Das Leben eines Gezeichneten – Teil 6

Staub und Sterne - Teil 5

14 Boron
An den Hütten erwartete uns die Anwesenheit eines Mannes. Er saß am Feuer in der Mitte der Lichtung auf der die Hütten standen, und aus einem mir unerfindlichen Grund wollte ihn Adaque auf uns aufmerksam machen – mit einem Stein. Das Unheil schon ahnend, suchte ich Deckung im nahegelegenen Wald neben dem Weg, und tatsächlich hatte ich schon wieder Recht behalten. Der Mann rief laut Alarm und es erklangen Kampfgeräusche. Adaque kam nach einiger Zeit zu mir und musste wieder verbunden werden. Vermutlich hatte einer der Schlangen, die bestimmt auch hier unten wachten, auf sie geschossen.
Wir beschlossen die Zeit auszunutzen, die uns noch blieb um endlich den benötigten Schlaf nachzuholen. Die Elfe suchte ein halbwegs sicheres Lager entfernt von fast allem. Während meiner Wache bemühte ich mich mehr über den Inhalt der Phiole herauszufinden. Ich hatte Glück. Mit einem Odem konnte man sogar fast schon riechen um was es sich handeln könnte. Zur Sicherheit setzte ich noch einen Analys nach, und konnte meine Vermutung bestätigen. Der Inhalt ist eine Mischung aus Angstgift, erhöht mit einem Horriphobus. Eine interessante Verwendung, nebenbei bemerkt. Aber warum benötigt Liscom so was hier, weit draußen? Die eigentlich Anwendung ist mir klar, aber mit wem sollte er dies machen? Die Arbeiter hier schienen nicht gerade das richtige Klientel zu sein. Eine weitere Frage auf meiner Liste.
Dann wanderten meine Gedanken, während die Luft im Tal drückender wurde und die Geräusche des Waldes mich an meine Heimat erinnerten, zurück an die Stimme in einem Kopf. Ich versuchte von meiner Seite aus Kontakt aufzubauen, aber es schien niemand zuhören zu wollen. Denn ich hätte gerne erfahren, warum ich helfen sollte. Man sollte immer die Motivation für sein Handeln kennen, sonst kann man es nie vollständig und richtig ausführen. Und gerade bei Dämonen ist dies oft eine Hundertprozent zu schlimmer-als-tot Entscheidung. Man lernt
einfach, dass man Dinge richtig, oder gar nicht betreibt. Oder vielleicht bleiben einfach jene übrig, die diese Sache begriffen haben, und alle anderen…
Nachdem wir wieder alles zusammen geräumt hatten, machten wir uns auf den Weg zurück ins kleine Dorf, in dem wir aber niemanden mehr antrafen. Nach einem kurzen rätseln unsererseits und einem Hinweis vom Hund, dass er doch in Richtung der rauchenden Schornsteine nahe der westlichen Wand gegangen sei – so der Sklave vom Morgen – folgten wir dem ausgetretenen Pfad bis wir in der Ferne einige der Sklaven vor den Hütten arbeiten sahen, bewacht von drei der
Schlangenwesen. Die anderen beschlossen mehr oder weniger im Einverständnis sie anzugreifen. Die Elfe wollte einen Pfeil abschießen, während wir andere uns versteckten, hielt jedoch zunächst inne und lief etwas verwirrt durchs Buschwerk um uns schließlich darüber zu informieren, dass wieder dieses Luftflirren aufgetreten wäre. Ich sagte, das sei vermutlich ein Gotongi, worauf ich nur unverständliche Blicke erntete. Manchmal ist es wirklich schwierig. Die Elfe entschloss sich doch zu schießen und traf, denn die Wesen bewegten sich auf uns zu. Viel mehr habe ich vom Kampf nicht miterleben können, da mich direkt einer der Armbrustbolzen is
rechte Bein traf. Es setzte mich quasi außer Gefecht, und in der Hast mich um die Wunde zu kümmern schien mir nicht einmal dies zu gelingen. Nach dem Kampf musste ich mich tatsächlich auf Bhukar verlassen, der mir zumindest einige der Schmerzen in meinem Bein nahm. Adaque war schon vorausgeeilt und begann die Sklaven nach dem Gaukler zu befragen. Ich wies sie darauf hin, dass er nicht hier sein würde, sondern sicherlich woanders, denn er war nicht für
Sklavendienste hier hin gebracht worden. Offensichtlich sah sie es ein und fragte nach dem Weg Liscoms vor einiger Zeit. Sie zeigten auf die westliche Wand mitten ins Buschwerk hinein, so dass sich die Elfe am Lesen Liscoms Spuren versuchte, aber scheiterte. Mit einem Kopfschütteln rief ich einen Odem Arcanum auf dem Weg vor uns, und konnte so die Restspur Liscoms sehen und ihr mit den anderen im Schlepptau folgen. Des Weiteren sah ich den Gotongi vor mir, wie er
uns mit seinem einen Auge neugierig beäugte, für alle anderen natürlich unsichtbar und höchstens als Flirren der Luft wahrnehmbar. Mein erneuter Versuch die Beherrschung eines von
Liscom gerufenen Wesen zu übernehmen gelang jedoch nicht, und er griff mich an – konnte mich allerdings nicht verletzen. Bhukar reichte es offensichtlich, denn er schickte den Gotongi mit einem Fulminictus zurück zu Iribaar. Wenigstens konnte uns Liscom so nicht mehr sehen.
