetzt worden. Manche Geschichten verwenden die zusätzliche Farbe höchst innovativ, darüber hinaus gibt es dem Band aber bei allen unterschiedlichen Zeichenstilen einen einheitlichen Charakter und ist zudem äußerst angenehm zu lesen. Echo des Wahnsinns ist ein originärer Beitrag zum Lovecraft Universum, der sich im ständig wachsenden Cthulhu-Fandom seinen Platz verdient hat.

Echo des Wahnsinns ist im Sphinx Verlag erschienen und im Cthulhu Webshop zu erwerben. Der Preis von 19,95€ ist dem Umfang und der hohen Produktqualität angemessen. Einen Einblick in die Geschichten und die unterschiedlichen Zeichenstile gibt diese pdf von der Sphinx-Seite sowie die äußerst informative Homepage zum Buch.

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