Pathfinder Handbuch: Die Halblinge Golarions

Eine Rezension eines Splatbooks für Pathfinder

Menschliche Reiche entstehen und zerfallen. Doch unser Volk überlebt und gedeiht direkt unter ihren Nasen. Der Blitz schlägt stets in den höchsten Baum zuerst ein und die kleinen werden unter dem Schutz dieses Opfers nur stärker. (aus einem Sprichwort der Halblinge)

Erneut betrachte ich mir gerade die PDF-Datei eines der Splatbooks für Pathfinder aus dem Hause Ulisses Spiele. Dieses Mal handelt es sich um die Halblinge der Pathfinder-Kampagnenwelt Golarion. Ich möchte ab jetzt folgende Arbeitshypothese in den Raum stellen, die mittlerweile einer sich (mir zumindest) langsam erwachsenen Vermutung entspringt: Die Völkerbücher dienen dazu, aus dem Fantasy-Genre zwar bekannte aber kaum beschriebene Völker mit einem leichten Hintergrund zu versehen. (Und zumindest hier finde ich die Sache bis jetzt bestätigt.)

Die Halblinge in Golarion sind nämlich ein Volk, das keine wirkliche, eigene Vergangenheit oder Geschichte besitzt. Sie sind ein Volk, das in erster Linie sich dadurch auszeichnet zu großen Teilen versklavt worden zu sein und auf diesem Weg in ständigem, direkten Kontakt mit den menschlichen Völkern zu gestanden zu haben. Sie sind in dieser Hinsicht ein opportunes, aber lebenslustiges Volk, das (solange es aus freien Individuen besteht) berühmt für eine ganz besondere Eigenschaft ist: Ihr Glück. Denn obwohl die Halblinge ihren speziellen Ruf für feine Küche weghaben, ist es gerade ihr bescheidener Fleiß und ihre Bereitschaft im richtigen Augenblick sinnvoll zu handeln, der dazu führt, dass sie von der Göttin Desna gesegnet zu sein scheinen.

Dementsprechend sind die Beschreibungen der Halblinge Rund um ihre Geschichte und ihre Kultur so gut wie kaum beschrieben. Klar ist, dass die Halblinge eine eigene Sprache haben, die aus einem geheimen Code entstanden ist und sie in all ihren Lebenslagen sich an ihr Umfeld auf fast schon chamäleonartige Art und Weise anpassen. (So sie das können.) Diese Anpassung geht dabei (skurrilerweise sogar so weit, das sie ihren Nachnamen an die jeweilige Region, in der sie jeweils über längere Zeit leben, anpassen. (Nicht nur die Kleidung.) Das bedeutet aber auch, dass Halblinge im Großen und Ganzen keine wirkliche chronistische Geschichte haben und dementsprechend auch nicht daran interessiert sind, diese zu verfolgen.

Dementsprechend angepasst ist auch die von Halblingen bevorzugte Waffengattung: Die Schleuder. Im Kapitel Kampf werden sowohl neue Schleudern und dafür geeignete Munition als auch ein paar spezielle neue Talente vorgestellt, die ausschließlich für Halblinge geeignet sind.

Das Kapitel „Glauben“ beschäftigt sich mit den „heiligen Erinnerungsstücken“, die Halblinge ausgehändigt bekommen, wenn sie ihre jeweilige Reifeprüfung bestanden haben. Für spirituelle Halblinge, die sich religiösen Wegen verpflichtet haben, bedeuten die Erinnerungsstücke jedoch mehr als nur den Schritt ins Erwachsenenleben: Sie können, wenn sie göttliche Mächte wirken, besondere zusätzliche Boni aus diesem Gegenständen erhalten, welche eine veränderte Wirkung auf die gewirkten Wunder haben.

Das Kapitel „Magie“ ist wieder einmal ein besonderes Augenmerk zu widmen. Wie ich schon oben geschrieben habe, stellen Halblinge in Golarion Glücksbringer für viele Reisende da. Einziger Unterschied dabei sind die sogenannten Unglücksbringer. Was es mit diesen speziellen Halblingen auf sich hat ist unklar, jedoch haben sie eine spezielle Affinität zur Magie und können mit dieser (was in Form einer ganzen Menge neuer Zaubersprüche dargestellt wird) ihren Feinden das Unglück bringen. (Es handelt sich hier größtenteils um unterstützende Zauber – in gewisser Weise – welche den Kampf betreffen. Ein von einem Unglücksbringer verzauberter Gegner erleidet innerhalb eines Kampfes all das, was man unter dem Begriff „Unglück“ sich nur vorstellen kann. Vom Stolpern über einen offenen Schnürsenkel bis hin zu unklaren Explosionen, bei denen einem die komplette Umgebung um die Ohren fliegt. Das wirkt zwar in erster Linie verspielt und schwer greifbar, aber Taktiker sollten hierbei sicherlich auf ihre Kosten kommen.

