Nest

Eine Fate-Besprechung von Infernal Teddy

Ich mag Narnia. Mag hier noch jemand Narnia? Eine Fantasywelt, die man von unserer aus erreichen kann, und die man auch wieder für unsere Welt verlassen kann, was gibt es daran nicht zu mögen? Ich vermute auch mal, dass das der Grund ist, warum ich als Kind die Choose your own Adventure-Reihe mochte, von der aus ich zu Fighting Fantasy gelangte, und dann final auch zum Rollenspiel. Wer offensichtlich auch Narnia mochte war Lev Grossman, dessen Roman The Magicians als Grundlage für eine Serie gleichen Namens diente. Und damit sind wir auch bei unserem eigentlichen Thema heute, denn ohne The Magicians hätte Davd S. Goodwin wahrscheinlich nicht Nest geschrieben, ein Setting für Fate Core von Evil Hat, welches uns in der deutschen Übersetzung vom Uhrwerk Verlag vorliegt.

Von der Optik gilt hier eigentlich alles, was auch schon zu Eagle Eyes gesagt wurde – Farbe, stimmungsvolles Artwork, angenehmes Layout. Im Gegensatz zu Eagle Eyes ist dieser Band mit 80 Seiten etwas länger, und wie schon erwähnt für Fate Core, nicht für Turbo-Fate. Was hier fehlt ist ein spezieller Charakterbogen und eine Zeichnung von einem Igel, aber das wollen wir hier mal nicht negativ auslegen.

Die Einleitung von Nest beschreibt die Prämisse auf der das Spiel basiert: Als Kinder sind die Charaktere zu den magischen Königreichen von Nest gereist und haben dort Abenteuer erlebt, und heute, als Erwachsene, müssen sie plötzlich wieder dorthin zurückreisen, weil eine schreckliche Gefahr diese Welt bedroht. Dabei fehlen den Charakteren die Fähigkeiten – und die Magie – welche sie in Nest einst beherrschten, so das sie diese Welt neu erleben und erlernen müssen. Das erste Kapitel reißt die drei Königreiche von Nest kurz an, Epos (das Land der legendäre Abenteuer), Schludrian (die Stadt der Wunder) und Mysterium (das Reich der Gegensätze und Mysterien), und wendet sich dann der Charaktererschaffung zu. Nest gibt vor, dass Charaktere ein heroisches Konzept haben, welches auf ihrer Zeit in Nest basiert, ein Aspekt der ihr weltliches Leben umschreibt, und dann der übliche Haken, und zwei freie Aspekte. Charaktere haben außerdem zu Spielbeginn keine Stunts, können diese aber im Laufe des Spiels erhalten. Zuletzt definieren die Spieler Talismane, mächtige magische Gegenstände, welche sie in ihrer Jugend in Nest besaßen – ähnlich wie die Weihnachtsgeschenke in The Lion, the Witch, and the Wardrobe. Abgerundet wird das Kapitel durch Hinweise und Hilfestellungen zu Meilensteine.

Kapitel Zwei wendet sich dann dem Leiten von Nest zu. Das Setting bringt ein oder zwei neue Sonderregeln mit, aber das Entscheidende sind die Hinweise für den Spielleiter. Nest kann auf drei Arten geleitet werden, entweder als klassische Heldengeschichte, eine Fortsetzung der Abenteuer der Kindheit, als Erlösungsgeschichte bei der das Vergessen der Helden schuld daran ist, dass die Reiche von Nest dem Untergang geweiht sind, und als Dekonstruktion, bei der die Kindheitsgeschichten im Vergleich fast wertlos sind. Außerdem muss die Entscheidung getroffen werden, wer der Feind ist – ein Kriegsherr, der ein ehemaliger Held ist, der Herrscher eines verloren gegangenen vierten Reichs von Nest, oder der Herrscher eines fremdartigen Volkes von jenseits der Welten. Auch die Schergen des Feindes werden ausgewählt, ebenso wie Begegnungen mit diesen nach und nach eskalieren.

Das dritte und letzte Kapitel, welches zugleich auch das umfangreichste ist, widmet sich den drei Königreichen von Nest, bzw. beschreibt auch wie die Charaktere nach Nest kommen, und wie sich ihre Geschichte in dieser Welt entwickelt. Es erinnert zumindest den Rezensenten nicht wenig an die Plot Point Kampagnen, die man so aus Settings für Savage Worlds kennt (Wie beispielsweise Sundered Skies), inklusive Werten für wichtige NSCs, bis zur finalen Begegnung mit dem gewählten Antagonisten. Abgerundet wird der Band durch eine Auswahl an Inspirationen, wie die Eingangs erwähnten Romane.

Fazit:
Nest ist großartig. Das ganze Konzept, welches hier präsentiert wird, kommt mir einfach entgegen, ich mag das literarische Genre bzw. dessen moderne Dekonstruktion. Dem Autor ist es hervorragend gelungen, ein spannendes Setting mit einer coolen Prämisse in wenigen Seiten zu skizzieren, welches direkt beim Lesen Lust zu leiten macht. Für mich als jemand der gerne Kampagnen spielt bzw. leitet ist es vor allem schön zu sehen das dieses Setting kampagnenorientierter ist als es Eagle Eyes – das soll jetzt nicht negativ klingen, das ist nur nur persönliche Präferenz. Alles in allem ist Nest ein großartiges Minisetting, und ich freue mich schon drauf, das anzuspielen.

3 Kommentare zu Nest

  1. Ein Bezug zu Narnia. Echt?
    Ok, ich glaube ich muss dann mal aus meinen Schrank klettern und einen genaueren Blick in NEST werfen.

  2. Das hört sich eigentlich sehr cool an. Ich kann mich aber leider mit FATE nicht so richtig anfreunden. Mit das unspannendste Regelwerk, welches ich je mehrfach versucht habe zu lesen. Aber die einzelnen Settings, z.B. Eis&Dampf und jetzt Nest sprechen mich total an.

    • Infernal_Teddy // Juni 10, 2017 um 15:30 // Antworten

      Ich setze mich gerade zum dritten Mal mit Fate ordentlich auseinander, und ich muss sagen: jetzt hat es klick gemacht. Man darf halt nicht vergessen das es keine „Physiksimulation“ ist, sondern eine „literatursimulation“. Ein regelwerk muss nicht spannend sein, sondern funktionieren 😉 Was sind denn für dich spannende regelwerke?

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  1. Scherbenland | Neue Abenteuer

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