Ein Indie/Storygamer lernt Pathfinder II

Ein erster Eindruck vom Regelwerk

Letztes Mal habe ich ja schon darüber geredet wie es überhaupt zu der Entscheidung kam, Pathfinder zu leiten. Das geht jedoch nur wenn man Pathfinder überhaupt kennt. Ich tue das bisher noch nicht. Genaugenommen habe ich in meiner Jugend insgesamt 3 mal (A)D&D gespielt. D&D3.5 geschweige denn Pathfinder hatte ich noch nie in den Fingern und kenne ich nur durch Hörensagen. Mutants und Masterminds scheint allerdings auf D20 (das ja wohl D&D3.5 ist?) zu basieren. Das habe ich kurz geleitet. Vielleicht wird es dann ja doch gar nicht so schlimm? M&M kam mir zwar etwas umständlich vor (heutzutage würde ich für Superhelden irgendetwas zwischen BASH, FATE und MHRP heranziehen), aber es war zu managen.

Aber gut, wenn ich mit Rolemaster fertig werden konnte, dann kann Pathfinder, dass ja ein wenig entschlackt zum normalen D&D sein soll, ja keine richtige Hürde sein. Da ich ahne, dass bei meinen Mitspieler bestimmt das Grundregelwerk vorhanden ist (und ich eh ein Tablet habe), habe ich mir einfach nur die PDF Version davon gekauft.

Eine Rezension vom GRW will ich hier gar nicht schreiben. Das hat Teddy ja schon vor 3 Jahren gemacht. Ich will nicht mal „fair“ berichten, sondern einfach nur aufschreiben, wie für jemanden, der mit traditionellen Spielen keinerlei nennenswerte Erfahrungen hat, das ganze wirkt. Dementsprechend gehe ich nicht wie bei einer Rezension von außen nach innen und vom groben ins feine, sondern gehe einfach pseudo chronologisch vor.  Pseudo deswegen, weil ich das hier nicht während dem Lesen schreibe, sondern nachdem ich mehr oder minder schon fast durch bin und deswegen meiner eigenen Kritik manchmal antworten kann.

Erster Gedanke: 578 Seiten?! Und da ist doch noch nicht einmal eine Welt drin oder? Wow… das bin ich ja seit ewigen Zeiten nicht mehr gewohnt. Ja Dresden Files hat auch ein „Regel“werk mit fast 400 Seiten, aber da ist auch neben den Regeln schon 50% Weltbeschreibung drin.  Der Eindruck soll sich hier jedoch auch relativeren. Pathfinder ist hervorragend illustriert und dafür wird auch nicht an Platz gespart. In jedem Kapitel sind gefühlt summiert über 10 Seiten nur für Bilder und ein paar kurze Flufftexte draufgegangen. Bei  15 Kapiteln kann man also schon mal  150 Seiten wieder wegrechnen und hat immer noch einige Illus übrig. Besser. Außerdem ist alles doch sehr ausführlich beschrieben. Das hätte man auch prägnanter packen können, geschätzt bestimmt nochmal 50 Seiten weg. Dann noch eine Menge angenehm großer Tabellen.. ach ich tu einfach so als hätte das Buch nur 350 Seiten und bin glücklich damit.

Das Pathfinder Monsterhandbuch brauche ich als SL auch?! Aber warum denn? Angeblich ist doch für mich auch SL auch alles hier drin. Ist das ganze wirklich so komplex, dass ich ohne fertige Monsterblöcke nicht leiten kann? Auch später soll sich der Eindruck eher noch erhärten.   Herausforderungsstufen für Begegnungen, eine Menge Talente (im Grunde Ausnahmeregeln und Boni), die für jedes Vieh anders sind. Das ist mühselig vorzubereiten. Ich bin aber nicht bereit noch ein Buch zu kaufen! Die Lösung: Das Pathfinder RPG Reference Document. Mir scheint da ist alles wichtige drin (auch aus allen anderen Büchern wie es scheint!) und Abenteuer vorbereiten werde ich eh zu 90% am PC. Am Spieltisch hat einer meiner Mitspieler das Buch ja vielleicht. Ansonsten ist da auch noch eine Android App für vorhanden. Ich bin also auch so versorgt. Da bin ich ja beruhigt.