Weiter in Richtung Westen lag, zwischen einigen Felsen, der Eingang zu einer Höhle den offensichtlich zu betreten einigen Schwierigkeiten bereitete. Mir natürlich nicht, aber der Hund wollte offensichtlich unter der fadenscheinigen Ausrede, dass er auf unsere Rücken achten würde, draußen bleiben.
Die Höhle war dunkel innen, so dass Adaque ihre letzte Fackel entzündete. Sie erhellte einen Teil der Höhle, der wahrlich wunderbar anzusehen war. Auf dem Boden glänzten im Fackelschein drei große Heptagramme. An den Wänden im hinteren Teil der Höhle standen ein Tisch und ein Holzkäfig in dem vermutlich der Gesuchte zu finden sein würde. Aber kein Liscom. Seltsam. Ob er sich auch tarnen konnte, wie die Elfe? Ich versuchte es erneut mit einem Odem, und hatte Erfolg. Die ganze Höhle erstrahlte in einem hellen Glanz, sowohl die Wände als auch der Boden waren leicht magisch, die Heptagramme strahlten hell auf, ebenso wie die Materialien auf dem Tisch an der Wand. Und Liscom, der in der Nähe dieses Tisches stand. Ich machte einige Schritte auf ihn zu und hörte wieder die bekannte Stimme in meinem Kopf, die mir sagte, dass dies mein Weg sei. Ich fragte ihn stumm, ob er es mir erklären könnte, bewegte mich aber gleichzeitig weiter auf ihn zu. Nach einigen Schritten tauchte er aus dem nichts vor mir auf.
Ein bisschen größer als ich ihn mir vorgestellt hatte, aber wie vermutlich jeder Beherrschungsmagier von einnehmender Gegenwart. Er grüßte mich und forderte mich auf mich ihm anzuschließen und mit ihm gemeinsam IHN wieder zu erwecken.
Im Hintergrund hörte ich Kampfeslärm, den ich mir nicht erklären konnte, so dass ich mich umdrehte und mit Schrecken feststellte, dass Adaque die Elfe angriff. Liscom bemerkte nur abfällig, dass sie keine Chance hätten. Ich warf ein, dass da immer noch ein Drache frei herumlaufen würde, aber er machte nur eine einfache Handbewegung und Bhukar krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden.
Im Grunde enthielt das Angebot von Liscom wirklich seinen Reiz, aber wenn etwas schief laufen würde, dann hätte ich was weiß ich verspielt. Liscom sagte, dass dies einen großen Teil des Reizes ausmachen würde, und ich eh jeden Tag bei den Zaubern, die ich benutzte mit dem Risiko spielen würden. Er hatte ja recht, aber diese Entscheidung zu treffen war nicht einfach. Sie würde mein komplettes restliches Leben – sofern noch vorhanden – verändern. Ich teilte ihm mit, dass ich darüber nachdenken müsste und ging hinüber zur Wand um mich an etwas Festem
anzulehnen, in diesem Meer des Chaos in dem meine Gedanken schwammen.
