Fünf Dinge die DSA nicht kann

Ein rantiger Friday Five mit Infernal Teddy

Jaja, ich lästere und rante wieder über euer Lieblingsspiel. Hört auf zu jammern, wenn ihr was nettes hören wollt geht rüber zu Nandurion. Wie wir ja alle wissen ist DSA ein Fantasyrollenspiel das sich den blödsinnig benannten „phantastischen Realismus“ auf die Fahne geschrieben hat. Sprich, was DSA am besten kann ist DSA darstellen. Mir ghet es jetzt mal darum aufzuzeigen was DSA mal so richtig NICHT kann. Und wenn ihr wissen wollt, wem ihr diesen kleinen Rant zu verdanken hat: Caninus hat sich beim Essen über den dritten Uthuria-Band ausgelassen, die Rezension kommt in den nächsten Tagen, ich habe euch gewarnt.

I.) Abenteuer mit freier Handlung

Die ersten Gerüchte die aufkamen als es um die Uthuria-Kampagne gingen waren vielversprechend: eine relativ offene Handlung, eine Sandbox in der die Charaktere umherwandern sollen und den neuen Kontinent erkunden. Was haben wir statt dessen bekommen? Mal wieder eine Ploteisenbahn mit ach so tollen NSCs welche die ganzen coolen Sachen machen während die Charaktere zugucken und brav der Geschichte lauschen sollen die sich die Autoren aus dem Hintern gezogen haben.

II.) Epische Handlung

Da sind wir wieder bei diesem „phantastischen Realismus“ Mist – Während die ach so tollen SuperplotNSCs die ganzen coolen Sachen am Metaplot machen dürfen, rennen die Spieler rum und suchen irgendwelche Pilze und Wurzeln für die örtliche Kräuterhexe. Mal im Ernst: selbst bei den sogenannten „epischen Kampagnen“ wie die Sieben Gezeichneten (Wo soll ich anfangen zu kotzen?) sind die Charaktere nur Statisten die den Vorlesetexten des Spielleiters lauschen sollen und an den richtigen Stellen nicken.

III.) Helden!

Gut, zugegeben, DSA nennt die Spielercharaktere „Helden“, aber in Anbetracht das wir über das Spiel reden welches den Begriff „Zuckerbäckerspieler“ geprägt hat finde ich es schwer das Wort „Held“ damit in Verbindung zu setzen. Wenn ich „Helden“ höre erwarte ich Charaktere die Überlebensgroß sind, die losziehen können und Ärsche treten. Was bekommen wir statt dessen? Zuckerbäcker. Wundärzte. Schriftgelehrte. What the hell???

IV.) Interessante Spielwelt

Aventurien ist detailiert, nein, erschöpfend beschrieben worden, wir wissen dank einer Legion von Schreiberlingen, Quellenbuchautoren und nervtötender Fans die NICHT AUFHÖREN KÖNNEN DIR DEN SCHEIß ZU ERZÄHLEN sogar ob der Kaiser links oder rechts trägt. Und ich verstehe nicht warum wir so viel Material haben, denn Aventurien ist vermutlich der langweiligste Kontinent der jemals einen Planeten verunglimpft hat. Grimms Märchen trifft auf den langweiligsten Geschichtslehrer den ihr jemals hattet. Und dank der Sammlung LANGWEILIGER NERVENSÄGEN DIE MIR IMMER WIEDER VON IHREM BESCHEUERTEN ZUCKERBÄCKER ERZÄHLEN WOLLEN traut man sich als Spielleiter nicht vom heiligen Kanon abzuweichen. In der Zwischenzeit zeigen die Jungs und Mädels vom Uhrwerk-Verlag mit Myranor wie man es richtig macht.

V.) Benutzbare Regelsysteme

Ich habe früher Rolemaster gespielt. Und Hârnmaster. Ich kann einen d20-Statblock lesen ohne einzuschlafen. Ich sage das nur damit klar ist das ich durchaus mit komplexen Systemen kann. Und jetzt wo das gesagt ist: ich verstehe nicht wie man DSA4 spielen kann und behaupten kann das System wäre gut oder auch nur nach RAW spielen kann. DSA ist schließlich das einzige Spiel bei dem ich ein Softwaretool brauche um überhaupt einen Charakter zu bauen. Wenn man dazu gezwungen ist mit einem DSA-Fan zu sprechen bekommt man auf der einen Hand zu hören das Spiel sei doch fast perfekt, auf der anderen Hand handwedeln sie ganze Regelkomplexe weg. Und jetzt wollen sie eine neue Regelversion rausbringen mit noch mehr unnötiger und schwachsinniger Regeln. Im ernst? Wirklich?

