The Dresden Files RPG – Volume One: Your Story (Teil 3)

Eine Fate-Besprechung von Infernal Teddy

Da wären wir also, der dritte Teil unserer Besprechung des ersten Bandes des Dresden Files RPGs (DFRPG). Teil 1 findet ihr HIER, Teil 2 ist HIER zu finden. Wir sind also am Endspurt, uns fehlen noch drei Kapitel von Volume One: Your Story. Oh, und das Fazit natürlich. Schauen wir also mal, zu welchem Ergebnis wir kommen.

Das erste Kapitel nach den Magieregeln trägt die Überschrift „Running the Game“, und entspricht am ehesten dem, was man klassischerweise als Spielleiterkapitel bezeichnen würde – auch wenn es ehrlicherweise in meinen Augen Sinnvoll wäre, wenn auch die Spieler dieses Kapitel lesen würden (Oder überhaupt mal, in meiner Erfahrung, die Regeln lesen würden, aber das ist ein etwas anderes Thema…). Hier wird auf 32 Seiten erklärt, worauf man als Spielleiter beim DFRPG – und bei Fate im allgemeinen – achten muss. Es wird erklärt, was die Spielleitung macht, wie man Szenen aufbaut, wann man Proben fordern sollte und dabei Schwierigkeiten festgelegt, wie man Antagonisten erstellt und anpasst, und so weiter. Alles in allem handelt es sich hierbei um einen durchaus wertvollen Ratgeber für jeden, der zum ersten Mal als Spielleitung mit Fate arbeitet, und trägt auch zum Verständnis für das System bei. Das darauf folgende Kapitel, „Building Scenarios“, gehört ebenfalls in den Bereich Spielleitung. Die Empfehlungen laufen im Großen und Ganzaen darauf hinaus das man sich die Aspekte der Charaktere und der Stadt notieren sollte, sich ein dazu passendes Thema für ein Abenteuer ausdenken sollte, und dann einen groben Rahmen dazu stricken soll, und dann beim eigentlichen Spiel mehr oder weniger improvisieren – das kommt mir persönlich entgegen, aber es wird auch Spielleiter geben, welche davon unter Umständen ein wenig überfordert sein dürften.

Das letzte Kapitel ist dann das Beispielsetting… nein, nicht Chicago, Baltimore. „Was?“, höre ich euch rufen, „Aber die Romane sind doch alle in Chicago angesiedelt!“. Das ist auch völlig richtig, aber Jim Butcher hat in seinen Romanen so viele Details, Charaktere und Kreaturen beschrieben das es dafür einen ganzen dicken Band gibt, „Volume 2 – Our World“. Damit Spielgruppen aber ein Beispiel für die Erstellung einer Stadt haben, bzw. sehen können wie diese Welt außerhalb von Chicago funktionieren kann, gibt es hier die Stadt Baltimore. Dabei gibt es eine Reihe von Locations, es werden die wichtigsten Fraktionen vorgestellt, eine Reihe von Charakteren (Von denen einige auch als potenzielle Spielercharaktere vorgesehen sind), und auch Abenteueraufhänger, damit man als Gruppe direkt losspielen kann. Dieses Kapitel findet sich auch als kostenloser Download auf DrivethruRPG, falls man es sich mal anschauen möchte.

Abgerundet wird der Band durch ein sehr praktischer Glossar, einen wirklich umfangreichen Index, welcher diesen und den Folgeband umfasst (Und einige sehr witzige Referenzen enthält: „Shut up, Bob“ ist der Eintrag mit den meisten Referenzen, und schaut einfach selbst mal unter „Wherewolf?“ nach…), zwei Seiten Werbung für andere Produkte aus dem hause Evil Hat, eine zweiseitige, umfangreiche Schnellreferenz, und Kopiervorlagen für Charakter- bzw. Stadtbogen.

Fazit:
So, jetzt haben wir uns lange und ausführlich mit dem ersten band des Dresden Files RPG beschäftigt, wie ist das Fazit? negativer und positiver als es noch vor zwei oder drei Jahren war, was mich ein wenig überrascht hat. Es ist negativer, weil wir mittlerweile auch Fate Core haben, welches an vielen Stellen das System verbessert, vereinfacht und entschlackt hat. Das kann man dem vorliegenden Buch natürlich so nicht ankreiden, schließlich würde es Fate Core ohne das DFRPG so nicht geben, aber wenn man nach Fate Core zu diesem Buch zurückkehrt fällt es einem einfach auf. Positiver, weil ich das Magiesystem jetzt besser verstehe – gut oder verständlich wird das entsprechende Kapitel dadurch jetzt nicht, aber zumindest verstehe ich es jetzt. Glaube ich zumindest.

Was unterm Strich herauskommt ist jedenfalls ein sehr cooles Urban Fantasy-Rollenspiel, welches die Spieler nicht auf einen bestimmten Kreaturen- oder Charaktertyp festlegt, und ein schnelles und elegantes System bietet, welches dem Anspruch gerecht wird, ein erzählerisches Spiel zu sein. Kommt man von eher „traditionelleren“ Rollenspielen muss man sich an ein paar Stellen umgewöhnen – Fate versucht halt nicht, eine Spielwelt zu simulieren, sonder die Fiktion innerhalb der Spielwelt, und als Spielleitung darf man auf keinen Fall mit einem normalen vorbereiteten Abenteuer an den Spieltisch treten – aber hat man diese Hürde gemeistert hat man ein großartiges Spiel an der Hand. Muss man dafür die Romane gelesen haben? Es kann, denke ich, nicht schaden, aber notwendig ist es nicht – man muss auch mit diesem Spiel nicht mal in der Welt von Harry Dresden spielen, aber gerade die Magieregeln sind explizit aus der Sicht der Welt geschrieben, und simulieren eben diese.

Ich mag das Dresden Files RPG sehr, und würde es auf keinen Fall mehr hergeben.

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