Die Elfe hatte sich inzwischen einen Blitz dich find zunutze gemacht und Adaque auch davon abgelassen sie weiter anzugreifen. Offensichtlich verfügte die Elfe auch über einen magischen Weg Liscom, jetzt wieder unsichtbar, aufzuspüren, denn sie setzte zielsicher einen Schuss in entsprechende Richtung, der tatsächlich traf; als Antwort erhielt sie einen Feuerball zurück. Ich begann einen Pandämonium vorzubereiten um, wenn ich denn eine Entscheidung getroffen
hätte, bereit zu sein. Die Elfe, offensichtlich noch immer der Meinung einen einfachen Magier vor sich zu haben, versuchte es erneut mit einem Zauber – vermutlich Fulminictus. Dieser schien jedoch wenig Wirkung zu zeigen, da sie kurz darauf unter Schmerzensschreien bewusstlos oder tot inmitten der sich erhebenden Tentakel und Mäulern des Pandämoniums zusammenbrach. Es ist schon eine Kakaphonie ein Pandämonium mit Iribaar als vorherschendes Element vor sich
zu haben. Nicht nur die wirren schlängelnden Bewegungen der Tentakle und Krallen, auch
wirre Wortfetzen, Schriftzeichen bis ins unendliche verzerrt verunstalten den Raum. Liscom raunte mir zu ich solle sie zerreißen, aber ich hatte mich noch immer nicht entschieden, bemerkte nur, dass sich Adaque inzwischen des auf dem Tisch liegenden Karfunkelsteines bemächtigt hatte. Das war nicht wie es sein sollte. Wenn wollte ich die Macht haben mich zu entscheiden, und nicht mir die Entscheidung durch eine solche Handlung abnehmen lassen. Ich fürchtete, dass der Drache sich wieder erheben würde, wenn er auch nur ein Stück des Steines zu
fassen bekam. Ich wirkte einen Horriphobus auf sie und versuchte sie so zu Fall zu bringen, doch es nützte nichts. Sie übergab Bhukar den Stein, der ihn fest umklammert hielt. Offensichtlich hatte Liscom ähnliche Gedanken, denn er wirkte einen eigene Ängste auf Adaque, so dass sie schreiend zusammenbrach.
Ich machte mich auf um zu Liscom zu gehen, der über Bhukar gebeugt da stand, und mich fragte, ob ich es ihm wegnehmen möchte, oder ob er dies tun sollte. Noch immer unschlüssig tippte ich Bhukar mit der Fußspitze an, aber er regte sich nicht. Auch nach einer Berührung mit meinen Händen zeigte sich keine Regung. Mutiger versuchte ich ihm den Stein aus den Armen zu nehmen, aber er schien wie festgewachsen. Ja… gut ich bin auch nicht besonders kräftig. Bhukar jedenfalls schien es zu reichen. Er erhob sich und stieß uns beide in unterschiedliche Richtungen davon. Liscom landete nahe der sich windenden Tentakel. Es sah nicht gut für seine Sache aus. Ich traf die Entscheidung, die ich letztlich treffen musste, und orderte die Tentakel Liscom anzugreifen, dem sie auch breitwillig folgten. Bhukar rannte auf Liscom zu – half der Elfe auf die Beine – und auch Adaque kehrte wieder ins hier und jetzt zurück. Ich machte mich ebenfalls auf den Weg zu Liscom, nun mit einem deutlichen Wunsch. Den anderen das Gefühl geben, dass ich sie nicht eine Sekunde verraten hatte wollen. Sonst wäre ich genauso des
Todes. Sie durften einfach nicht auf die Idee kommen! Bei Liscom angekommen, wendete ich einen Brenne, toter Stoff auf ihn an, um ihn in blauem Feuer erstrahlen zu lassen. Bhukar sprang, sein Schwert irgendwo verloren, mit beiden Fäusten voraus auf Liscom zu und warf ihn um, um ihn anschließend zu Tode zu prügeln. Entsetzt sah ich zu wie der Magier in nunmehr natürlichen Flammen verbrannte und zu einem schwarzen unförmigen Klumpen wurde. Ich hoffte im
Stillen, dass er nicht irgendwelche wichtigen Dinge in seinen Taschen oder um den Hals getragen hatte. Sein Tod störte mich indes wenig.
Noch immer etwas gehindert durch die Schusswunde am Bein humpelte ich zu dem Tisch auf dem der Stein des Drachen gelegen hatte, um dort einige interessante Dinge vorzufinden. Ich nahm zunächst einmal alles an mich, was auf dem Tisch lag. Dann hörte ich wieder die Stimme in meinem Kopf… aber das konnte nicht sein! Liscom war tot! Wie sollte er weiterreden können? Die Stimme sagte sie werde mich beobachten. War es letztlich gar nicht Liscom gewesen? Ich überlegte ob ich ihn wieder zurückrufen sollte, entschied mich jedoch dagegen. Adaque hatte sich inzwischen zu dem Gefangenen im Käfig begeben und sprach mit ihm. Auch Bhukar ging hinüber und riss zu meinem Erstaunen den goldenen Armreif vom Arm ab, und wiederholte das ganze mit seinem eigenen. Offensichtlich war mit dem Tode Liscoms die Macht der Armreifen verschwunden, also musste er zumindest in dieser Sphäre tot sein. Ob ich mir die Stimme bloß einbildete?
