Fate Core – Eindruck von der deutschen Ausgabe

Rezension der Neuerscheinung

Am vergangenen Samstag konnte ich auf der RPC die deutsche Ausgabe von Fate Core als Rezensionsexemplar ergattern. Mehr über die Messe kann man hier schon anderweitig auf dem Blog lesen. Heute soll es nur um das (gar nicht mal so kleine) blaue Büchlein vom Uhrwerk Verlag gehen. Im Gegensatz zu vermutlich vielen anderen Rezis will ich hier aber nicht über die Vor- und Nachteile von Fate Core an und für sich reden. Wer sich dafür interessiert sollte sich lieber den gut gelungenen Artikel auf Teilzeithelden durchlesen. Diese Rezi richtet sich stattdessen an diejenigen, die die deutsche und englische Version miteinander vergleichen wollen.

Zur Sicherheit gebe ich hier mal einen kleinen Disclaimer: Ich bin namentlich vorne im Buch unter „Einen besonderen Dank an“ genannt. Meine Beihilfe beschränkte sich jedoch auf ein paar Vorschläge für Begriffsübersetzungen und Formatierung. Nichts was (soweit ich es bemerke) meine Meinung beeinflusst, aber sicher ist sicher.

Äußerlichkeiten

Wir machen das mal ganz klassisch und gehen bei Rezension von außen nach innen, vom Offensichtlichen zum Detail. Also was merkt man als erstes wenn man die englische Evil Hat Version und die deutsche Uhrwerk Ausgabe nebeneinander legt?

Größenunterschied.

Das amerikanische Format konnte natürlich nicht übernommen werden und das deutsche“Equivalent“ (ich glaube es handelt sich um Din C5?) ist merkbar größer. Gut so! Das amerikanische Original war so gerade eben vom Schriftsatz groß genug um ordentlich lesbar zu sein, das deutsche ist einen Tacken größer und damit besser lesbar. Der restliche gewonnene Platz wird von etwas mehr weißer Fläche (gut fürs Auge!) und dem Deutsche Sprache – Lange Sprache Phänomen aufgefressen, so dass beide Versionen etwa gleich viele Seiten haben. Selbst wenn das Papierformat und das Layout genau gleich gewesen wären (theoretisch eigentlich am besten), dann wäre die deutsche Version in das zweifelhafte Vergnügen gekommen noch mehr Seiten zu haben. Also besser so wie es jetzt ist.

Was fällt als zweites auf? Blau.

Die Seiten haben alle einen blauen Rand (mit dunkelblau für die Kapitelanzeige). Sieht schick aus, aber zuerst habe ich mir da schon etwas verwundert am Kopf gekratzt. Warum denn extra blaue Ränder bei einem schwarz-weiß Buch?! Tja im Gegensatz zum Original ist Fate Core nicht mehr in zweifarbig sondern dreifarbig. Wer wirklich was buntes Sucht, der sucht immer noch vergebens, aber zu den Grautönen sind auch die Blautöne hinzugekommen. Optisch ein riesiger Gewinn! Evil Hat hatte im Layout bei besonderem Text beispielsweise auf schwarze Textboxen mit weißem Text gesetzt. Das wirkte auf mich immer etwas altbacken und langweilig. Jetzt haben wir hell-blau eingefärbte Boxen mit schwarzem Text. Klingt erstmal unwichtig, aber das ganze Buch wirkt dadurch freundlicher und leichter zu lesen.

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Dann wären wir auch schon bei den Illustrationen angekommen.

Wer mit der Materie vertraut ist, der weiß, dass aus rechtlichen Gründen nicht die gleichen Illus wie in der englischen Ausgabe verwendet werden dürfen. Die Italiener hatten natürlich dasselbe Problem und haben es schlicht mit komplett eigenen Bildern vom Künstler Davide L. Marescotti gelöst. Da wir in der EU ja aber gerne teilen, finden sich exakt die selben Bilder auch in der deutschen Ausgabe wieder.

