Unwelt #1

Die seltsamen Abenteuer von Ray Murphy und Molluskhead

All diejenigen die Illustrationen von Rollenspielproduktionen etwas Aufmerksamkeit schenken, dürfte der Name FuFu Frauenwahl sicher nicht entgangen sein. So zeichnet er unter anderem für Splittermond, DSA, Victoriana und das französische Tigres Volants. Besonders präsent ist er auch in der deutschsprachigen Spielbuchszene wo er unter anderem die Spielbücher von Markus Heitz und die beiden umfangreichen Werke von Swen Harder illustriert hat. In dem Kontext bin ich auch das erste Mal auf ihn aufmerksam geworden, drücken seine Illustrationen den beiden Großprojekten von Swen doch deutlich ihren Stempel auf, da sie eng mit dem Inhalt verwoben sind. Ohne FuFus prägnanten Zeichenstil wären der Reiter und nicht zuletzt die Metalheroes bei weitem nicht dasselbe.
Dabei können gerade FuFus Tuschezeichnungen ihre Nähe zum Comic nicht verhehlen. Sie sind detailverliebt ohne chaotisch zu wirken und finden den schmalen Grat zwischen Realismus und Ausdrucksstärke. Also genau die Eigenschaften die – meiner bescheidenen Einschätzung nach – für einen guten Comic unerlässlich sind. Kein Zufall also, dass FuFu auch als Comiczeichner tätig ist…

Seine Comics kann man in verschiedenen Anthologien und vereinzelt im Netz wiederfinden, mit Unwelt #1 ist nun aber auch der erste deutschsprachige kleine „Sammelband“ von ihm erschienen. Nun gut, Sammelband mag etwas großspurig klingen für die drei Geschichten die hier auf 44 Seiten versammelt sind. Das Ziel ist es aber in sechs Bänden die verstreuten Comics zu sammeln, die in FuFus Unwelt angesiedelt sind. Das erste Heft – Der kleine Ray und die große Stadt – stellt uns die beiden Hauptcharaktere vor: Ray Murphy und Molluskhead. Beide sind detektivisch unterwegs, mit Ray in der Hauptrolle und Molluskhead als seinem Assistenten. Wer hier einen müden Abklatsch von Holmes und Watson wittert wird schnell eines Besseren belehrt. Molluskhead ist nämlich nicht wie Watson die Verkörperung des einfachen Menschen im Kontrast zum Genie, sondern nichtmal ein Mensch. Eben ein Molluskhead, was in dem Fall so viel ist wie ein comicbesessenes Alienartiges Geschöpf, dass Ray stumm zur Seite steht. Damit wird auch deutlich warum wir es mit einer Unwelt zu tun haben. Die Welt der „seltsamen Abenteuer“ ist nämlich ebenso surreal wie der mysteriöse Assistent. Auf den ersten Blick durchaus vertraut, wird sie immer wieder durch Irritationen aufgebrochen. Es existieren einige (noch) unerklärliche Charaktere und Geschöpfe, die jedoch mit einer solchen Selbstverständlichkeit auftreten, dass man sich nie so recht sicher ist in welcher Welt man sich gerade bewegt. Eine „Echtwelt“ mit Fantasyelementen, einer Parallelwelt, in der nahen Zukunft…? Im Gegensatz zu klassischen Horrorgeschichten brechen diese Surrealitäten jedoch nicht primär als Schrecken in die Welt, sondern bieten eher ein interessantes Rätsel. Ohne auf flache Witze zurückzugreifen, durchzieht den Comic ein anregender Humor und eine, zwar spannende, aber nicht beschwerliche Atmosphäre. So finden sich immer wieder schöne Irritationen wie zum einen die augenzwinkernde Comicverliebtheit der beiden Hauptcharaktere, zum anderen aber das Mystische, dass sprichwörtlich hinter jeder Häuserecke lauern kann. Die große Stadt die irgendwo zwischen Berlin und Gotham changiert eröffnet abenteuerliche Seitengassen und Einsiedler in Stadtparks, garniert mit mysteriösen Männern in Schwarz.

Fans der Phantastik wird dabei nicht nur die leichte Nähe zu Illuminatus! auffallen, sondern sicherlich auch der cthuloide Einschlag. In dem Comic krabbelt und kribbelt es, wobei wildwucherne Pflanzenund Tentakel im Lovecraftstil nicht zu kurz kommen.

Nicht Molluskhead – aber schon ziemlich nah dran…

Wieso also sollte man sich das zugegeben dünne Heftchen also zu Gemüte führen? Zum einen wäre da der wundervolle Zeichenstil der mich auch bei FuFus Rollenspiel- und Spielbuchillustrationen so begeistert hat, zum anderen die verspielte Neugier die uns in eine Stadt voller Abenteuer wirft. Gerade der etwas andere urbane Horror der sich nicht verschlagen versteckt sondern stellenweise Brachial in Form einer (noch) nicht weiter erklärten humanoiden Weichtierrrasse comiclesend am Wegesrand steht, ist erfrischend neu. Die Comics versprechen über die geplanten sechs Bände eine surreale Welt zu zeichnen die sich zu erkunden lohnt. Schade nur dass der Ausflug bisher so schnell vorbei ist, möchte man doch am liebsten gleich mehr erfahren…

Beziehen kann man den Band übrigens direkt bei FuFu Frauenwahl im Webshop, wodurch man gleich noch den Autor und die Independentcomicszene unterstützt.

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