Das Leben eines Gezeichneten – Teil 4

Staub und Sterne - Teil 3

9 Boron
Unsere Proviantprobleme schienen mit dem Bullen von gestern Abend vorerst aufgeschoben, so dass wir früh am morgen aufbrachen um die Wand bis zur Klamm zu erklettern. Ich hatte einige Mühen mit dem Klettern, zum einen weil ich deutlich schneller außer Atem gerate in letzter Zeit – offensichtlich werde ich wohl älter, oder muss mehr dagegen machen – und weil ständig gegen die Wand zu starren nicht sehr hilfreich ist, wenn man klettern möchte. Ich sollte wirklich etwas gegen diese Höhenangst unternehmen. Mir graut es vor dem Abstieg. Dabei muss man fast zwangsläufig nach unten sehen, und ich ahne schon, dass ich dabei die Nerven verlieren werde. Nach einer halben Ewigkeit kam ich endlich in der Klamm an, die anderen Reisenden warteten schon ungeduldig.
Auch diese Klamm war ähnlich der anderen, aber steiler und mit mehr Felsen im Weg, als die erste. Schon nach wenigen Metern hatte ich im Grunde keinen weiteren Elan, aber mit der Aussicht, was mich oben erwarten könnte, kämpfte ich mich vorwärts. Stunden um Stunden vergingen, wir hielten Rast und aßen zu Mittag.
Dann versank die Praiosscheibe hinter dem erhöhten Horizont und die Sterne erschienen über unseren Köpfen. Pünktlich setzte das Heulen ein, nur dieses Mal waren wir mittendrin. Ein grässliches Wehklagen, wie von tausend gefolterten Menschen und Tieren, vermischt mit schrecklichen, undefinierbaren, anderen Geräuschen. Dieses Mal hatten die Stimmen den Sprung in die Realität geschafft und verzerrten diese. Die Elfe wirkte einen Stillezauber, so dass zumindest die Geräusche keinen Einfluss mehr hatten und wir wanderten stillschweigend weiter. Dann kam der Sand. Wir versuchten uns vor dem herein strömenden Sand, der unsere Körper schliff, wie die Geräusche eben noch unsere Empfindungen, hinter Felsen zu verbergen, aber er war überall. Im Mund, in der Nase, in den Augen, selbst wenn man alles geschlossen hielt, drang er in alles ein was er finden konnte. Selbst mit einem Tuch vor Mund und Nase fiel das Atmen schwer und um mich
abzulenken, rezitierte ich im Kopf einige Gedichte, die ich aus meiner Lehrzeit kannte.
Dann endlich flaute er ab, und wir konnten weiter ziehen. Kurze Zeit später hörte unsere Elfe – die Geräusche waren inzwischen wieder gekehrt – weiter vorne Hufe und informierte uns, dass ein Pferd auf uns zu trabte. Ich erklärte ihr langsam und deutlich, dass Pferde nicht klettern können, und wohl kaum ein Pferd hier rein kommt. Aber ich irrte mich. Irgendwann musste mal ein Pferd hier rein
gekommen sein, denn auf uns zu trabte der leicht glühende Geist eines Pferdes mit alten Rüstungen. Also offensichtlich ein Pferd aus der Armee, die hier gewesen war. Es ignorierte uns und trabte in Richtung Ausgang. Dann begann, zumindest für mich eine nicht sehr angenehme Zeit. Da ich mir den Pferdegeist genauer ansehen wollte, war ich am vorderen Ende der Gruppe gelandet und ging voraus, als wieder vor uns ein Geräusch auftauchte. Ich ging mutig voran, in der Annahme, wieder einen Geist vor mir zu sehen, aber ich irrte wieder. Etwas packte mich und hielt mich fest in seinen Armen und versuchte mich zu beißen. Die Elfe schoss auf das Wesen und ich konnte mich von ihm lösen, war aber noch immer in Reichweite. Adaque entzündete eine der Fackeln und wir sahen das Ding vor uns. Es war ein Ghoul und offensichtlich hielten die Götter trotz
allem ihre schützende Hand über mich, denn es hatte mich nicht gebissen, als es mich hielt. Bis es letztlich nieder gestreckt da lag, erwischte es mich trotz allem noch mit seinen zu Klauen umgeänderten Fingern, und ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob es sich entzünden wird. Entsetzt von dem Überfall zogen wir, nach einem kurzen Verbinden der Wunde meinerseits, weiter und erreichten ein Tor rechts von uns. Inzwischen waren die Wände rechts und links von uns auf wenige
Schritte herab gekommen, wir näherten uns also dem höchsten Punkt, und zu meiner Freude wurde der Himmel wieder hell. Die Tür trug ein Boronsrad über dem Bogen, der auf die Anwesenheit einer weiteren Gruppe Menschen schließen ließ, denn ich glaube nicht, dass dieser Ort während der Schlacht erbaut wurde. Wieder einmal von Neugierde getrieben betrat ich die Hallen um unzählige Totenschädel, teils mit Namen, zu entdecken. Dies war ein Ort der Ruhe für die Gefallenen in der
Schlacht auf dem Plateau, damit sie nicht als Tote umherzogen. Aber es waren nicht alle gefunden und hier an diesem geweihten Ort begraben worden, denn wir waren zumindest einem Geist begegnet, und auch auf dem Weg lagen Knochen unter dem Sand halb verdeckt. Hier in einem vielleicht sicheren Ort wähnend, ließen wir uns zur Ruhe und schliefen die wenigen Stunden bis zum Mittag.

