Das Leben eines Gezeichneten – Teil 2

Staub und Sterne - Teil 1

30 Travia
Wir, also ich und die anderen mit denen ich inzwischen reise, sind endlich in der Stadt angekommen. Gauklerfest- bestimmt eine interessante Sache, und vielleicht wird es mich ein bisschen ablenken. Die Stadt jedenfalls ist ziemlich voller Menschen. Glücklicherweise habe ich inzwischen keine größeren Probleme mehr in einem Zelt unter freiem Himmel zu nächtigen, also war ich stillschweigend damit einverstanden direkt auf dem Zeltplatz zu schlafen, auf
den uns ein freundlicher Herr wies.
Meine Reisekameraden, allesamt seltsam anmutende Gefährten, hatten offensichtlich schon länger keine Stadt von innen gesehen, denn sie machten sich sogleich auf, verschiedenste Tauschgeschäfte zu erledigen.
Abends feierten die schon anwesenden Gaukler ein kleines Fest, dem wir beiwohnten und erfuhren, dass eine größere Gruppe von Künstlern noch immer nicht eingetroffen sei. Aber ich machte mir keine großen Gedanken darüber. Eine Reise ist immer ein gewisses Wagnis, bei dem es durchaus zu Verspätungen kommen konnte.
Ebenfalls am Feuer saß eine Traviageweihte, der ich, natürlich aus bloßer Vorsicht, lieber nicht zu nahe trat. Ich entfernte mich sogar etwas vom Feuer, und dieser kleine Schwarze.., also er ist nicht wirklich schwarz, sondern vermutlich von Maraskan, aber er kommt einem ständig hinterher geschlichen. Das kann einem wirklich auf die Nerven fallen. Er folgte mir auch hier. Jedenfalls
traf ich einen Sternengelehrten etwas abseits, der durch ein großes Sternrohr den Himmel begutachtet. Ich lieh mir sein Gerät, konnte aber nichts entdecken, bis er mich darüber aufklärte, dass Mitte nächsten Monats eine erstaunlich gute Konstellation für Zauber eintreten würde. Ein interessanter Gedanke.

