Der Pfad des Phex

Roman 156

Irgendwo wünschte sich Aljoscha Timeran vermutlich recht bald, dass er doch nie auf die Idee gekommen wäre in das Haus des Barons einzubrechen um dort nach den sicherlich vorhandenen Reichtümern zu suchen. Denn erstens fand sich weder im Schlafzimmer, noch im Zimmer der jungen Tochter etwas, dass sich gelohnt hätte und zweitens fand sich dann leider ein weiterer Einbrecher, der sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollte und so für Lärm sorgte, dass Joscha erst später im Kerker wieder zu sich kam. Nach einem Gespräch mit einem Herrn Inspector Ingmar von Zabernheim von der Garether Criminal-Cammer, bei dem er einfach erzählt was passiert ist, rettet ihn eine schöne Fremde aus dem Kerker und will dann verschwinden. Doch so fremd ist sie Joscha gar nicht, handelt es sich doch um eine alte Flamme aus Jugendtagen, von der er bislang dachte, dass sie bei einem Coup seiner damaligen Truppe mitsamt allen anderen umgekommen sei. Joscha möchte mit diesen offenen Fragen nicht leben – schließlich hat er nicht nur Vater und Mutter bei einem Überfall verloren, sondern musste auch seinen Meister aus dem Tempel von Handel und Wandel gehen lassen – und stellt Rishka zur Rede. Und die Antworten gefallen dem jungen Streuner absolut nicht. Sie gefallen ihm so sehr nicht, dass er versucht hinter das Geheimnis zu kommen. Das Geheimnis, welches irgendwie dafür gesorgt hat, dass der Baron von der KGIA beschattet wird. Und ein Geheimnis, bei dem ihm von unerwarteter Seite aus Hilfe zu kommt: Die Tochter des Barons findet nämlich nicht wirklich Gefallen daran, dass ihr Vater ein Verbrecher sein soll. Doch was genau wollen sie wirklich von ihm? Was hat Rishka in der Nacht dort gesucht? Fragen auf die eine Antwort gefunden werden muss.

Der Roman ist sehr kurzweilig und zieht den Leser praktisch mit der ersten Zeile von Kapitel zu Kapitel durch den Band bis zum Ende der Geschichte, so dass man das Buch eigentlich nicht aus der Hand legen möchte. Dabei sind vor allem die interessante Mischung der Hauptcharaktere (Joscha, der sturköpfige Dieb; Rishka, die KGIA Ex Diebin, weil sie Verfehlungen wieder gut machen will; Sigune, die etwas naive Tochter des Barons) und das Rätsel, welches sich um das Artefakt aufbaut, das die KGIA unbedingt haben will und dessen Beschaffung Joscha ja zunächst verhindert (wobei Rishka es vermutlich nicht gefunden hätte, wenn man bedenkt wo es denn dann später wirklich gefunden wird). Die Geschichte selbst spielt in einem praktisch gänzlich unmagischem Gareth, und einem ebenfalls recht zeitlosem. Natürlich werden Namen genannt und auch ein paar Begebenheiten, aber ob der Roman nun 1038BF oder 1008BF spielt, ist nur eine Frage von 30 Jahren. Dennoch ist zumindest der Hintergrund des Artefakts recht episch und mächtig und man fragt sich unweigerlich beim Lesen, ob man das Ding nicht irgendwie in ein eigenes Abenteuer einbauen könnte.
Leider gibt es aber auch ein paar Abzüge. Diese sind etwas schwer zu beschreiben, will man nicht das Ende der Geschichte spoilern. Dort jedenfalls kommt es zu zwei Situationen bei denen aktive (Ex)Spieler des schwarzen Auges nur mit dem Kopf schütteln werden. Um nicht zu sehr vorzugreifen, sei hier nur eine genannt, die wenig Ausblick gibt: Man kommt sich nämlich ein bisschen vor wie in Final Fantasy VII, in dem man zu jeder Zeit im Kampf fies gefallene Spielercharaktere (zerfetzt, verbrannt, ertrunken, etc) wieder zum Leben erwecken kann, aber in einer Videosequenz stirbt dann plötzlich einer der Charaktere ohne das das noch möglich ist. Hier im Roman steht jemand kurz vor dem Tod und ist in einer Umgebung in der es locker jede Menge Möglichkeiten gäbe diesen abzuwenden. Aber damit ein bestimmtes anderes Ereignis passiert, wird das einfach mal als nicht möglich angesehen (zumindest stellt es sich so für den Leser dar). Das ist unlogisch und unstimmig mit der Welt des schwarzen Auges und hinterlässt den faden Beigeschmack, dass der Autor eine Mary Sue geschrieben hat. Hätte wirklich nicht sein müssen und trübt zusammen mit der anderen hier aus Gründen von Spoilern nicht geschilderten Sache das Lesevergnügen doch nicht unwesentlich.

Fazit:
Wer keine Probleme mit aventurischer Stimmigkeit hat (oder diese vielleicht gar nicht kennt) wird einen kurzweiligen, netten kleinen Roman vorfinden. Wer solche Geschichten gerne mit größtmöglicher Authentizität liest, wird zumindest am Ende etwas stutzen, sollte sich aber ob der netten Geschichte vielleicht doch überlegen mal rein zu schauen.

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