Spielstile – bis hierhin und nicht weiter

Ein schwieriges Thema

Ich habe gerade mehrere Situationen in meiner Rollenspielumgebung anhand derer ich heute auf dieses Thema gekommen bin. Und zwar der Frage bis zu welchem Grad sich Spielstile kombinieren lassen. Viele von euch kennen vermutlich die ein oder andere Liste von Aufzählungen von Spielstilen, sei es nun die von Robin D. Laws oder Dominic Wäsch oder sonst wo her. Nun ist es aber so, dass jenen, welche diese kennen meist klar ist, das das natürlich nur eine grobe Einteilung der ganzen Sache ist und mit nichten des Pudels Kern ist. Sagen die meisten Einteilungen ja auch selbst.

Im Grunde gibt es da zwei Probleme: Zum einen gibt es eben auch innerhalb der proklamierten Gruppen Unterschiede, die großer sein können als zwischen den Gruppen und zum anderen – und das ist schwerwiegender, habe ich persönlich aber bislang immer nur im Vampire Live angetroffen – gibt es Leute, die entweder über ihren Spielstil lügen, oder sich selbst etwas vormachen [So vor Jahren passiert: Spieler erzählt groß und breit, dass er ja diese ganzen Plots in seiner alten Domäne total blöde fände und das das Spiel stören würde und er lieber selbst was machen würde – kaum eineinhalb Monate später findet er es total doof, dass es keinen Plot gibt und geht wieder…] Ist wie gesagt mir bislang nur im LARP passiert, aber es gibt so etwas bestimmt auch im PnP.

Das eigentliche Thema hier soll aber folgendes sein: Wie viel und welche Varianz bei Spielstilen ist für eine Rune noch erträglich? Ich sehe das inzwischen – vielleicht bin ich da kritischer geworden – immer öfter. Spieler, die eigentlich einen recht ähnlichen Spielstil prokamieren und wohl auch haben weichen dann in einem entscheidenden Teil ab. Und dieser noch so winzige Teil führt dann unter Umständen dazu, dass beide Seiten das ganze plötzlich ziemlich blöde finden. Beispiel? Okay: Stellt euch eine Runde von Spielern vor, die alle gerne eine coole Geschichte erleben möchte, ihre Charaktere in der Geschichte ausspielen wollen und weniger Monster matschen möchten. Und dann stehlt euch vor, die Hälfte dieser Runde möchte gerne gaaaaanz viel Spiel zwischen den Charakteren und untereinander quatschen und Dinge sehr sehr kleinschrittig regeln und die andere Hälfte möchte aber lieber schnell zu den coolen Szenen kommen – in denen dann natürlich auch die Charaktere untereinander quatschen etc. Eigentlich kein sonderlich großer Unterschied auf den ersten Blick. Auf den zweiten aber eben doch. Denn die erste Hälfte würde sich, wenn man nur zu den coolen Szenen springt, gegängelt fühlen, bzw um ihre Chance die Charaktere ordentlich ausspielen zu können und die zweite Hälfte würde, so man alles total kleinschrittig macht, sich langweilen, bis man zu dem Punkt kommt wo es für sie wieder mit der eigentlichen Geschichte weiter geht.

Klar im Grunde geht es immer darum Kompromisse zu finden, und auch hier könnte man natürlich leicht hingehen und sagen, dass man eben ein bisschen Spiel zwischen den Charakteren zulässt, der für die Geschichte vielleicht völlig unerheblich ist und schon hat man beide Seiten glücklich. Aber hat man das wirklich? Un die viel wichtigere Frage ist: Auf welcher Seite steht der Spielleiter? Denn dieser ist es, der hauptsächlich den Fokus legt. Und der auch immer wieder in sein Schema zurück fallen wird – das ist ganz normal, Menschen sind so – und daher immer wieder daran erinnert werden müsste, was man denn eigentlich abgemacht hat. Das führt aber dann dazu, dass die jeweils andere Seite (und das ist hier natürlich stark vereinfacht, in der Regel wird es da natürlich mehrere geben), sich irgendwie vernachlässigt fühlt, weil SL ja nicht an ihre Bedürfnisse gedacht hat (der aber ja nun auch meist ne Menge anderer Dinge im Kopf hat um die Geschichte zu erzählen).

Kennt ihr ähnliche Situationen? [Oder bin nur ich das, der sowas festgestellt hat?]