31 Travia
Der Morgen begann ebenfalls interessant. Adaque, unsere kleine Soldatin, die aber eher wie eine kleine Diebin daher kommt, wie sie so linkisch mit ihrer langen Stange umgeht, wurde von einer der Wahrsagerinnen auf dem Gauklerfest angesprochen, die ihr aus der Hand lesen wollte. Ich meine, klar es gibt schon Zauber um die Zukunft voraus zu sagen, aber diese Magien sind so ungewiss, dass einen doch das Wissen darum nicht kümmern sollte. Aber ich sagte nichts dazu und ließ ihr die sicher interessante Erfahrung. Wie sich herausstellte durften wir anderen zuschauen, aber es machte mich nicht froh zu sehen was gesagt wurde, ob nun Wahrheit oder nicht. Angeblich stünden ihr schwere Prüfungen bevor. Und sie deckte die Karte des Erzdämons auf – was auch immer diese im Wahrsagen wirklich bedeutet – schauten mich dennoch alle anderen irgendwie merkwürdig an. Oder vielleicht beginne ich mir Dinge einzubilden und sie sehen überhaupt nichts. Ich werde es in jedem Fall im Auge behalten. Sie sagte irgendetwas noch mit einem Staub und mit den Sternen, aber so ganz behalten habe ich das nicht. Kein
Wunder, bei dem was sie da von sich gegeben hat. Ich fürchte Adaque hat ihr ein kleines bisschen geglaubt, jedenfalls wollte sie direkt danach zur Traviageweihten rennen.
Ich habe mich abgesetzt und bin in Richtung Schankzelt, in dem ich doch tatsächlich auf den Leiter der Akademie hier traf, der sich äußerst zuvorkommend gab und mich in die Akademie einlud. Auch er sprach über die bevorstehende Konstellation, und wie wichtig das wäre und wie beschäftigt doch alle an der Akademie seien. Ich nahm die Einladung dankend an und verabschiedete mich. Der Maraskaner hing schon wieder an meinen Fersen. Abends dann gab es ein noch größeres Fest als gestern. Offensichtlich wollte man wettmachen, dass am ersten
Boronstag keine Feiern durchgeführt werden. Schon lange nach dem viele Leute das Fest
verlassen hatten, begab auch ich mich in Richtung Ruhestätte, den Maraskaner schon wieder an meinen Füßen, man könnte meinen er sei ein Hund, der einem ständig hinter herlaufen und um Aufmerksamkeit betteln wolle.
Jedenfalls begann Tumult am Stadttor und rein um mir die Zeit zu vertreiben schlenderte ich in Richtung der Aufruhr, nur um einen ziemlich heruntergekommenen Wagen zu sehen, der die Straße entlang auf das Gauklerlager zu hielt. Den Rufen anderer nach schien es einer der Wagen der vermissten Gauklertruppe zu sein, und plötzlich erscholl aus dem Inneren des Wagens ein
grässlich verzehrter Schrei. Neugierig wie ich nun mal leider bin, wollte ich die Tür öffnen, als eine alte Frau heraus sprang, die Tür hinter sich schloss, den Wagen absperrte und mir den Schlüssel in die Hand drückte. Etwas verwirrt über dieses Auftreten, sah ich vom Schlüssel zur in der Menge verschwindenden Frau und wieder zum Schlüssel um ihn entschlossen seiner Bedeutung nach zu gebrauchen. Im ersten Moment dachte ich, hätte ich es besser nicht getan,
glücklicherweise riskierte ich einen zweiten Blick. Im Inneren des Wagens saß eine junge Frau mit schreckensweiten Augen, die, wie mir hinterher auffiel sehr an die entsetzten Gesichter nach
schlimmen Zusammenkünften mit den Freunden der Niederhöllen erinnerten. Ich versuchte die Frau, die ab und an grässliche Laute von sich gab, zu beruhigen, und sie fiel in einen offensichtlich nicht viel besseren Schlaf. Da in einigen Stunden der Monat Boron begann, und dies schließlich auch der Herr der Träume ist, ließ ich sie durch den Maraskaner, nun endlich mal zu etwas zu gebrauchen, in den Tempel schaffen um mich inzwischen mit den beiden Herren auf dem Kutschbock zu unterhalten. Offensichtlich hatten sie eine Abkürzung, oder einfach einen
anderen Weg nehmen wollen, und waren mit ihrem Wagen liegen geblieben. Noch nicht ganz repariert, kam ein roter Sandsturm auf, so berichteten sie und Gestank und etwas grässliches passierte wohl mit dem zweiten Wagen und den Personen in und auf ihm. Die Pferde brachen durch und zogen diesen hier bis zur Stadt in einem Eiltempo, dass sie vermutlich nicht überleben werden. Da sich die einzige Zeugin für die Geschehnisse im Wagen, inzwischen besinnungslos gesoffen hatte, legte ich mich zunächst schlafen.