10 Boron
Die Hochebene ist auf eine seltsame Art und Weise fantastisch anzuschauen. Der Boden unter unseren Füßen ist ständig in Bewegung, als würde man über eine nicht durchsichtige Flüssigkeit wandern. Hier oben ist es vollkommen platt… also es gibt schon kleine Hügelchen, aber nichts das irgendwie auf Leben hindeutet. Bis ich den Turm sah. In einer undefinierbaren Entfernung vor uns – groß und schwarz ragte er aus dem roten Sand hervor. Und er schien selbst ohne irgendetwas zu tun mein Verlangen hinzugehen, nur um einen Blick darauf zu werfen, zu wecken. Die anderen ignorierten meinen Blick auf den Turm und die Elfe schlug vor, doch zum Rand zu gehen um nachzusehen, wo der Dämon wohl hochgekommen sein müsste. Zum Rand. Als ob ich mich auch nur zehn Schritt in die Nähe eines mehrere Hundert Schritt hohen Felsens wagen würde. Also wirklich.

11 Boron
Wir sind nicht zum Rand gegangen. Gut für mich. Als die anderen den Turm gesehen hatten, waren sie plötzlich ganz versessen darauf, genau dort hinzugehen. Als könnte man hier im Staub irgendetwas sehen, dass kleiner als 50 Schritt oder näher als 30 Schritt wäre. Aber gut, eine bessere Idee hatten wir nicht.
In diesem kniehohen Staub zu laufen ist anstrengend, und schon wieder erlahmte meine Neugierde anhand der zu überwindenden Strecke, aber mitten im Nirgendwo stehen bleiben wäre auch keine gute Idee gewesen. Nach etwa fünf Stunden kamen wir an einem recht großen Monolithen vorbei, wobei Monolith einzeln im Wort hat, hier aber wohl mehrere zu stehen scheinen. Der Maraskaner meinte hinauf klettern zu müssen, um einen Überblick zu haben. Und wieder unten teilte er mit, dass in der Ferne eine Art Drachenkralle aus dem Staub zu schauen scheint. Bhukar war plötzlich hellauf begeistert und schien sich wieder an Details zu erinnern. Er wollte unter allen Umständen da hin. Warum wir letztlich den Bitten eines Nichtmenschen folgen ist mir rätselhaft, aber wir wussten eh nicht wohin wir gehen mussten.
Kurz vor Einbruch der Dämmerung errichteten wir neben einem der Polylithen, mehr improvisiert, ein Lager, da bei diesem Staub kein Schlaf in liegender Position möglich ist. Ich betrachtete den Untergang der Praiosscheibe interessiert und bekam in der Tat ein einmaliges Ereignis geboten, dass ich gerne in meinem Gedächtnis festhalten würde.
Ich wollte nicht schlafen. Es war sehr, sehr kalt, und unangenehm in sitzender, gegen den Stein gelehnter Haltung auf die Morgendämmerung zu warten. Hinzu kamen die Stimmen aus dem Sturm, wobei der Sturm deutlich leiser zu vernehmen war. Die Stimmen aber nun vollends im Hier und Jetzt, kaum auszublenden. Ich hatte neben Adaque Platz genommen, um eine weitere Seite vor dem Wind und der Kälte zu schützen, und beobachtete den Sternenhimmel, der hier um so vieles klarer und heller, und voll viel mehr Sternen ist, dass es mir Leid tat, nicht ein kleines Sternrohr zur Hand zu haben, um ihn begutachten zu können. Die Stimmen flüsterten meinen Namen und riefen mich in Richtung der Kralle, so sehr ich sie auch zu verbannen suchte. Ich erzählte Adaque von den Sternen, um die Stimmen klein zu halten, und nickte dabei ein. Und träumte. Keinen guten Traum. Wahrlich kein guter Traum. Ich stand alleine in der Wüste, und überall Leere um mich herum.