Ich höre jetzt einfach auf, sonst bekommen wir nochmal 500 Wörter. Alle in Capslock. Und keines davon wird jugendfrei sein.

13 Kommentare zu Fünf Dinge die DSA nicht kann

  1. Ja, nun. Was soll ich sagen? Außer: What else is new?

  2. Ein Rant zu DSA in nur 500 Worten. Respekt 😉

  3. Der Grünschnabel // Dezember 14, 2013 um 13:30 // Antworten

    Moin allerseits!

    Auch wenn du grundsätzlich nichts Neues erwähnst & deine Punkte nachvollziehbar sind, kann man sich ja schon fragen:

    1) Warum kaufen dann so viele Leute DSA-Produkte? Die Spieler? Die Sammler?

    In einigen Foren regt man sich über Ulisses‘ grossen DSA-Output auf…Anderswo freut man sich über
    jeden neuen Band, der bald erscheint… Sind die Nörgler in der Unterzahl, aber im Netz lauter? (präsenter)
    Oder sind die DSA-Fans einfach kritisch? (sich zwar aufregen, aber trotzdem jedes Produkt kaufen…)

    2) Warum wird kein anderes deutsches/englisches Rollenspiel mehr verkauft? Was macht DSA trotz aller Kritik scheinbar doch richtig? Was machen andere RPG-Systeme weniger gut?

    (Zu mir: Ich selbst kenne DSA erst seit 4.1. Und besonders einsteigerfreundlich find ichs persönlich auch nicht. Trotzdem scheint es ein System zu sein, dass alle kennen – grosser Vorteil bei Mitspielersuche – viele kritisieren und noch viel mehr offenbar kaufen. Zurzeit hat Ulisses, so macht es für mich den Eindruck, die Lizenz zum Gelddrucken. Auch wenn sie Gefahr laufen, die Spielwelt Aventurien totzuschreiben – oder haben sie das bereits getan? – so lange sich die Produkte wie blöd verkaufen, würde ich als Verlag auch nichts an der Veröffentlichungspolitik ändern…).

    Gruss vom Grünschnabel

    • Infernal_Teddy // Dezember 14, 2013 um 13:59 // Antworten

      Hoi 🙂

      Zu deinem ersten Punkt muss man ja sagen das es die Theorie gibt das es im Rollenspielbereich mehr Leser und Sammler gibt als tatsächliche Spieler. Glaube ich jetzt nicht so wirklich dran, aber das es halt auch Sammler gibt möchte ich nicht ausschließen. Ich kenne auch Spieler die für sich völlig ausschließen das sie jemals leiten würden.

      Was das Geheule angeht, Ulisses würden zu viele Bücher auf den Markt werfen – nun, damit setzen sie ja eigentlich nur das fort was ja bereits FanPro begonnen haben. Als DSA noch eine Produktreihe unter vielen war unter Schmidt Spiele ging das halt nicht. Die Fans kaufen es ja, sonst würde es nicht nicht rentieren.

      Um auf deinen zweiten Punkt einzugehen: Wenn jemand wüßte warum DSA aus verkaufssicht funktioniert, würde DSA sich nicht mehr so gut verkaufen, weil es ein besseres (aus Verkaufssicht) Produkt gäbe. Meine Theorie ist das es die selben zwei gründe sind wie mit D&D in den USA: zum einen ist es wegen des alters und der marktdurchsetzung (Etwas das Midgard nie hatte) einfach hierzulande Synonym mit dem hobby, zum anderen gibt es wegen besagter marktdurchsetzung einfach so viele Spielgruppen die damit angefangen haben oder die es heute noch spielen das die meisten Rollenspieler in .de damit sozialisiert werden.

