Geschichte machen IV – Ars Magica

Erneut Gedanken zum historischen Rollenspiel

Oh… *Hust, hust* Wenn ich mir den Staub hier so ansehe ist es schon eine ganze Weile her das ich einen dieser Artikel geschrieben habe. Was führt mich also zu diesem Thema zurück? Zwei Dinge – zum einen nutzt Caninus mein Geschichtsstudium und mein Interesse an merkwürdigen historischen Ereignissen aus, zum anderen habe ich gerade Ars Magica wiederentdeckt. Ich scharwenzelte jahrelang um dieses Spiel herum, immer wieder am Rande meiner Aufmerksamkeit. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann das Grundregelwerk aufgrund von Empfehlungen vom Tanelorn und RPG.net zugelegt. Gelesen, für toll befunden, und… dann nichts mehr damit gemacht. Aber dank „gewisser Leute“ vom Mannheimer Stammtisch beschäftige ich mich wieder intensiver mit dem System – und auch mit dem Hintergrund.

Für diejenigen da draußen, die Ars Magica nicht kennen, das Spiel geht vom europäischem Mittelalter des Jahres 1220 Anno Domini aus, einem Europa in dem Magie funktioniert und in dem alles, was die Menschen dieser Zeit glaubten, auch wahr ist – Feen, Dämonen, und Magie, um ein paar Beispiele zu bringen. Auf der einen Seite haben wir ein sehr detailliertes Magiesystem, welches sich – mangels eines besseren Wortes – „echt“ anfühlt, auf der anderen Seite eine Spielwelt, welche sich glaubwürdig anfühlt, eben weil sie so stark auf unserer basiert. Das Magiesystem alleine wäre schon ein eigener Artikel wert, vieles davon basiert schließlich auf mittelalterlichen Vorstellungen und Philosophien, aber heute geht es mir eher um die Spielwelt, „Mythic Europe“.

Die Autoren und Designer von Ars Magica haben sich einen der interessantesten Abschnitte des sogenannten Hochmittelalters vorgenommen. Die Christianisierung Europas ist fast vollständig abgeschlossen, die Mongolen sind noch nicht nach Europa eingedrungen. Konstantinopel ist an den vierten Kreuzzug gefallen, während im Nordosten ein Kreuzzug begonnen hat, um den Slaven das Christentum zu bringen. Die Reconquista ist auf der iberischen Halbinsel in vollem Gange, und wirtschaftlich ist es der größte Boom bis ins 19. Jahrhundert. Gleichzeitig beginnt hier die Wiederentdeckung antiker Philosophien und Gelehrten, die in kommenden Jahrhunderten zur Renaissance führen wird. Alles in allem eine der beiden Perioden des Mittelalters, welche gerne als Inspiration, als Grundlage für die meisten Fantasysettings verwendet werden. Selbst wenn man also nicht unbedingt Ars Magica spielt ist diese Epoche eine, die man sich als Spielleiter genauer anschauen sollte. Was Ars Magica aber besonders hervorhebt ist die Liebe zum Detail und zur Glaubwürdigkeit, welche sowohl die Autoren in den Quellenbüchern und den Regelbüchern zum Ausdruck bringen, als auch die Fans mit denen ich bisher gesprochen habe, und diese Liebe zum Detail in ihren Kampagnen zum Ausdruck bringen. In der Theorie reichen natürlich die Quellenbücher für das System aus um das historische Setting glaubwürdig präsentieren zu können, aber wer seine Kampagne verbessern möchte – oder wer nach Plotaufhängern sucht – sollte sich ein paar Geschichtsbücher zur Epoche schnappen.

5 Kommentare zu Geschichte machen IV – Ars Magica

  1. Ich meine mich zu erinnern, mal eine Ars-Magica-Landkarte gesehen zu haben, auf welcher die Herrschaft der Lateiner in Konstantinopel ignoriert zu sein schien. Kannst Du dazu etwas sagen?

    • Infernal_Teddy // Februar 22, 2017 um 18:29 // Antworten

      Ich bin selbst erst mit der 5. Edition eingestiegen, und die Karte im regelwerk bezeichnet die region als Byzantine Empire, was zumindest im angelsächsischen Sprachraum als korrekte Bezeichnung für die region akzeptabel ist, mit der „latin empire“ als politische unterteilung, ähnlich wie anjou in france. Zu früheren Editionen kann ich mich nicht äußern.

    • Infernal_Teddy // Februar 22, 2017 um 18:34 // Antworten

      Nachtrag: als „Kulturdeutscher“ betrachte ich eh historische Landkarten in amerikanischen rollenspielen bestenfalls als hübsche bilder, weil jeder von uns der nicht seinen schulatlas weggeworfen hat besseres im haus hat.

  2. lol. Eben das meinte ich. Ein Byzantine Empire gab es ja nicht, sondern 2 oder drei griechische Splitterreiche und eben die Lateiner mit ihren Gebieten.

    • Infernal_Teddy // Februar 22, 2017 um 21:12 // Antworten

      Ich schaue jetzt wahrscheinlich zu sehr auf die britischen Quellen, aber da spricht man nach der „Rückeroberung“ Konstantinopels durch das Kaiserreich Nikaia tatsächlich vom Byzantine Empire. Anderseits spricht man im englischsprachigen Raum auch seltener vom „Oströmischen Reich“, wir diskutieren also vermutlich eher über sprachliche Konventionen, weniger über fehler.

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