Der Gefangene war in einem recht guten Zustand, wenn man bedenkt wofür er hatte dienen sollen ist es allerdings nicht weiter verwunderlich. Leicht verwirrt ging ich mit den anderen nach draußen. Die Elfe hatte vorher schon das Weite vor dem Geruch des verbrannten Fleisches gesucht.
Draußen stieg Rauch von der Erzverarbeitungsanlage und den Hütten der Sklaven auf. Sie schienen den Tod ihres Meisters bemerkt zu haben. Mit einer schlimmen Befürchtung im Kopf versuchte ich schneller zum Turm zu kommen. Da auch hier in der Höhle keine nennenswerten Schriftstücke gewesen waren, mussten sie irgendwo anders sein. Wahrscheinlich hatten wir einen geheimen Raum im Turm übersehen. Und meine Befürchtungen bestätigten sich. Auch vom Turm stieg Rauch auf. Sie zerstörten mein zukünftiges Heim! Und jede Menge unersetzbare Gegenstände. Ganz zu schweigen von den Schriftstücken, die wir nicht gefunden hatten. Bhukar hatte ein Einsehen und verhalf meinem Bein zu vollendeter Gesundung, so dass ich
schneller rennen konnte.
Am Turm angekommen standen schon große Teile in Flammen. Mit einem Schrei rannte ich außen auf der Treppe um den Turm hinauf. Adaque folgte mir und rief etwas von einem Koch. Als wäre ein Mensch so viel Wert, wie das was hier verbrannte. Auf dem Weg kamen uns einige der Sklaven entgegen, und ich versuchte im vorbeirennen einen den Turm hinunter zu stoßen für das was sie hier angerichtet hatte, doch ich war zu sehr in Eile um etwas auszurichten. Im Schlafraum angekommen, in dem der schöne flauschige Teppich schon brannte, entdeckte ich
eine geheime Tür hinter der, nach dem ich sie durch mehrmaliges Stoßen meines Stabes geöffnet hatte, viele Regale mit Büchern aufgereiht waren von denen einige ebenfalls brannten. Welche sollte ich mitnehmen? Ich konnte schlecht alle tragen… Glücklicherweise kam mir Adaque zu Hilfe. Ich stopfte ihr zwei Bücher in die Arme, nahm selbst zwei und wir begaben uns über die Brücke gerade rechtzeitig in Sicherheit, bevor die Flammen alles fraßen was im Turm gewesen war. Auch die Elfe, der Hund und Bhukar waren inzwischen angelangt, was auch immer sie in der Zeit getrieben hatten. Adaque begann schon zu planen wie denn am besten alle
Sklaven befreit werden könnten, während ich noch immer trübselig auf die brennende Ruine des Turmes schaute. Sie wollte mit dem Hund zur Mine gehen und die dortigen Arbeiter holen, während ich und die Elfe hier für eine passende Karawane sorgen sollten.
Ich begab mich also mit der Elfe und Bhukar zusammen wieder per Aufzug, der glücklicherweise weit entfernt genug war um nicht von den Flammen angegriffen worden zu sein, an der Seite nach unten. Bhukar verabschiedete sich von uns, und sagte dass er nun zurückgehen müsste und verschwand. Nach einiger Zeit hörten wir das Geräusch von zerbrechenden Bäumen und ein riesiger blauer Drache erhob sich über dem Tal. Er sagte, dass er nun erst einmal seinen vermutlich verletzten Stolz pflegen würde… also nein, sagte er nicht, aber es erschien mir passend. Er hatte uns bei Bhukars Körper eine Flöte hinterlassen mit dem wir einmal über eine große Strecke transportiert werden würden, wenn wir sie benutzten. Ich ritzte meine Namen unten in den Fels auf dem der Turm gebaut war um meinen Anspruch deutlich zu machen. Nicht das das irgendeinen Effekt haben, oder jemand bemerken würde, aber ich fühlte mich besser dabei. Und wieder hörte ich die Stimme in meinem Kopf. Ich würde wohl bis ans Ende meiner Tage damit herumlaufen müssen, dass da irgendetwas ist und Dinge von mir verlangt. Kein schöner Gedanke. Es sagte das Es – vermutlich der Turm – mein sei, und ich sein, und das
Werk vollenden sollte… gut ich hatte alle Gegenstände die dafür benötigt wurden – wahrscheinlich zumindest – aber leider nicht im mindesten Ahnung wie so etwas anzustellen sei. Vielleicht stand in den geretteten Büchern etwas mehr. Ich antwortete stumm, da die Elfe neben mir stand, dass ich es vor hätte, und irgendwie hatte ich es vielleicht, auch wenn ich den Weg noch nicht sah.

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