      (Ich bin da glücklicherweise eine Ausnahme – wenn ich in meinem ganzen leben auf sechs monate Spielzeit DSA komme werde ich sehr erstaunt sein)

  4. Sehr schön.

  5. Der Grünschnabel // Dezember 14, 2013 um 16:05 // Antworten

    @Infernal_Teddy: Das heisst also, einer der Hauptgründe, warum alle über DSA herziehen & trotzdem alle brav DSA-Produkte kaufen, ist die Verbreitung & die Bekanntheit. Viele kennen nichts anderes oder besseres…oder Gruppen, die nichts anderes kennen/spielen wollen… und dann noch auf deutsch! (Ja, es gibt Gruppen, die wollen kein Material auf Englisch lesen/kaufen oder jeweils auf Übersetzungen warten…).

    Somit müsste also ein neues System wie „Splittermond“ (oder irgend ein anderes neueres RPG) erstmal 10,20 (,30??) Jahre durchhalten und sich solide/rentabel verkaufen, um eine ähnliche Marktdurchsetzung zu erreichen…

    Was du schreibst, klingt alles plausibel – aber ists wirklich so einfach? Ist da nicht noch mehr?

    Zurück zu deinem Rant: Da tust du ja mehrere Dinge:
    1) Warum ist DSA als Regelsystem doof?
    2) Warum ist DSA als Spielwelt doof? Und ganz nebenbei: Warum sind Hardcore-DSA-Spieler doof?
    3) Warum ist das neue DSA-Setting Uthuria doof? (nur angedeutet in der Einleitung)
    4) Am Schluss: Warum wird DSA5 ebenfalls doof?

    Jaja, ich weiss. Ist alles etwas reduziert, aber nur etwas, 🙂 ein Rant (so wie ichs verstanden habe) soll ja vor allem provozieren und
    „Dampf ablassen“.

    Man könnte aber auch herauslesen: „DSA war früher besser…“ (kann ich nicht mitreden) „…nur die neue Redaktion hat alles
    gegen die Wand gefahren, zum Beispiel mit Uthuria oder langweiligen Abenteuern.“

    Und das beste am Ganzen: Egal, was Ulisses im kommenden Jahr regeltechnisch herausbringt, die unerschütterlichen Fans werden eh alle möglichen Regeln brav hausregeln. Die Frage ist aber, ob DSA5 die breite Fan-Masse dazu bringt, erneut alle Regionalbänder zu kaufen? Und die Zusatzbücher & alles nochmals als pdf… Erst wenn die Spieler übersättigt sind und nicht mehr jeden %&?! kaufen, erst dann beginnt der Verlag sich Gedanken zu machen. Wir sehens ja nächstes Jahr!

    Zu D&D und den USA: Dort hat man ja ironischerweise gesehen, dass ein „Wir-machen-alles-anders-als-die-Version-3.5“ D&D – aka
    D&D4 – vom traditionelleren, nur in Details leicht weiterentwickelten „Wir-bleiben-lieber-bei-der-Version-3.5“ D&D – aka „Pathfinder“ – verkaufstechnisch überholt wurde. Sprich: Aktuell ist „Pathfinder“ in den USA Marktführer. Die Fans wollten zwar schon Änderungen, aber bitte keine radikalen! Wizards of the Coast, die Entwickler von D&D5 (D&DNext), haben somit die undankbare Aufgabe vor sich, einen Spagat zwischen Retro-RPG (die vielen alteingesessenen Fans zufriedenstellen) und den wenigen Neueinsteigern, die D&D4 toll fanden, zu finden… Wenn das mal gut geht…

  6. Inhaltlich kann man dazu glaube ich nichts anderes mehr sagen als „sehe ich auch so“ oder „sehe ich anders“. Was DSA-Kritik angeht, ist vermutlich inzwischen alles gesagt worden – aber anscheinend noch nicht von jedem. Ein wenig verwundert war ich allerdings doch, diesen Rant gerade hier zu lesen, da mir eure DSA-Rezensionen bislang eher durch besondere Nachsichtigkeit im Urteil und nette Fazits der Form „nicht perfekt, aber gut, kann man sich durchaus zulegen“ aufgefallen sind. Kann aber auch an den unterschiedlichen Autoren liegen.

    • Infernal_Teddy // Dezember 16, 2013 um 18:19 // Antworten

      Das liegt tatsächlich an den verschiedenen Autoren – während Caninus DSA sehr mag ist Teddy so überhaupt kein freund des spiels, weswegen er sich normalerweise beim blog von diesem thema fernhält (Ausnahme: Myranor)

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