Erdenstern – The Urban Files

Eine Soundtrack-Rezension von Infernal Teddy

Einer der erfolgreichsten Urban Fantasy-Reihen der letzten zehn, fünfzehn Jahre dürften Jim Butchers The Dresden Files sein, auf Deutsch als Die dunklen Fälle des Harry Dresden erschienen. Mittlerweile sind neben den fünfzehn Romanen eine Reihe von Graphic Novels erschienen, Hörbuchumsetzungen (Gelesen von James Marsters), sogar eine Fernsehserie und ein Rollenspiel von Evil Hat. Und als Prometheus Games letztes Jahr die deutsche Übersetzung des Rollenspiels ankündigten, gab es als freigeschaltetes Add-On zur Kampagne ein Konzeptalbum der bekannten Rollenspielmusik-Komponisten Erdenstern, ursprünglich unter dem Titel Arkana angekündigt. Nun, wann die Übersetzung des Rollenspiels erscheint steht in den Sternen, das Album dagegen ist jetzt unter dem Titel The Urban Files erschienen. Schauen wir, ob es gelungen ist, die Atmosphäre der Dresden Files in musikalischer Form einzufangen.

Das Album ist fast 80 Minuten lang, und umfasst 22 Titel. Ausgeliefert wird The Urban Files als CD, in einer „Super Jewel Case“, mit einem sehr stylisch aufgemachtem zweisprachigem Booklet. Das Album eröffnet mit einem Track, welcher leise Spannung aufbaut, in der plötzlich eine Gitarre einsteigt, welche Western-Elemente mitbringt, um dann von einer leisen, wortlosen Frauenstimme abgeschlossen zu werden – es entsteht der Eindruck, es hier mit dem „opening Theme“ einer Fernsehserie zu tun zu haben. Die verschiedenen Tracks bauen auch immer wieder, den Themen angemessen, entsprechende Stimmungen auf – so beschwört der zweite Track, „Beyond the Windy City“ auch mit modernen elektronischen Elementen, aber auch jazzigen und „irischen“ Passagen den Geist einer Stadt im klassischen „Noir“-Stil, verstärkt durch eine immer wieder im Hintergrund auftauchende Polizeisirene. Dieser Noir-Stil passt auch sehr gut zum literarischen Stil, welcher vor allem in den frühen Romanen versucht wird zu simulieren, und da ist es sehr erfreulich, diesen Stil hier auch wiederzufinden. Die jazzigen Elemente, vor allem der Einsatz einer Trompete, ziehen sich auch durch das restliche Album. Der Track „The Pub“ setzt dagegen auf eher heimelige Emotionen, vor allem durch Violine und Klavier,mit einem leisen Becken im Hintergrund. „Preparation“ dagegen erweckt – unterstützt durch die tiefe, wortlose Männerstimme – den Eindruck, irgendwo in der Dunkelheit zu stehen, während ein Ritual vorbereitet oder vielleicht auch durchgeführt wird. Mein persönlicher Favorit dieses Albums dürfte allerdings „Fool Moon“ sein, welcher nicht nur den Titel mit dem zweiten Roman der Dresden Files gemein hat. Dieser Track kombiniert sehr rockige Elemente mit dem Gefühl, auf der Jagd zu sein – als Jäger oder als Beute – und immer wieder Wolfsgeheule und -gehechele. Auch hier gleitet aber immer wieder die erwähnte Trompete immer wieder in die Musik hinein und hinaus. Ein weiterer Track der mir persönlich sehr gut gefallen hat ist „Femme Fatale“, ein Track welches einen klassischen Noir-Trope hier mit einem entsprechenden Theme untermalt, mit melancholischer Trompete (Oder ist das Saxophone?) und entsprechendem Klavier. Als letztes sei noch das bombastische und dynamische „A final Straw“ erwähnt, welches einerseits an einer Verfolgungsjagd, anderseits an einem finalen Duell erinnert (Und zwischendurch Elemente enthält, welche mich an die Sherlock Holmes-Filme mit Robert Downey Jr. erinnern).

Fazit:
Ich glaube, ich kann ohne den geringsten Zweifel sagen das The Urban Files das bisher beste Album ist, das ich bis heute von Erdenstern gehört habe. Dem Album gelingt es hervorragend, die Atmosphäre der Romane um Harry Dresden einzufangen und dem Zuhörer das Gefühl zu geben, sich im windigen Chicago wiederzufinden. Außerdem ist der Soundtrack auch für alle anderen Arten von Noir-Rollenspiele geeignet – ich denke zum Beispiel, das einige Tracks hiervon sich in Zukunft in meiner Cyberpunk-Playlist wiederfinden werden. Und zu guter Letzt ist The Urban Files auch einfach gute Musik, die man sich gut in Ruhe anhören kann, oder beim Rollenspiel leise im Hintergrund laufen lassen kann. Definitive Kaufempfehlung, die gerne gute Musik – auch ohne Gesang – hören!

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