Endlose rote Staubwolken wallten den Horizont entlang, umspülten meine Füße und  zogen sich in unendlichen Fäden fort. Ich begann zu laufen, vorwärts in die Richtung in die ich blickte. Und nach einer ewig gleichen Zeit der Wanderung tauchte die Kralle aus der Ferne auf, von den Staubwolken umkreist. Näher heran. Näher heran. Doch die Kralle schien lebendig und wahrlich, sie ergriff mich mit steinernen Fingern und warf mich in die Höhe, hinein in tausend Farben, eine unwirklicher als die anderen und weiter durch, in eine unwirkliche Welt, gefangen in einem Eisblock, doch tausendmal kälter. Die Luft brannte in den Lungen, als würde man Feuer atmen. Ich schrie und wachte im Lager auf, zunächst orientierungslos, dann aber umsorgt von der Elfe. Ich hoffe sie hat nichts bemerkt. Ich erzählte ihr, dass ich öfters Alpträume habe. Keine Lüge, nein, aber so etwas? So real? Nein, das war neu. Ich muss mir ernsthaft Sorgen um meinen geistigen Zustand machen. Ich hoffe, dass nicht mehr Schaden angerichtet wurde, als ich zunächst bemerken konnte, begann mir etwas meine Beine zu vertreten und bemerkte in der Ferne, in der Richtung in der die Kralle lag, ein Licht, bläulich-weiß. Und eine Stimme die mich zu rufen schien. Auch das war neu. Sollte ich folgen? Oder versuchen es abzustellen? Ich entschied mich zunächst für weitere Erkundungen. Den Rest der Nacht schaffte ich ohne Alpträume zu überstehen.

12 Boron
Den heutigen Tag erkläre ich zum ‚ich habe sehr, sehr dumme Menschen gesehen‘ Tag. Morgens mit steif gefrorenen Gliedern lief es sich noch viel, viel schlechter als vorher. Es dauerte Stunden bis wir den Schrecken meiner Nacht erreichten, der sich als deutlich größer herausstellte, als wir angenommen hatten. Nämlich mindestens 50 Schritt an der höchsten Stelle. Und schon von Ferne sah man einen dunklen Fleck auf dem Stein, der wie ein Eingang wirkte. Ich bewegte mich darauf zu in einer etwas vorsichtigen Haltung, denn die Erlebnisse der Nacht quälten noch immer meine Gedanken. Der Fleck war tatsächlich ein Eingang, verdeckt mit einem großen Stück braunem Vorhang. Direkt dahinter in einer Höhle, befand sich unter der Decke eine ziemlich offensichtliche
Konstruktion um die Höhle zu erhellen. Die Elfe meinte aber, dass jener Gegenstand, der blaues Licht aussendete, wohl eher eine Waffe gegen Eindringlinge sein müsste, und zerstörte sie, so dass blaues Wasser und Splitter auf dem Boden landeten, und das Licht verlosch. Ich ging, einen bösen Blick auf die Elfe werfend, weiter in die Höhle hinein, während diese eine Fackel entzündete. Am Ende der Höhle im Gang zu einer weiteren viel, viel größeren Höhle dahinter, lief ein Ring einmal um den Gang herum, auf dem in verschiedenen Schriftsprachen Symbole eingeritzt waren. Bhukar erinnerte sich erneut einiger, durchaus wichtiger Fakten. Offensichtlich war hinter dem Ring eine Art Bergwerk oder Mine, um magisches Metall, also Mindorium, abzubauen. Und Bhukar selbst dort festgehalten worden. Ebenfalls erwähnte er, dass er von einem der großen Drachen geschickt wurde um hier den Magier Liscom von Fasar davon abzuhalten zu tun, was auch immer er tat, aber
wohl gefangen genommen wurde und fliehen konnte. Er zeigte uns einen metallenen Ring um den Oberarm, der offensichtlich ein Sklavenring war, da dem großen Ring ähnlichen Buchstaben auf ihm zu sehen waren. Offensichtlich konnte Bhukar den Ring nicht passieren, ohne starke Schmerzen zu empfinden, wobei ich mich wunderte, warum beim Hineingehen eine Sperre eingebaut worden ist. Da ich aber nicht alle Zeichen lesen konnte, konnte ich mir nicht sicher sein, mit meinem Wissenstand auch auf den Grund der Dinge vorzudringen. Bhukar wollte aber unbedingt mitkommen, und da er offensichtlich kein Mensch ist, schien ihm die Durchquerung
Schmerzen, aber keinen Tod zu bescheren.
