Legacy – The Testament of Duke De Crecy

Ein etwas anderes Familienspiel

Legacy kann man in Etwa mit Hinterlassenschaft, Erbe oder Vermächtnis übersetzen. Ein solches Legat zum Thema eines Spiels zu machen klingt verlockend, wenn auch nicht allzu außergewöhnlich. Außergewöhnlich ist dafür die Umsetzung die Legacy gefunden hat…

Familienplanung

Wenn Legacy das Vermächtnis des Duke De Crecy spielbar machen will, dann meint es das in einem ziemlich unmittelbaren Sinn. Unsere Aufgabe ist es einen Familienstammbaum zu entwickeln der sich am Ende als einflussreichster herausstellt. Dies können wir historisch halbwegs sauber dadurch bewerkstelligen, dass wir uns und unsere Kinder geschickt verheiraten. Dieses adelige Verheiraten spielt dabei nicht in ferner Vorzeit oder auf exotischen Kontinenten, sondern zu Hochzeiten des Absolutismus. Legacy spielt im 18. Jahrhundert Frankreichs und greift dieses Thema des adeligen Machtgewinns humoristisch aber kenntnisreich auf.

Zuerst einmal spielen wir im Mehrspielerspiel je eine Aristokratin oder einen Aristokraten die unseren Stammbaum beginnen. Diese Startkarte versorgt uns mit Startkapital, Vermögen und – vielleicht am wichtigsten – einer Hand voll Freunde. Nachdem wir uns das Startgeld genommen haben und das Vermögen als künftiger Einkommensquelle auf einer kleinen Spielhilfe abgetragen haben, kann das Spiel beginnen. Uns stehen dabei zwei neutrale und eine – ebenfalls durch den Startcharakter bestimme – beschränkte Aktionen zur Verfügung. Diese Aktionen dürfen wir nutzen um unsere Dynastie ins Rollen zu bringen. Die erste und wichtigste mögliche Aktion ist dabei die Heirat. Hier kommen unsere Freunde ins Spiel, die wir mit unserem Startcharakter verheiraten dürfen. Die leicht humoristischen aber nicht albernen Charaktere bringen im falle der Heirat einige Eigenschaften mit sich. Zuerst einmal kommen sie mit einer Herkunft und einer Profession daher – Eigenschaften die für bestimmte Karteneffekte sinnvoll sind. Zum zweiten versorgen sie uns mit einer gewissen Anzahl an Freunden die wir aus einer offenen Auswahl wählen dürfen und kosten uns Bargeld oder versorgen uns mit selbigem. Außerdem haben sie einen oft ausschlaggebenden Effekt der Beispielsweise Siegpunkte gibt wenn eine bestimmte Anzahl an Personen einer „Nation“ oder Profession zugehörig ist oder uns bestimmte Zusatzaktionen geben. Zusätzlich können sie unser Vermögen und unsere Familienehre erhöhen – Aspekte die im Spielverlauf immer wieder Geld oder Siegpunkte generieren. Zuletzt kommt mit jeder Ehe ein Kind einher…

Zukunftsplanung

Kinderkriegen ist in Legacy simpel. Mit jeder Heirat ziehen wir einfach eine Karte vom Kinderstapel die wir unter das neuvermählte Ehepaar legen und die unsere Folgegeneration bilden. Spannend ist hier zuerst welches Geschlecht die Kinder haben, da dies die Auswahl potentieller Ehepartner bestimmt. Manchmal besitzen die Kinder zudem kleine Gimmicks. Die Gossip Queen kann beispielsweise zwei zusätzliche Bekanntschaften ziehen und der Handsome Boy wird fürs verheiraten sogar bezahlt. In manchen seltenen Fällen kann es auch zu Komplikationen bei der Geburt kommen. Dieses thematisch nicht ganz unproblematische Ereignis äußert sich spieltechnisch darin, dass Mutter oder Kind versterben, was historisch und spielerisch passend ist, aber für unangenehme Situationen und Erinnerungen sorgen kann. Es ist daher möglich und auch ratsam diese Karten auszusortieren, wodurch aber leider etwas vom Spiel verloren geht.

Das Grundprinzip des Spiels besteht also darin seinen Stammbaum zu erweitern, dies funktioniert natürlich nicht ausschließlich durch Eheschließungen (nicht nur für die aktuelle Generation, sondern auch als Eheversprechung für die Kleinen) zumal der Stammbaum bei je einem empfangenen Kind etwas sehr gradlinig verlaufen würde. Daher haben wir die Möglichkeit weitere Kinder zu kriegen. Gegen Geld und die Missgunst eines (abzuwerfenden) Freundes kann uns ein Fertilitätsdoktor sogar zwei Kinder bescheren. Daneben stehen uns noch weitere Aktionen zur Verfügung. Geht uns das Geld zur Neige können wir Freunde um Geld bitten (was meist Ansehen (Siegpunkte) oder Freunde kostet), gehen uns diese zur Neige können wir Geld ausgeben um zu ‚gesellschaften‘ und so neue Freunde zu gewinnen.

Zusätzlich zu diesen Grundaktionen können wir unser Familienimperium ausbauen indem wir ein Unternehmen starten das uns Vermögen beschert, eine Villa anlegen die uns Anerkennung bringt sowie Titel erwerben oder Beiträge zur Gesellschaft unternehmen, was uns meist Ansehen bringt oder eine Mission unternehmen. Letztere ermöglichen es uns zusätzliche Siegpunkte zu akquirieren wenn wir bestimmte Aufgaben erfüllt haben. So gibt es Beispielsweise Siegpunkte von der preußischen Militärschule wenn wir zwei oder mehr Deutsche in unseren Reihen versammeln. Ähnlich aber etwas mächtiger funktioniert auch eine Startaufgabe die wir zu Spielbeginn zugeteilt bekommen und eine Art Rolle für unseren namenlosen Startcharakter darstellt, der so zu Benjamin Franklin (versucht möglichst viele Nationen zu vereinen) oder John Law (möchte möglichst viel Vermögen ansammeln) wird.

