Die Fallen von Kharé

Sorcery! - Band 2

Bereits vor einem guten Jahr ist der Auftakt der Sorcery! Reihe erschienen (Rezension 1 & 2). Es handelt sich dabei um die opulente Neuauflage eines der Klassiker des Spielbuchgenres. Teil der Fighting Fantasy Reihe von Steve Jackson, bewegen wir uns in einer sehr Oldschooligen Fantasywelt die von allerlei phantastischen und komischen Gestalten bevölkert wird und lösen unzählige knifflige Rätsel.

Das Besondere der Sorcery! Reihe ist einerseits die zusammenhängende Handlung, die uns auf der Suche nach der Krone der Könige führt, die von einem bösartigen Herrscher entwendet und entweiht wurde und andererseits das ungewohnte Zaubersystem. So sollten wir vor dem Abenteuer die Abkürzungen und Bedingungen für etwa 50 Zauber lernen. Während des Spiels dürfen wir als ehrlicher Leser nicht mehr in die – nun auch illustrierte – Zauberbuchabteilung schauen und uns während unserer Queste ausschließlich auf unsere Erinnerungen stützen. Denn während des Abenteuers werden wir immer wieder vor die Wahl gestellt zwischen 5 Zaubern zu wählen, die uns jedoch nur als Abkürzung vorliegen und manchmal in Sackgassen führen. Nicht alle der Zauberformeln existieren nämlich „wirklich“ oder haben eine sinnvolle Anwendung und für manche können wir die Requisiten noch garnicht besitzen – es ist also Obacht angesagt um uns nicht unnötigen Ausdauerverlust einzufangen.

Das Zaubersystem macht auch im zweiten Band das entscheidende Alleinstellungsmerkmal aus. Diesmal helfen uns die Zauber die Stadt Kharé zu durchqueren um in die Baklands vordringen zu können. Nur ist die Stadt Kahré leider für ihre zwielichtigen Gestalten bekannt und dafür, das seine Bewohner ein umfangreiches Fallensystem angelegt haben um sich zu schützen. Als wäre das nicht genug trennt uns auch noch eine magisch versiegelte Tür von den Baklands, so das wir zuerst die Sätze fürs Sesam-öffne-dich finden müssen. Dies gibt uns Anlass durch Kharé zu streifen, da wir erfahren, das alle Teile des Türzaubers in die Hand verschiedener Adeliger gegeben wurden die wir auffinden müssen. Unser Abenteuer besteht also zum großen Teil daraus eben jene ausfindig zu machen und sie davon zu überzeugen uns die Zauberstücke mitzuteilen. Dadurch sind einige gelungene Eckbegegnungen gesetzt die durch kreative Rätsel zu überzeugen wissen. Symbolreihen wollen ergänzt werden, eine Statue in bestimmter Reihenfolge geküsst werden oder ähnliches. Dazu reizt Steve Jackson die Möglichkeiten von wenn-dann Abschnitten weit aus und  hindert uns immer wieder erfolgreich am schummeln. Tatsächlich überrascht der Band nicht nur dadurch das wirklich alle optionalen Zaubermöglichkeiten ihre eigenen Abschnitte haben, sondern auch durch gut verzweigte Dungeons und überraschende (Zahlen)rätsel. Wer Rätsel und Herausforderungen mag wird voll auf seine Kosten kommen, und auch die Option Situationen durch verschiedene Zauber zu lösen ist überzeugend.

Weniger überzeugend, oder zumindest Geschmacksache ist hingegen die Welt der Reihe und die eigentliche Handlung. So wird man immer wieder unvermittelt in Szenen geschleudert die sich manchmal wie eine Aneinanderreihung von Intermezzi anfühlen. Gerade noch in einer Kneipe können wir plötzlich ohne allzu sichtbare Anzeichen entführt werden, von Orkkindern bestohlen werden, unvermittelt in der Kanalisation landen und so weiter und so fort. Ergänzt wird dieses etwas willkürliche Gefühl noch durch einige unqualifizierte Weggabelungsentscheidungen. Das heißt wir werden vor die Wahl gestellt in eine von mehreren Richtungen zu geben, haben aber keinerlei Information welcher Weg wohin führt. Das fühlt sich veraltet an und wird von modernen Spielbüchern vermieden. Ähnliches gilt für die Spielwelt selber. Sie wirkt etwas wie ein Absurditätenkabinett und ist darüber hinaus zwar zahlreich aber sehr gewöhnungsbedürftig illustriert. Mit anderen Worten, man sollte doch einen gewissen Faible für Retroillustrationen haben, oder zumindest über den Stil hinwegsehen können um das Buch wirklich zu genießen.

Fazit

Sorcery! ist ganz bestimmt kein schlechtes Buch. Es ist zahlreich illustriert, mit über 500 Abschnitten auf mehr als 300 Seiten sehr umfangreich und überzeugt durch einen innovativen Ansatz. Durch Zauber und die erfrischend anderen Rätsel bietet sich ein herausforderndes und erfrischendes Spielgefühl. Statt uns von Dungeonraum zu Dungeonraum zu schlagen, haben wir es hier mit Rätseln und geschicktem Einsatz von Zaubern zu tun. Auch die epische Queste und die sinnvolle Einteilung in Etappen kann überzeugen. Dennoch, der Stil der Welt und insbesondere der Illustrationen ist sicher nicht nach jedem Geschmack. Insbesondere auch der etwas sprunghafte  Handlungsverlauft verspielt etwas Potential. Sorcery!- Die Fallen von Kharé hält problemlos das Niveau des Ersten Bandes, weiß sogar durch die Stadtkulisse und neuerlich illustrierten Zaubern zu überzeugen, richtet sich aber vermehrt an retroaffine Spielbuchfans.

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