Von der Unart lustig sein zu wollen

oder von schlechten Komiker-Spielern

Bezug nehmen auf folgenden Kommentar von unserem Mitschreiber Durro-Dhun kam mir der Gedanke einen weiteren Unart Artikel (s.h hier und hier für die anderen) zu verfassen über eine Tatsache, die vermutlich nicht nur mich immer wieder aufregt.

Durro (und sein Vorposter Roach) weisen in dem Kommentar auf die DSA Schelme hin, die praktisch eine Verkörperung der ganzen Problematik darstellen. Nämlich eine Charakterklasse (natürlich so auch in anderen Rollenspielen drin, etwa der Ragabash bei Werwolf: Die Apokalypse, wer jetzt Malkavianer hier aufzählen möchte, verlasse sofort diesen Blog!), welche per se vorgibt, dass der Charakter witzig sei.

Jaaa… genau. Und Magierspieler sind immer intelligent und Kämpferklassenspieler sind immer… Hmm. Komischerweise kommt nie jemand auf den Gedanken, dass Kämpferspieler auch gefälligst mehr Muskelmasse haben sollen – ein anderes Problem aber, was in einem weiteren Artikel angegangen werden wird.

Also, wir haben die Vorgabe des Settings und Systems, dass ein Charakter witzig zu sein hat. Wie meine oben etwas polemische Aussage zeigt, ist das aber leider nie und nimmer ein Garant dafür, dass der Spieler das dann auch wirklich drauf hat. In der Regel ist es sogar so, dass Spieler, die sich solche Rollen raussuchen, sich für wahnsinnig witzig halten, aber genau das Gegenteil sind. Nämlich eher nervend. Wer will schon im spannenden Endkampf gegen den fiesen Oberbösewicht beim alles entscheidenden Schlag einen blöden, völlig unpassenden Kommentar hören? In der Regel keiner und der Spielleiter am allerwenigsten. Denn der hat sich schließlich die Mühe gemacht eine entsprechende Stimmung aufzubauen, vielleicht langsam zunächst, mit Musikstücken im Hintergrund auf das die Spieler ihren Charakteren gleich, die Anspannung regelrecht spüren und dann… PUFF alles weg. Vorbei die Spannung, die Stimmung! Wer da nicht frustriert ist, hat das wohl vorher eh nicht absichtlich aufgebaut.

Hier geht es übrigens explizit um völlig unangebrachte Kommentare oder Aktionen seitens des Charakter, bzw. Seitens des Spielers. Nicht etwa um Kommentare und Aktionen, die in der gerade aktiven Szene für passende Stimmung sorgen. Und genau so kann natürlich auch ein Schelm oder ähnlicher Charakter eingesetzt werden. Wenn alle darauf vorbereitet sind, wenn die Szenerie gerade in die Richtung geht.

Das ganze Problem ist übrigens bei weitem nicht eines der Charakterklasse. Solche Klassen werden ja in der Regel von eben jenem Typen Spieler gewählt, die so etwas gerne machen, und denken sie hätten das echt drauf. Die sind dann eh mit entsprechender Vorsicht zu genießen – den einen richtig guten Komiker dafür zu bekommen grenzt an einen Lottogewinn.
Solche Situationen können aber leider auch bei Systemen und Settings passieren in denen solche Klassen gar nicht vorgesehen sind. Bei Horrorspielen (in der Regel) zum Beispiel. Und da kommen wir quasi auf einen der Gründe, warum die Spieler in solchen Situationen so handeln: Sie können die Anspannung nicht anders verarbeiten. Zumindest ist das meine Beobachtung in zahlreichen Cthulhurunden (hauptsächlich, aber auch in anderen Systemen) als Spielleiter gewesen. Die Spieler fürchten sich fast davor zu sehr auf die Geschichte, auf ihren Charakter einzugehen und um das zu verhindern wird einfach völlig unpassend ein Witz (sei es nun als Charakter oder als Spieler) gerissen damit die Anspannung und Immersion wieder verschwindet.

Was ja auch in der Regel durch solche Rufe passiert. Nur eben alle anderen, die vielleicht gerade das haben wollten, sehr nervt und eventuell dazu bringt solche Spieler ganz vom Spiel auszuschließen.

Was also tun, wenn man solchen einen Spieler in seiner Runde hat. Ist es eh eine Fun Runde, vielleicht mit einem System oder Setting was schon in die entsprechende Richtung geht, dann hat man da weniger Probleme und vermutlich viel Spaß, solange die Kommentare nicht zu albern werden. Hat man aber vor ernst zu spielen, episch vielleicht, oder eben Horror, dann sollte man da definitiv vor Beginn drüber sprechen. Macht euch aber keine all zu großen Hoffnungen da einen Großteil dieser Leute im Vorfeld zu erwischen. In der Regel wissen sie nicht, dass sie solche Spieler sind und werden natürlich mitteilen, dass man wie alle anderen gewillt ist ohne solche Kommentare mit zu spielen. Bis.. ja bis es dann das erste Mal passiert. Und da ist man dann in der Regel schon so weit fortgeschritten, dass man den entsprechenden Spieler auch nicht einfach bitten kann zu gehen (also kann man schon, aber kommt in der Regel nicht so gut an), obwohl das letztlich die einzige Möglichkeit werden wird, wenn es ein extremer Spaß-Spieler ist.
Was dann aber in der Regel passiert ist folgendes: Man entdeckt so einen Spieler und entweder ist es nur eine Tagesform gewesen und hält sich sehr in Grenzen, dann ist das kein großes Problem, oder es kommt dauern vor, man wirft ihn nicht raus, das Abenteuer rutscht ab in einer Richtung die der SL nicht haben wollte und letztlich wird es dann doch eine Fun-Runde. Die langfristige Folge ist, dass der Spielleiter letztlich so etwas immer seltener versuchen wird, weil Ernsthaftigkeit kaum eine Chance hat.

Was kann man also wirklich tun? Entsprechende Konsequenzen ziehen, auch wenn das Spiel weit fortgeschritten ist. Natürlich die Problematik ansprechen, aber sich den Spaß wegen eines solchen Spielers verderben lassen ist nun wahrlich nicht die Aufgabe eines Spielleiter.

Und die restlichen Spieler? Man kann etwas unterstützend wirken, in dem man nicht auf die Späße eingeht und sich mit aus der Handlung ziehen lässt. Das kann tatsächlich dazu führen, dass solches Verhalten seltener gezeigt wird, wenn immer gleich eine genervte Reaktion darauf kommt (merke, negative Verstärkung). Kann, wohl gemerkt, muss nicht. Es gibt leider viele Satellitenspieler, die sich dann auch noch an die Späße dran hängen und dann hat man in der Regel keine Chance.

1 Kommentar zu Von der Unart lustig sein zu wollen

  1. Interessant. Ich hab das „komische“ Element bei den Ragabash nie so interpretiert, dass die auf teufel komm Raus „Comedy“ betreiben, sondern eher durch ihren Lebenswandel einen eigenen Weg zu leben manchmal aufgrund der jeweils daraus folgenden „eiegnen Logik“ komische Eigenschaften vorweisen können. *kopfkratz*

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