Die Halle dahinter war riesig, wirklich sehr, sehr groß, und direkt ins Auge sprang ein großes Gefäß am Ende, das an eine Lore für Riesen ohne Räder erinnerte. Also die Lore hatte keine Räder, nicht die Riesen…
Der Raum jedenfalls hatte drei weitere Ausgängen, einer der geradeaus offensichtlich in die Mine führte, und zwei kleinere rechts und links. Bhukar hatte uns informiert, dass dort Schlangenwesen aufpassten… ausgerechnet Schlangen. Ich hasse Schlangen. Warum müssen es immer solche Wesen sein? Warum nicht Killerrotpüschel?
Der rechte Gang führte zu einem weiteren Ring. Dahinter befanden sich, zumindest nach einem kleinen Erkundungsgang der Elfe, die auch gleich einen der Schlangenmenschen tötete, die Sklaven der Mine. Ohne groß zu überlegen, betraten dann die Elfe und der Maraskaner den Raum in dem, nach einer Zählung meinerseits, 15 Menschen und ein Toter lagen.
Bemerkenswerter Weise schien einzig meine Kleidung schon Grund genug um den Sklaven, die alle einen Armring trugen, Angst und Respekt einzuflössen. Sie folgten meinen Bewegungen mit den Augen, wie Schafe, die den Wolf fürchten, der zwar genährt, aber dennoch seine Macht über die Schafe demonstrieren geht. Es lag mir nichts daran diesen Blicken ausgesetzt zu sein. Was wollte ich mit diesen Menschen? Aber ich fürchtete jegliche Reaktion meinerseits, die mehr als
ein Gehen war, könnte die Situation eskalieren lassen. Die Elfe und der Maraskaner besprachen sich mit einem der heruntergekommenen Menschen, über die Anzahl der Sklaven und die Wachen und warum sie hier sind, und alles was ihnen einfiel. Unter anderem schien hier abends oder nachts ein Wesen die Erzeugnis des Tages abzuholen und ab und an schien ein Zwerg die Arbeiter zu
kontrollieren. Der Maraskaner wollte unbedingt tiefer in die Mine um die andere Schlange auch noch zu töten. Ich hingegen hielt es für angemessener mich in solchen Dingen zurückzuhalten und inspizierte die Küche, in der die tote Schlage lag. Nach einiger Zeit streifte ich den Gang weiter runter zu einer weiteren großen Halle, in dem sich der direkte Eingang zur Miene befand. Dort lag eine inzwischen weitere tote Schlange. Und es ertönte ein Gong. Durch den offensichtlich die
Arbeiter von einer Schicht in die nächste geschickt wurden, denn jene aus dem Schlafsaal bewegten sich auf uns zu, bedienten den Kran um die unten arbeitenden hochzuholen, bis ein weiteres Mal meine Mitläufer den Gong schlugen, und sie wieder zurückkehrten. Ich ging den Sklaven wieder hinterher, denn die Befragung hatte ergeben, dass sich der Gesuchte vermutlich nicht unter ihnen befand. Zumindest wenn sie mich nicht an logen, woran ich zweifelte, bei den Blicken die sie mir zuwarfen.
Es blieb noch der Gang auf der anderen Seite der Höhle mit der großen Lore, der nach einiger Zeit vor einer Tür endete, die ohne Schlüsselloch und Riegel vor uns aufragte, umgeben von arkanen Symbolen in verschiedenen Sprachen, die deutlich machten, dass man nicht ohne weiteres diesen Raum oder diese Räume betreten könnte, und das auch lieber lassen sollte. Dann kehrten die anderen zu den Sklaven zurück.