Das Kapitel „Soziales“ beschreibt eine neue, speziell auf die Halblinge Golarions abgestimmte Charakterklasse: Den Opportunisten. Hierbei handelt es sich um einen Frontkämpfer und Kundschafter, der die Eigenschaften seines Volkes sich zunutze macht und abseits der ansonsten hierfür üblichen Waldläufer eine alternative bietet.

Das Kapitel „Wesenszüge“ ist dann noch mal ein kleiner Steinbruch, der es Spielern ermöglichen soll, sich grob zu überlegen, wie sich ein Halbling innerhalb bestimmter sozialer Gefüge verhalten könnte. (Um genau zu sein, wird hierbei unter „Volk“, „Region“ und Religion unterschieden.) Dieses Kapitel dient also demnach der Inspiration, inwieweit sich ein Charakter aus seinem vorherigen Leben im Hier und jetzt verhalten könnte, wenn er in bestimmte Extremsituationen käme.

Zum Optischen: Das Titelbild ist im üblichen Stil von Pathfinder Illustrationen gehalten. Es zeigt einen flötespielenden Halbling, der sich durch sein Spiel anscheinend von einer Horde angreifender Harpien befreien kann. (Wobei es erstaunlich ist, dass diese typischen Monster der Barbusigkeit hier tatsächlich eine Kultur der Kleider zu haben scheinen.) Auch die Illustrationen auf den restlichen 31 Seiten weisen durchaus dabei zu gefallen. Es gibt also auf der grafischen Ebene des optischen Eindruckes nichts auszusetzen.

Fazit

Für die Fantasy sind ja die meisten Rassen schon seid Langem mit bestimmten Adjektiven versehen, die das jeweilige Klischee eines solchen Volkes automatisch beschreiben können. Problematisch sind immer solche Sondervölker Tolkiens (und Nachfolger), wie gerade die Halblinge, die dann eben als verfressen und wohnlich gelten, aber ansonsten mit so gut wie überhaupt nichts an Eigenschaften mit sich bringen. Das kann insofern von Vorteil sein, weil man dann eh die „eine Ausnahme“ spielen kann, während die anderen des jeweiligen Volkes sich in einem einzigen Fleck, den eh keiner aufsucht, verkrochen haben. Dass das im Widerspruch zu den üblichen Rollenspielrunden steht, dürfte klar sein.

Insofern ist das Handbuch zu den Halblingen hier eine große Hilfe, weil man eben nicht den „untypischen Halbling“ spielt, sondern einige Inspirationsquellen an die Hand gereicht bekommt, wie sich ein typischer Reisender Halbling aus einem reisenden Volk an Halblingen verhält. Welche Beweggründe hat er für die Abenteuer und was könnte ihn abseits des großen Abenteuers noch bewegen. (Würde mein Halbling also versucht sein, geknechteten Artgenossen zur Freiheit zu verhelfen, steht hier gleich als kleine Frage für den Hinterkopf mit im Rampenlicht.)

Ansonsten stellt das Handbuch: Halblinge halt eben den üblichen Steinbruch an üblichen Ideen da, auf die ein Spielleiter vielleicht zurückgreifen möchte, um seinen Abenteuern ein paar zusätzliche, kleine Sondergruppierungen Storyhooks zu verpassen. Die Halblinge geben dafür zwar nicht so viel her (am ehesten sollte man sich dabei rund um Cheliax aufhalten) aber auch sie bieten eben diesen möglichen Ansatz.

Zum Thema „Taugt das PDF an sich?“ gibt es nichts zu vermitteln. (Respektive: Nichts negatives.) Eine Grundlegendes, anwählbares Inhaltsverzeichnis ist vorhanden. Die Suchfunktion greift und Textpassagen lassen sich für die eigenen Handouts sogar bis zu einem gewissen Grad aus dem Dokument herauskopieren. (Was gerade im Zusammenhang mit der Frage nach Druckerfreundlichkeit nützlich sein könnte.) Grundsätzlich ist also hier nichts zu meckern.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

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