Das Leben eines Gezeichneten – Teil 7

Staub und Sterne - Teil 6

15 Boron
Der Tag war recht ruhig. Im Tal ist die Nacht nicht so kalt, wie oben in der Wüste. Ich verbrachte den Tag mit Durchforsten der Bücher, die ich gerettet hatte und viel schlafen. Mir war eine Idee gekommen, wie wir alle durch die Wüste bringen könnten, und ich fand in einem der Bücher sogar einen praktischen Hinweis, den ich am nächsten Tag austesten wollte, wenn die Sternenkonstellation richtig war.

16 Boron
Ich war recht aufgeregt an diesem Tag mit der Aussicht, das großen Heptagramme in der Höhle mal auszutesten und zu sehen was es leisten konnten, gekoppelt mit der Sternenkonstellation. Adaque und der Hund waren mit knapp 20 Sklaven aus der Mine zurückgekehrt und wir hatten gemeinsam beschlossen, dass ich einen der Transportdämonen rufen würde um eine der großen Lorenbehälter mit Wasser zu tragen und so die Versorgung auf dem Weg sicherzustellen. Und meinen Transport. Ich müsste nicht mehr laufen und könnte mich vollständig auf das Lesen der
Bücher konzentrieren.
Diese Heptagramme im Boden sind wunderbar. Der gewünschte Dämon, ein verwandter des Dahrei, erschien wie gewollt und ich übermittelte ihm, dass er den Trog mit Wasser, mich und mein Gepäck bis zum Ende der Wüste bringen sollte. Außerdem sollte er auf Wunsch anhalten, damit die anderen ausruhen könnten. Und am Ende der Reise sollte er wieder in seine Heimatdomäne verschwinden. Um ihn für diese Zeit auch in dieser Sphäre zu halten band ich ihn an mich, bemerkte aber leicht zu spät, dass meine astralen Kräfte nicht ausreichen würden, und so verwendete ich mit einer gewissen inneren Anspannung einen Teil meiner Lebenskraft.

17 Boron
Etwa 20 der Sklaven wollten hier im Tal bleiben und dort leben. Ich teilte ihnen mit, dass dies nun mein Tal sei und sie hier gerne bleiben dürften, wenn sie wollten. Und für einen Lohn, sollte ich dann später wieder zurückkehren, für mich arbeiten könnten. Vielleicht sollte ich mir vorher Kenntnisse in Beherrschungsmagie beibringen. Immerhin hatten sie meinen Turm zerstört.
Es ist wirklich recht gemütlich so zu reisen… wenn man den Geruch ignoriert. Zumindest hatte ich keinerlei Probleme die Felswand so zu erklimmen. Wir begaben uns auf direktem Weg zu der Schlucht durch die wir hinaufgelangt waren. Am Abend gelangten wir zu dem großen Turm den wir bei Betreten der Wüste gesehen hatten, aber er stellte sich als bloße Basaltformation heraus, kein Gebäude. Und so nächtigten wir in dessen großem Windschatten, wieder begleitet vom
sphärischen Schreien, dass den Sklaven sehr zu schaffen machte, und auch mich unfreiwillig an meine Träume erinnerte.

18 Boron
Wieder ein erneuter Tag in der Wüste an dem nichts weiter aufregendes passierte. Gegen Abend erreichten wir die Schlucht mit dem Boronshaus und wanderten noch ein gutes Stück hinein, bevor wir rasteten. Die Untoten, die uns beim Aufstieg überrascht hatten, ließen uns in Ruhe, und wir konnten eine weitere ruhige Nacht verbringen, auch wenn die Kraft des Transportdämons in mir ziemlich an meinen Kräften zog.

19 Boron
Mitte des Tages gelangten wir ans Ende der Schlucht und die anderen kletterten den Weg bis zum Grund herunter, während ich den Dämon entlud. Ich könnte mich über mich selbst ärgern… wie konnte ich nur so dumm sein? Der Dämon reckte eine handähnliche Masse nach mir aus, und in einem offensichtlich nahe des Wahnsinns liegendem Mut griff ich zu. Der Dämon drückt mit vermutlich nicht mal all seiner Kraft zu und begann mich zu sich zu ziehen und meine Hand zu zerquetschen. Ich schrie vor Schmerzen auf und ging in die Knie, doch der Dämon wollte sich offensichtlich einen Scherz mit mir erlauben und ließ mich, nach dem meine rechte Hand nur noch ein unförmiger Klumpen war, in Ruhe und verschwand zurück in seine Sphäre. Nicht mehr in der Lage bei Bewusstsein zu bleiben – Adaque fragte doch tatsächlich, ob es mir gut gehen würde – ging ich bewusstlos zu Boden, aber kurz zuvor hörte ich wieder jene Stimme, die mich verhöhnte und mir nochmals versicherte, dass ich sein sei. Als ich wieder zu mir kam, war
meine Hand verbunden, geschient und schmerzte nicht mehr so stark. Ich fragte nicht nach,
vermute aber dass die Elfe mir geholfen hatte, und so waren wir nun quitt.

20 Boron – 25 Boron
Die Reise zurück nach Kunchom verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Die Sklaven verstreuten sich jetzt zum Großteil um in den Dörfern zu bleiben oder in eine andere Stadt als Kunchom zu reisen. Wir hatten etwa 30 der Sklaven retten können. Einige waren auf dem Weg durch die Wüste umgekommen, aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung. Elf blieben bis Kunchom bei uns und verstreuten sich erst dann in der Stadt. Die Familie des Gauklerjungen – also die, die noch lebten – empfingen uns höchst erfreut, und ich ersparte auch ihnen eine Beschreibung wofür ihr Sohn hatte Verwendung finden sollte und hoffte das Liscom es ihm nicht gesagt hatte.