Generationen

Spielerisch ist Legacy dabei simpel aber geschickt verzahnt. Grundsätzlich stehen uns je Runde 3 Aktionen zur Verfügung, wobei eine für eine bestimmte Extraaktion reserviert ist. Letztere dürfen außerdem je Runde nur von einem Spieler ausgeführt werden, was Eile nötig macht. Ist eine Aktion nicht besetzt gelingt sie automatisch, kostet aber häufig Ressourcen wie Freunde, Geld oder Siegpunkte.

Außergewöhnlicher ist da die Rundenabfolge die auf der schön gestalteten Spielhilfe abgetragen wird. Nach einer bestimmten (zunehmenden) Anzahl an Runden ist eine Generation abgeschlossen und werden unsere Kinder erwachsen, was dadurch umgesetzt wird das die Kinderkarten umgedreht werden und versprochene Ehen umgesetzt werden. Danach spielen wir mit dieser Generation weiter, wobei wir natürlich das angesammelte Ansehen und Vermögen weiter behalten. Zwischen den Runden gibt es Geldauszahlung in Höhe unseres Vermögens und nach jeder Generation generiert jedes Kind und jeder Ansehenspunkt einen Siegpunkt. Nach Drei Generationen und insgesamt 9 Runden a ca. 3 Aktionen endet das Spiel schließlich mit der Endauswertung.

Strategie und Hintergrund

Legacy ist als Spiel überzeugend. Die einzelnen Aktionen sind gut abgewogen und ermöglichen viele verschiedene Taktiken. Zusätzliche Würze bringen die Sondereffekte hinzu die bestimmte Verheiratungsstrategien begünstigen. So sind wir beispielsweise angehalten bestimmte Okkupationen oder Nationen zu sammeln, besonders große oder viele Familien zu Gründen oder Geld und Ruhm zu erlangen. Zusätzlich sollte man darauf achten das genug Geld in der Kasse ist und kann man unabhängig seiner Mission versuchen Ansehen durch Missionen, bestimmte Charaktere und Villen zu sammeln. Die verschiedenen Taktiken wirken sich deutlich aus, das Spiel ist aber recht schnell übersichtlich und verhältnismäßig ausgeglichen. Die größte Schwäche ist vermutlich die (wieder einmal) geringe Interaktion. Außer gelegentlichen Konkurrenzsituationen um Extraaktionen oder passende Freunde gibt es wenig Interaktion. Das wird jedoch durch den starken Hintergrund und die schnell abwechselnde Spielfrequenz etwas wett gemacht. Wir müssen kaum auf die anderen Mitspieler oder Mitspielerinnen warten und haben dann die Möglichkeit unsere Familie näher zu betrachten. Auch wenn es kaum Hintergrund im eigentlichen Sinne gibt, erzählen die bekannten und der Stammbaum kleine Geschichtchen. Die Charaktere sind liebevoll humoristisch umgesetzt und besitzen oft augenzwinkernde Spezialeffekte. Der Stallbursche kann die meisten Kinder haben, die Amerikanische Rebellin verachtet Briten und der Verwandte des Königs ist zwar hoch angesehen wird es aber nie zu Kindern bringen. Da wir – wenn auch ohne Spieleffekt – die Titel, Villen und Fabriken frei unseren Familien zuordnen können, kann man diese Entwicklungen noch etwas akzentuieren. Das ist zwar nur eine kleine Dreingabe, aber eine die Spaß machen kann und von brummigen Spielern einfach übergangen werden kann.

Mehr Story liefert zuletzt das Solospiel das ich noch nicht getestet habe, bei dem der im Subtitel auftauchende Duke De Crecy seinen Stammbaum nachforscht (man spielt also Rückwärts) und dabei bestimmte Zwischenziele Erfüllen muss. Ein schöner beigelegter Brief, umformulierte Spielerspielhilfen auf der Rückseite der Spielhilfen und die ansprechenden Missionskarten versprechen eine durchdachte Solovariante.

Fazit

Insgesamt kann Legacy überzeugen. Es ist ein regeltechnisch ausgeklügeltes Brettspiel das zwar für ein Familienspiel etwas zu komplex ist, aber von regelmäßigen Spielern schnell verstanden werden dürfte. Es wirkt sehr ausgeglichen und ermöglicht zahlreiche verschiedene Strategien, wobei es meines Erachtens mit Brettspielen wie Village mithalten kann. Wirklich gelungen und andersartig ist das Stammbaumkonzept das es unerwarteterweise sogar schafft Storys zu erzählen die auch nach mehreren Spielen noch Spaß machen. Der geringe Wettstreitcharakter der durch den auch physisch immer präsenten Stammbaum wettgemacht wird, macht es auch für konfliktscheue Spieler zu einer Option. Etwas schade ist die geringe Anzahl an Bekanntschaften, die nach einem Spielen meist komplett verbraucht werden, da diese aber oft auf dem Ablagestapel landen ist der Wiederspielwert dennoch hoch. Eine kleine Erweiterung oder ein Promoset mit weiteren Freunden wäre aber schön.

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