Was mich wirklich stört sind die Völker. Nicht nur habe ich für mein Setting ganz andere Völker geplant, nein für ein generisches Fantasy System geben, die mir viel zu viel vor. Wieso muss denn jeder Elf in jedem Setting gegen Schlaf Effekte immun sein? Nein, nein! Da müssen eigene her.

Fertigkeiten. Ahh hier wird mir endlich erklärt wie ich Würfel. Wäre vielleicht schon vor der Seite 86 möglich gewesen aber immerhin.

1W20 + evtl. Fertigkeitsränge
+ Attributsmodifikator
+ Volksmodifikator (+ 3 wenn Klassenfertigkeit)

Ein bisschen viel Rechnerei. Wäre mir im Normalfall zu kompliziert (bei Splittermond hatte es mich ja auch schon gestört), aber ich wollte ja unbedingt Mainstream also machen wir es so und gut ist. Das jede Fertigkeit aber auf einer halben bis ganzen Seite einzeln erklärt wird und oft noch eigene Zusatzregeln hat, stört mich dann schon etwas. Mal wieder etwas, dass ich erstmal nur überfliege und mir später genauer anschaue und Schwups… wir sind auf Seite 110. Geht schnell.

Der Rest bietet wenige Überraschungen. Sehr ausführliche Fertigkeitsbeschreibungen, eine Plethora an Talenten, Zaubern und ebensoviele Kampfaktionen und Manöver. Komplett aufgenommen oder auch nur sorgfältig gelesen habe ich das noch nicht. Alles in allem halt das was man von der D&D Familie erwartet. Ich weiß aber jetzt schon, dass ich auf Battlemaps und Miniaturen zugunsten von narrativer Beschreibung und der ein oder anderen Skizze verzichten werde und vielleicht den ein oder anderen SL Tip nicht ganz so ernst nehme.

Fazit:

Pathfinder ist genau das was ich gesucht habe. Ein Mainstream System. Das bedeutet nehmen dem was ich wirklich im Sinn hatte (starker SL, vorbereitete Story, klassisches Setting) eben logischerweise auch andere Dinge (ausführliche Regeln, Miniatureneinsatz, lange Listen und Tabellen  von verschiedensten Dingen), die ich teilweise wohl einfach schlucken und teilweise wohl ignorieren werde. Das mag dann zwar nicht mehr komplett dem ursprünglichen Ziel der ganz klassischen Kampagne entsprechen zu der nunmal auch solche Regelelemente gehören, aber Spaß machen soll es ja trotzdem.

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu Ein Indie/Storygamer lernt Pathfinder II

  1. Vielleicht wäre für Dich die PF-Einsteigerbox „zum Aufwärmen“ ganz gut gewesen, oder drei-, viermal mitspielen,bevor man selbst leitet.

    Man kann bei PF auch ohne Minis leiten, bei einem unübersichtlichen Kampf würde ich es aber ruhig mal ausprobieren, da hat pF durchaus Stärken. Kann einem hinterher dann ja immer noch missfallen 🙂

    • Ich habe schlussendlich selbst Savage Worlds ohne Minis geleitet und das obwohl das System wirklich kaum ohne geht.
      Ich denke das wird bei mir nichts.

      Mitspielen steht leider nicht zu Debatte hier gerade und die Einsteigerbox wäre finanziell nicht auch noch drin gewesen.

      Danke aber für das Feedback.

  2. Ich musste viel schmunzeln bei dem Artikel, weil sehr viel nach „Ah… ja… cool – mach ich anders!“ klang 😉
    Ich bleibe weiterhin gespannt 😉

    • Das einzige was ich anders mache sind die Völker (weil eben keine Spielerrasse Dryade oder Zentaure da ist) und die Miniaturen. Mit dem Rest bin ich nicht komplett glücklich, aber ich übernehme ihn so wie er ist. (etwas verkalkte SL Tips mal außen vor)

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*