In Flames

Ein mini-D6 RPG

You were a god, you committed a crime, and now you must pay. Mit diesen erheiternden wie aufmunternden Worten wird der Leser in der Welt von Greg Saunders  „In Flames“ empfangen.

Das Büchlein in einem DIN A5-ähnlichen US Format macht dabei einen gemütlichen fast schon Eigenbau-Eindruck. Das ca 180 Seiten starke Softcover ist beim Hause Cubicle 7 erschienen, hat einen Farbeinband und ist durchgängig schwarz/weiß illustriert. Die Illustrationen sind bunt gemischt, von detailverliebten, liebevollen Entwurfsskizzen über comichafte Bilder bis hin zu scheinbar computergenerierten Abbildungen in nahezu Fotoqualität.

DIE STORY

Du bist ein Gott, Du warst mal cool, Du hattest eine Zeit lang Deinen Spaß â€“ und dann lief irgendetwas schief. Du hast Mist gebaut, Bockmist sogar, ein regelrechtes Verbrechen unter Göttern begangen  und dafür wurdest du von Deinen Mitgöttern gestraft. Mit der Verbannung. Und zwar der Verbannung in einen menschlichen Wirtskörper der auf einem der Planeten und Monde des In Flames – Systems lebt. Voilá. Viel Spaß und viel Glück, das ist eine lebensfeindliche Umgebung. Freu Dich und tob Dich ruhig aus.

Nett, oder?

Das ist die Ausgangssituation, in der sich die Spielercharaktere wiederfinden. Tatsächlich wissen sie nicht so 100%ig genau, was passiert ist. Sie haben teilweise Gedächtnislücken, aber da ist diese innere Stimme – sie nennt sich Ghede – und die sagt ihnen, wer sie tatsächlich sind und warum sie sich in diesem Körper hier gar nicht so wohl fühlen – sie sind eigentlich Götter , Loas, und hier nur zu Besuch, eingesperrt in einem fremden Körper. Und dieser miese kleine Saftsack namens Ghede schlägt den verbannten Götterseelen einen Deal vor: Wenn sie tun, was er sagt, wird er ihnen eine Möglichkeit verraten, ihre alten Kräfte wiederzuerlangen…

DIE WELT(EN)

Greg Saunders zeichnet ein grobes, aber liebevolles Bild des In Flames – Sonnensystems, das quasi als „Knast der Götter“ missbraucht wird.
Die Beschreibung des ganzen Sternensystems mit seinen Planeten nimmt etwa 60 der 180 Seiten ein. Wenn man bedenkt, wie klein das Seitenformat ist, ist das sehr übersichtlich. Das System hat eine Hand voll  Planeten (Steel, Stone, Mist, Ocean und Cloud) die wiederum von Monden umkreist werden (weiter geht’s mit geistreichen Namen: Emerald, Sapphire, Opal, Diamond…). Diese Himmelskörper sind alle mehr oder weniger bewohnt, von diversen genetisch an die Lebensbedingungen angepassten Menschenarten, robotischen Drohnen (sog. Puppets) oder genetisch modifizierten Tierarten. Jeder Planet oder Mond weist sein eigenes Klima, seine eigenen Kulturen auf. Damit ist eigentlich schon mehr als genug Raum gegeben zum Spielen. Denn ein ganzes Sandbox Planetensystem lädt zum Austoben ein!

DAS SYSTEM

Das mini-D6-System ist ein extrem schlank gehaltenes, grobgranulares Regelsystem. Wie der Name bereits vermuten lässt, kommen hierbei sechsseitige Würfel zum Einsatz. Ganze 4 Attribute weisen die Charaktere auf: Might, Agility, Charm und Wit, das war’s. Dabei beschreiben hier die ersten beiden, körperlichen Attribute  Might und Agility die Attribute des Wirtskörpers, in den der jeweilige Loa geschlüpft ist, die geistigen Attribute Charm und Wit beschreiben die geistigen Attribute des Gottes im Schafspelz. Für diese vier Attribute erhält jeder Charakter eine Anzahl an Würfeln, die er darauf verteilen kann. Nach einem einfachen Schema können dabei Würfel aufgesplittet werden in Würfel + Bonus (so, dass es beispielsweise möglich wird, als Attribut Might 3D+2 zu erhalten).

Als zweite Gruppe des Charakterkonzepts kommen Fertigkeiten (Skills) ins Spiel. Diese werden nach einem ähnlichen System verteilt – fertig ist der Charakter. Unkompliziert, schnell und übersichtlich – also, das System. Die Beschreibung der Regeln ist leider im Regelwerk sehr stiefmütterlich und oberflächlich behandelt, auch wenn Greg Saunders darauf verweist, dass die Mini-D6-Regeln online nachlesbar seien. Hier hätte man in der Tat etwas nutzerfreundlicher schreiben können!

MEIN FAZIT

Wenig Fluff und genau so viel Crunch, wie man zum Spielen braucht – mehr nicht. In Flames ist ein Minimalist, aber das tut dem System meiner Meinung nach gut.

Wer ein schnelles SciFi-RPG mit einem [i]etwas anderen[/i] Storyansatz sucht, der ist hier gut aufgehoben.  Die Göttlichkeit der Spielercharaktere kann man auch bewusst in den Hintergrund setzen und erst durch Träume und Visionen zu Tage treten lassen. Beide Ansätze (das Bewusstsein der eigenen Göttlichkeit und die damit einhergehende „Gefangenschaft“ in einem sterblichen Körper sowie als zweiter Ansatz das Entdecken der eigenen Göttlichkeit) haben etwas für sich.

Hartwurst-Fanatiker werden In Flames wahrscheinlich keines weiteren Blickes würdigen – dafür überlässt das Spiel zu viel der eigenen Vorstellung. Das Spiel richtet sich aber auch allem Anschein nach einer anderen Zielgruppe.

Das mini-Six bzw mini-D6-System ist erfrischend einfach gestrickt und spielt sich hinreichend gut. Granularität ist aber sicherlich nicht der entscheidende Aspekt dabei.

Alles in allem ist mir „In Flames“ damit definitiv eine Empfehlung wert.  Je nach Dollarkurs sind die 29.99$ dafür jedenfalls in der Regel verschmerzbar. Mittlerweile ist auch zwei Erweiterungen erschienen: „Uplifts“ für ca 18€ widmet sich Lebewesen mit Alien-Physiologie , die scheinbar ebenfalls als Wirte für Loas dienen können. Des weiteren „Chimera“ für ca 17€ , because „Everyone loves a book of new gadgets, weapons, and armor!“
Also: Kaufen, lesen, spielen!

Euer Durro

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