Ich kann nur sagen, dass ich inzwischen für mich eine Lösung gefunden habe. Ich habe bedingt durch Beruf so wenig Zeit zum Spielen und möchte dis als Highlights sehen, dass ich lieber gar nicht spiele, als in einer Gruppe in der es nicht wirklich total passt, bzw lieber einiges an Mühe auf mich nehme passende Spieler zu finden.

7 Kommentare zu Spielstile – bis hierhin und nicht weiter

  1. Kann ich genau so unterschreiben. Sogar dein Beispiel mit den differenten Details kenne ich – es bringt nichts.
    Und bei aller sozialer Ausrichtung hab ich keine Lust mehr, meine Energie darauf zu verwenden, Kanten zu glätten, wie und wo auch immer. Zuviel Stress bei zu wenig Freizeit.

  2. Mittlerweile wende ich als Spielleiter sehr viel Zeit auf um mir eine neue Runde aufzubauen. Ich treffe mich mit allen eventuellen Spielern vorher einzeln und höre mir an wie sie spielen, was sie spielen und wie sie so „sind“. Meist habe ich schon ein konkretes Setting was ich bespielen will und höre mir dann an was die Neuen da spielen würden. Am Ende entscheide ich dann nach Bauchgefühl, wenn ich dann zur ersten Besprechung einlade. Dann hat aber noch keiner einen Helden, die werden dann besprochen. Also wer spielt was in der Runde. Dann bei zweiten Treffen sprechen wir über das Abenteuer oder die Kampagne und schlussendlich beim dritten Mal spielen wir dann. Auf dem Weg hat man dann meist alles geklärt und es geht dann besser. Meist merkt man dann schon, wo die Schwerpunkte liegen. Hier helfen ja dann auch Flaggen, die die Spieler mal formulieren sollen und an denen man dann Tendenzen erkennen kann. Schlussendlich muss man dann für sich entscheiden, ob man Rollenspiel betreiben will oder Social Relation Management 😉

    • Braucht nicht letzten Endes jede Gruppe, die aus mehr als drei Leuten besteht, jemanden der sich um das Social Relation Management kümmert? 😉

  3. Das Problem kenne ich nur zu gut, passenderweise auch aus dem Vampire Live. Mein Lieblingsbeispiel, durch das ich auch gebranntes Kind bin, sind Charaktertode (absolut nicht spielfördernd in meinen Augen, btw). Auf einem Treffen der ganzen Spielerrunde vor etwa fünf Jahren sprachen sich 80% dagegen aus, andere Charaktere einfach umzubringen, wenn diese im Weg sind, während zwei oder drei überzeugt waren, dass nur durch solche Charaktertode das Spiel wirklich gut sein könne. Ein halbes Jahr später erwischte es einen derjenigen, die unbedingt Charaktertode wollten, weil sein Plan aufflog, den Prinzen aus dem Weg zu räumen. Ihr könnt euch vorstellen wie groß das Gejaule war, weil dieser Spieler auf einmal selbst erfahren musste, was er auf andere angewendet als tolles Mittel für großartiges Spiel gesehen hat. Kurz gesagt: Er fand Charaktertode nur so lange toll, wie er derjenige war, der andere Charaktere umbringen konnte.

    Ich für meinen Teil bin in den letzten zehn Jahren des Vampire Live entspannter geworden, was andere Spielstile angeht. Ich habe in den verschiedenen Gruppen unserer Chronik einzelne Leute, mit denen ich sehr gerne spiele. Den Rest lasse ich wo es geht links liegen, bzw. versuche deren anderen Spielstil rein inplay zu nehmen. So kann ich inplay den Kopf drüber schütteln und muss mich nicht im Off ärgern. Meistens klappt das sogar 😉

    Um von vorneherein möglichst viele Schwierigkeiten gerade mit Neuspielern zu vermeiden, habe ich auf der Seite unserer Gruppe alle Besonderheiten unseres Spiels und Spielstils beschrieben. Immer in der Hoffnung, dass neue Spieler ehrlich genug sind sich und ihre eigenen Wünsche richtig einzuschätzen, ehe sie mitmachen wollen.