Auch ich kehrte mit ihnen zurück in den Schlafsaal, denn nun war es offensichtlich. Der Mann den wir suchten war nicht hier. Also mussten wir weiter ziehen. Unverständlicher Weise zog es mich in Richtung Nordosten, obwohl dort nichts zu erkennen war, das besuchenswert wäre, denn der Turm, den wir gesehen hatten, lag von hier aus im Süden. Der Maraskaner und die Elfe unterhielten sich darüber wie man die Sklaven am besten befreien könnten, dabei erschien es mir völlig unverständlich warum wir eine Horde unterernährter Männer mitten durch eine wasserlose Wüste schleppen sollten. Abgesehen davon, dass sie vermutlich beim Durchschreiten der Ringe einer nach dem anderen sterben würden. Dann unterhielten sie sich weiter darüber, wie man doch den Zwerg, der hier manchmal vorbei kommt beseitigen könnte. Aber da hörte ich schon nicht mehr zu.
Insgesamt schien mir der Ausflug in die Höhlen hier eine reine Zeitverschwendung, ja sogar eine pure Dummheit. Denn nun war, wem auch immer es hier nun wirklich gehörte, gewarnt.
Und sollte dieser Aufseher tatsächlich erscheinen, dann wäre er vermutlich sehr verärgert, und würde uns unerbittlicher folgen. Vermutlich bin ich eher der Typ für hinterhältige Angriffe. Das ist sicher nicht besonders rondragefällig, aber effektiv und wenn es ein Mensch oder eine Gruppe verdient hat, zu verzeihen.
Adaque folgte mir nach draußen. Offensichtlich hat sie einen ausgeprägteren Lebenswillen als die anderen. Draußen war es wieder kalt, die Praiosscheibe schon hinter dem Horizont verschwunden und die hellsten Sterne begannen zu funkeln. Es zog mich nach Nordwesten und da wir eh keine wirklich andere Option hatten, außer dem Turm, ging ich in diese Richtung, und auch Adaque schien an ihr gelegen. Ab und an drehten wir uns um, um zu sehen ob der Dämon am Horizont erschien, insgeheim hoffend, dass er nicht aus der Richtung erscheinen würde, in die wir gingen. Kurz bevor wir einen der Polylithen erreichten erschien plötzlich einige Schritt vor mir ein älterer Mann in einer Magierrobe, so dass ich abrupt zum stehen kam. Bevor ich mir das näher ansehen konnte, war die
Erscheinung auch wieder verschwunden.
Wir ließen uns an dem Polylithen nieder um zu warten. Und in der Ferne sahen wir den Dämon. Riesig und schwer wogte er durch den Staub. Zu erkennen war nur wenig. Ich fragte mich was der Dämon wohl mit den anderen anfangen würde, sollte er sie erwischen und grinste leicht in mich hinein. Sie hatte es im Grunde nicht besser verdient. Wenn mich mein Leben bisher eines gelehrt hat, dann das man Dämonen wenn möglich aus dem Weg gehen sollte, denn ihre Unberechenbarkeit durch das innere Chaos, dass sie stolz wie ein Geschenk der Götter in sich tragen, machte sie zu dem gefährlichsten, dass in den Sphären existiert.
Irgendwann muss ich an Adaques Schulter eingenickt sein. Ich stand wieder alleine in der Wüste und zog in gerader Richtung nach vorne, bis am Horizont eine noch staubigere Linie auftauchte. Zunächst etwas unsicher ging ich weiter, bis sich die Linie als fremdes Heer herausstellte. Und dahinter stand eine Festung, schon mitgenommen durch den Sturm des Heers. Kurzfristig schien es mir in meiner Kleidung ein ziemlich dummer Ort zum Stehen, andererseits war ich aber zu neugierig einen echten Teil der Geschichte mit an zusehen, wenn auch nicht real. Langsam ging ich auf die Schlacht vor der Festung zu und plötzlich schien sie vorbei und Lanzenreiter galoppierten auf mich zu. Schnell, immer schneller, so dass ich keine weitere Chance sah. Ich schloss einfach die Augen und hoffte, dass alles tatsächlich nur ein Traum sei, aber die Lanzen trafen meinen Körper und durchbohrten ihn. Ich schrie auf und war wieder bei Adaque in der kalte Nacht der Wüste. Ich schüttelte meinen Kopf um die Empfindungen des Traumes gleichermaßen loszuwerden, aber es half nur wenig. Zumindest ahnte ich nun, was sich im Nordwesten befinden könnte. Trotz allem entschieden wir uns dafür, dass wir zurückkehrten um nachzusehen, ob es nicht doch Überlebende in der Mine geben sollte.

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