1 Boron
Früh am nächste Morgen begab ich mich zu besagtem Boronstempel um zu erfahren, ob der jungen Frau inzwischen Heilung widerfahren war. Dort angekommen, warfen die Geweihten einige merkwürdige Blicke auf mich und ich hatte schon wieder den Eindruck, dass sie mich prinzipiell nicht leiden können. Dieser verstärkt sich noch als der Geweihte den ich ansprach, auf eine durchaus als unhöflich zu bezeichnende Art darauf hinwies, dass ich an einem solchen Ort nichts verloren hätte. Ha, als wären Tempel tabu für Magier die sich mit Dämonen beschäftigen,
nur weil sie sich mit Dämonen beschäftigen – oder hat er vielleicht etwas gesehen? Ach ich will nicht darüber nachdenken.
Dem Mädchen jedenfalls ging es nach wie vor schlecht, und zwar so sehr, dass sie nie wieder gesunden wird, zumindest nach Meinung der Geweihten. Ich konnte also meine Befragung nicht auf ihre Erlebnisse stützen, und begab mich zurück zum Gauklerplatz um mit der alten Frau aus dem Wagen zu reden. Diese hatte inzwischen mit Adaque geredet, aber da sie als Soldatin von den Umständen natürlich keinen blassen Schimmer hat, fragte ich sie selbst. Angeblich hätte
sie einen unförmigen Schatten gesehen, der den anderen Wagen umschlungen hätte und einen Pferdekopf. Aber laut Adaque könnte dieser auch von einem der Zugpferde stammen, den der mögliche Dämon abgerissen hat. Manchmal können Dämonen sehr direkt sein.
Um näheres herauszufinden wanderte ich, mal wieder gefolgt von der ganzen Bande, hinüber zur Magierakademie in der Hoffnung, dass sie dort ein Buch hätten in dem man vielleicht die eine oder andere Erkenntnis gewinnen könnten. Und siehe da, ich hatte Glück. Sie hatten tatsächlich in ihrer verbotenen Abteilung ein entsprechendes Buch. Es kostete mich einiges an Überwindung in das Buch Einblick zu erhalten, aber das war es Wert. Keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern einzig Bilder, auf eine chaotische Art und Weise wunderbar anzuschauen. Kurz packte mich der Gedanke das Buch einfach an mich zu nehmen, aber dann erinnerte
ich mich des Leiters der Akademie der am Rande des Raumes Aufstellung bezogen hatte, und verwarf diese Idee.
Die Bilder legten Nahe, dass es vielleicht ein Lastdämon sein könnte, also jene die man beschwört, wenn man, bildlich gesprochen, einen Berg wo anders haben will. Mit dieser Erkenntnis verließ ich den Raum wehmütig. Adaque hatte sich inzwischen aufgemacht um im hiesigen großen Hesindetempel, in den ich mich besser nicht begeben sollte, an weiteres Wissen über den Ort des Unglücks zu erfahren. Dort erfuhr sie von der bekannten Expedition in das Zentrum der Hochebene und erhielt tatsächlich einen schriftlichen Reisebericht. Ganz sicher
eine Abschrift und nicht das Orginal. Nach Durchsicht empfahl sich warme Kleidung und viel, viel Wasser und Brennholz mitzunehmen. Ich besorgte uns von den hocherfreuten Kutschbockfahrern ein Kamel, das ihnen noch irgendwer schuldete. Der Maraskaner betonte immer wieder, dass er bloß nicht direkt auf die Ebene möchte – aber ich sehe nicht, dass wir darum herum kommen werden um das Rätsel aufzuklären, also sollten wir für alle Eventualitäten gerüstet sein. Mit
einer gewissen Vorfreude im Bauch bereitete ich mich auf den Schlaf vor.

2 Boron
Der Tag des Aufbruchs. Und gleich zu Beginn mussten mich ausgerechnet meine Ängste quälen. Einer dieser großen Alligatoren, die hier hausen, lag quer über dem Weg. Die Elfe hat ihn schließlich mit einem Stein ins Unterholz gelockt, aber ich wusste er war noch da und würde in dem Moment in dem einer von uns vorbeigeht, zuschnappen und ihn fressen. Sich dieses Umstandes hoffentlich nicht bewusst, erschuf die Elfe einen Nebel der die Sicht des Alligators blendete. Der Weg war also klar, wobei nein er war natürlich nebelig, aber weniger
gefährlich.
Warum musste Adaque eigentlich den Geschichtenerzähler fragen, ob er mitkommt? Höchst merkwürdig. Ich meine was soll uns denn ein Geschichtenerzähler nützen? Außer die Abende am Lagerfeuer zu verkürzen. Allerdings trägt er eines dieser großen südländischen Schwerter mit sich herum, was an sich schon recht seltsam ist. Der restliche Tag war von einigem störrischen Kamelverhalten abgesehen nicht besonders unterhaltsam.

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