    • *freu* Das ist natürlich eigentlich kein Grund zur Freude, aber irgendwo gut zu wissen, das man mit solchen Situationen nicht alleine ist. Ich hab aus diesem Grund die Spieler letztes Jahr gefragt mir einfach mal zu schreiben wie sie spielen wollen. Da kam schon was spannendes raus, bzw was eher positives für unsere Runde, weil bis auf zwei Meldungen sich alle ziemlich einig waren.
      Aber klar, Live ist durch die eher größere Spieleranzahl immer ein anderes Thema. Und ma kann da in der Regel in vielen Punkten liberaler sein, weil sowohl Method Actor, als auch Simulationisten bei entsprechenden SL auf ihre Koste kommen. Das einzige was passen muss, ist halt die Grundausrichtung der Chronik.

      • Ach, ich denke in jeder größeren Gruppe, die ein gemeinsames Hobby betreibt (egal ob Live Rollenspiel, Fußball oder Briefmarken sammeln) wird es solche Konflikte geben. Entweder, weil man nicht versucht von Anfang an eine ungefähre Richtung zu definieren, oder weil jeder etwas anderes unter einer definierten Richtung versteht. Ich weiß nicht, wieviele Varianten von „freiem, intensiven und emotionalem Charakterspiel“ ich in den letzten zehn Jahren im Vampire Live schon gesehen habe 😉

        Sehr unterschiedliche Spielstile haben allerdings vor etwa vier Jahren dazu geführt, dass ich nach sechs Jahren aufgehört habe in einer Fantasy LARP Gruppe zu spielen, die für meinen Geschmack zu sehr in Richtung „konsequenzloses Gewandungsgrillen“ abgedriftet sind. Wenn mein Ärger über Charaktere, deren Daseinszweck „Ich bin albern, weil ich mich im LARP austoben will!“ ist, und Charaktere, die nichts besseres zu tun haben, als mit den offen bekannten Mördern ihrer besten und langjährigsten Freunde gemeinsam in der Taverne zu sitzen, größer wird als mein Spaß am Spiel, ist es für mich einfach Zeit zu gehen und eine andere Gruppe zu suchen.

        Wie gesagt, ich bin inzwischen alt und weise geworden (*hust*) und entspannter als noch in meinen jungen Jahren 😉

  4. Nach einigen mehr oder weniger erfreulichen Rollenspielrunden in den letzten Tagen kommt mir das Thema ganz recht.
    Vorweg, ich bin von meinen alten Runden her verwöhnt. Wir haben knapp 6 Jahre lang kontinuierlich gespielt und waren „gut eingespielt“. Diesen Grad der Angleichung kann ich natürlich in neueren Runden nicht verlangen – aber Folgende zwei Beispiele möchte ich trotzdem nicht noch mal erleben *hust*:

    Ich habe vor Kurzem eine neue DSA-Runde begonnen. Es wurde von vorn herein ausgemacht, dass es nicht all zu ernst sein sollte und wir vor allem Spaß haben wollen. Auch vom DSA-Studiengrad war alles vertreten, vom Veteranen, bis zum blutigen Anfänger. Was ich nicht erwartete, war das heftigste Railroading-Szenario, das ich je erlebt habe (ganz knapp unterhalb der von ‚Dead Sky, Black Sun‘ gesetzten Messlatte des Dämonenprinzen mit der Warp-Eisenbahn). Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man mit Monaten der theoretischen Vorbereitungszeit nicht etwas anderes zu stande bekommt, als eine Serie von Räumen in denen man Wahrnehmungsproben würfelt. Sonst nichts…
    Nachdem dann irgendwann der Frust verflogen ist muss ich folgendes sagen. Wenigstens zwei der anwesenden fünf Personen hatten Spaß. Das war zum einen der Spielleiter und ein Spieler, der schon ewig mit besagtem SL zusammen spielt. Was für mich wie eine Runde Descent (Brettspiel) ohne Monster aussah, schien für ihn ein ‚cooles Abenteuer‘ zu sein. Auch diese beiden scheinen auf ihrem Spielstil eingespielt zu sein.