25 Boron – 28 Boron
Wir verbrachten drei Tage mit feiern und die Familie mit Vorbereitungen zur Hochzeit ihres Sohnes. Ich konnte mich nicht recht darüber freuen. Irgendwie schien alles grauer als sonst. Ich rechnete jeden Moment mit einem erneuten Auftauchen der Stimme in meinem Kopf, die mir sonst was sagen könnte. Also sonderte ich mich von den Feierlichkeiten ab, gerade genug um nicht als Spielverderber zu gelten. Immerhin konnte ich als Ausrede anführen, dass ich lesen müsste. Die Hochzeit war interessant, aber nichts Besonderes. Uns wurde nochmals gedankt und dann verabschiedeten wir uns auch.

29 Boron
Ich hatte endlich das Schriftstück über die Reise für den Hesindetempel fertig gestellt und bat Adaque ihn für mich dort abzugeben. Sie schien sich zu wundern warum ich das nicht selbst tun wollte, aber ich speiste sie damit ab, dass ich noch zur Akademie müsste um eines der Bücher zu verkaufen. Sie wollte anschließen nachkommen, sah mich aber mit einem beunruhigenden Blick an. In der Akademie verkaufte ich das Buch über Artefaktmagie und wälzte einige Bücher in
der Bibliothek, aber sie konnten mich nicht befriedigen. Allerdings hörte ich Adaques Stimme, die mit einem der Kollega sprach und ihn für einen Goldbarren – einen Goldbarren, man muss sich das mal überlegen – darum bat, ob er nicht herausfinden könnte, ob ich irgendwie verzaubert sei. Ich bedeutete mit einer Kopfbewegung, dass sie Unrecht hatte, in der Hoffnung dem Magier das
verständlich machen zu können. Er verstand und murmelte einfach irgendwelchen Unsinn, während Adaque einwarf, dass das doch Odem Arcanum heißen würde, ich aber zu genervt war,
ihr zu erklären, dass ich damit einfach leuchten würde. Die Elfe jedoch schien doch an der Lösung des Problems interessiert und sie wendete doch tatsächlich einen Beherrschungszauber auf mich an. Ist das zu fassen? Eine Elfe und Beherrschungszauber dieser Art? Sie fragte mich, ob ich verzaubert wäre, und ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich das nicht wäre, und atmete innerlich erleichtert auf, dass es diese Frage gewesen war und keine andere. Ich warf ihr einen verärgerten Blick zu, den sie ignorierte. Wenn sie das kann, wer weiß was sie noch alles kann.
Auf der Straße kam uns einer der Novizen des Hesindetempels entgegen und bat uns mit ihm in den Tempel zu kommen, da dort sein Meister mit uns sprechen wollte. Das war wirklich nicht mein Tag, zuerst diese Magiersache und dann der Tempel. Warum nur ich? Ich versuchte mich davor zu drücken, aber nicht zu sehr, da ich sonst noch mehr Argwohn erwecken würde. Wohl oder übel folgte ich den anderen in Richtung Tempel. An der Pforte setzte ich vorsichtig einen Fuß auf die Schwelle und beobachtete mich, dann ging ich einen Schritt hinein und es schien noch immer nichts zu passieren. Immerhin. Das war ein gutes Zeichen. Im Inneren erwartete uns der Novize, der uns in eine Kammer führte und alleine ließ, bis eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit den Raum betrat. Offensichtlich ein sehr, sehr hoher Mensch in der Hesindekirche. Er würde mich sofort durchschauen und ich begann leicht zu zittern, während er die Bitte an uns richtete, ob wir ihn auf seiner Reise zurück ins Horasreich begleiten könnten. Nachdem er geendet hatte, sahen mich auf einmal alle an und ich begann mich schon zu einem Ja durchzuringen, aber irgendwie klang meine Stimme nicht ganz so betont wie sonst. Und dies fiel auch dem Hochgeweihten auf, der mich fragte ob alles in Ordnung sei. Ich antwortete mehr schlecht als recht, dass das schon gehen würde, aber Adaque fiel mir ins Wort und erzählte freimütig dass ich doch irgendwie anders wäre seit ich den Transportdämon beschwört hätte und das er mir die Hand zerquetscht hätte. Ich versuchte irgendwie unscheinbar und unauffällig
auszusehen, aber es gelang nicht. Er sah mich mit einem ungläubigen, ja fast schon entsetzten Blick an, und ich wünschte ich wäre ganz wo anders. Dann sah er wieder hinüber zu Adaque und wieder zu mir und teilte mir mit, dass er eine Prüfung machen könnte, wenn ich wollte. Direkt an dem Abend. Er mich aber auch ohne mitnehmen würde. Seltsam. Für ihn wäre es glaub ich kein Aufwand, sondern eher ein Dienst an der Kirche. Warum mich also ohne Prüfung mitnehmen, wenn er schon einen Verdacht hat?
Ich ging nicht hin am Abend. Das war mir einfach zu riskant. Was auch immer er herausbekommen könnte würde höchstwahrscheinlich schlimmere Folgen haben, als alles was mir gerade passiert. Außerdem würde er mich dann bestimmt nicht mitnehmen wollen, und das war eine potentielle Reise nach Hause, und sogar umsonst.

3 Kommentare zu Das Leben eines Gezeichneten – Teil 7

  1. Der Artikel heißt auch Leben eines Gezeichneten Teil 6 und Staub und Sterne Teil 5?
    Obwohl es die Nummerierung so schon mal gab? 🙂

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