    In meiner regelmäßigen Pathfinder-Runde vor ein paar Tagen hatten wir einen Fall, den Caninus oben schon erwähnte:
    „gaaaaanz viel Spiel zwischen den Charakteren und untereinander quatschen und Dinge sehr sehr kleinschrittig regeln“ vs. „schnell zu den coolen Szenen kommen“. Hier vorab zur Runde – wir haben einen relativ neuen Spieler, der sehr begeistert davon ist auf Charakterebene zu interagieren, sowie einen Gast-Altspieler, der einen Charakter gespielt hat der per (sehr gut vom SL gelösten) Trick in die aktuelle Szene eingebracht wurde und natürlich auch total happy war mal wieder dabei zu sein.
    Nun zur Szene mit der wir aufgehört hatten am vorherigen Spielabend. Die Gruppe hat auf Grund von lokaler Untotenplage und Ritualmorden ein altes Herrenhaus untersucht, bzw. im zweiten Anlauf gestürmt. Überall gab es Geistererscheinungen, untote Krähen und böse Vorahnung, sowie Trostlosigkeit und Depressive Stimmung. Die Wendeltreppe im Keller führte in ein Höhlensystem, in dem nicht nur jede freie Fläche über und über mit schimmelpilzen und Moder überdeckt war, nein es stank auch noch als hätte man verrottendes Fleisch in die Nase gerammt bekommen. Der letzte Stand aus Charaktersicht war, dass gerade ein Kampf gegen ein knappes Dutzend Untote überstanden war, es Verletzte gab und nun ja… man mit der Gesamtsitutation eher unzufrieden war. (…und der Plan daraus bestand dieses Haus und alles was dazu gehört möglichst schnell hinter sich zu bringen!)
    Am neuen (besagten) Spielabend fiel dann unserem Neuen nichts besseres ein, als über dem Haufen frisch zerhackter und gebratener Kreaturen mit dem Gastspieler freudige, gut gelaunte und lockere Picknick-Gespräche (wie beim Bier) zu fabrizieren. Selbst nach mehrmaliger Ermahnung durch SL und Mitspieler haben sich die Beiden nicht „aus der Ruhe“ bringen lassen. Ich muss sagen, ja… es war schade, dass wir kein Szenario hatten in dem man einfach quatschen konnte – aber ich fand es ungeheuer unhöflich gegenüber allen anderen Personen am Tisch, dass die beiden da ihr Kaffeekränzchen veranstaltet haben und trotz Hinweis und der Bitte sich doch der Spielsituation entsprechend zu verhalten beinahe unberührt weitermachten. Genauso schien es der neue Spieler nicht zu verstehen, warum unsere Gruppe einen auffälligen Gegenstand einfach nur eingesteckte, anstatt ihn sofort, in Ruhe und unter Zeitaufwand, zu untersuchen. Als ob es ihm völlig fremd erschien, dass die Charaktere diesen Ort einfach nur schnellstmöglich verlassen wollten.
    Ich bitte jetzt alle Leser die es so weit geschafft haben mir zu glauben, dass es mir nicht darum geht diesen Spieler zu diskreditieren. Mitnichten! In anderen Situationen bringt er viel Farbe und Leben in die Runde und ins Spiel und ich bin ihm dafür sehr dankbar.
    Was mich wundert ist eher wie man es schafft so sehr in einem bestimmten Spielstil „festzuhängen“.

    Um wieder ein wenig mehr zum Thema zurückzukehren:
    Ich bin der Ansicht, dass der Großteil der Rollenspieler in der Lage ist sich mit mehreren unterschiedlichen Spielstilen anzufreunden (im Sinne von „gefällt mir und macht mir Spaß“). Funktionierende Gruppen haben dann in diesen Bereichen hoffentlich möglichst große Überschneidungen und schaffen es evtl. auch ihre Differenzen in den feinen Unterschieden durch Kompromisse oder Schwerpunktsverlagerungen zu klären.
    Wo drauf ich allerdings überhaupt nicht klar komme, sind dann die Situationen in der eine oder mehrere Personen dem Rest der Gruppe ihre aktuelle „Spielstillaune“ aufzwingen und sich wie der Elefant im Porzelanladen aufführen. Wenn mein DSA-Spielleiter nicht merkt, dass einfach niemand (+/-1) Spaß hat oder die beiden Quasselstrippen schon fast mit Gewalt ruhig gestellt werden müssen, dann läuft irgendwas falsch. Und ich verstehe ehrlich gesagt nicht wirklich warum. Überschätze ich die Sozialkompetenz (oder vielleicht den Willen dazu) meiner Mitspieler? Hätten wir ein Spielstil-Venn-Diagramm anfertigen oder eine Want/Will/Won’t-Liste erstellen sollen?

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