Die Bilder sind ausnahmlos technisch einwandfrei und sehen gut aus, nicht so detailreich und realistisch wie Kurt Komodas Bilder im Original, aber immer noch gut. Stattdessen findet sich hier ein Stil der mehr an klassische, mehr abstrahiert Comics erinnert.  Darüber kann man denken was man will, aber ihren Zweck erfüllen sie sehr gut. Alles ist klar erkennbar, sieht schick aus und vermittelt Emotionen (durch die Konzentration auf das wesentlich manchmal sogar klarer).

Eine Sache zu bemängeln habe ich aber doch: Die fast schon sklavische Erhaltung der Original Motive. Wenn man die zueinander gehörenden Bilder der englischen und deutschen Ausgabe gleichzeitig sieht, dann fällt auf das Marescotti wirklich bei 90% der Bilder versucht hat ihr Motiv im gröbsten zu wiederholen.

Vollkommen unnötig! Ich weiß das es 1-2 Textstellen gibt, auf die die Illustrationen sich direkt beziehen, aber da hätte man sich viel, viel mehr Freiheiten erlauben können. Es wundert mich auch das Marescotti nicht mehr seiner eigenen Kreativität und Vision mit eingebracht hat. Solange man die Originalbilder im Kopf hat, kann „die Kopie“ den Vergleich ja nur verlieren! Erst wenn man auf Bilder stößt wo einen Komodas Bilder nicht mehr direkt zu einfallen, fängt das optische an zu wirken. Wer also mit Uhrwerks Version seinen Erstkontakt hat, der sollte keine Probleme haben. Für die anderen? Vielleicht nicht parallel beim ersten Lesen im Original blättern, dann fällt es auch nicht so auf.

Innere Werte

Wer diesen Blog oder meine Machenschaften etwas verfolgt, der weiß nur zu gut, dass ich mich der ein oder andere als Fate Fanboy einstuft. Der eigentliche Inhalt ist für mich direkt abgesegnet. Was mich also interessiert ist die Übersetzung und nicht die Idee hinter dem Text.

Die Übersetzung scheint genau das zu sein. Eine recht wortgetreue Übersetzung. Jeder Absatz ist wieder erkennbar und fast jedes Wort scheint seinen genauen Gegenpart zu haben. Das ist bestimmt gut, weil man so nicht unabsichtlich eine eigene deutsche Variante der Regeln erschafft. Ich selber jedoch bin ein Freund von freieren Übersetzungen. Natürlich kommt mit jeder Freiheit auch immer etwas Interpretation, aber für Textfluss und Verständnis ist es bei einer Übersetzung manchmal einfach schöner sich nicht zu sehr an gewisse Wortlaute zu binden. Versteht mich nicht falsch! Uhrwerk hat das ja auch gemacht (sieht man in der Beispielseite weiter oben ja), aber mir geht es nicht weit genug. Der Text ist klar verständlich und lesbar. Manchen Sätzen merkt man aber ihr englisches Erbe an, denn im Deutschen würde man von selbst einfach anders formulieren.

Bevor ich mich in leeren Floskeln verliere mal ein Beispiel aus der oben abgebildeten Seite:

  • Original: Fate works best when you use it to tell stories about people who are proactive, competent and dramatic.
  • Uhrwerk: Fate funktioniert am besten, wenn ihr damit Geschichten über Leute erzählt, die von selbst die Initiative ergreifen, die kompetent sind und die dramatisches Potential besitzen.
  • Meine Vorstellung: Am besten erzählt man mit Fate Geschichten, dessen Protagonisten von selbst die Initiative ergreifen, kompetent und einfach mitreißend sind.

Bei proactiv, dessen deutsche Entsprechung proaktiv doch sehr schlecht von der Zunge geht, hat Uhrwerk sich etwas Freiheit erlaubt, aber bei dramatic verbiegen sie sich dafür, nur um nahe an der Formulierung zu bleiben. Klar Drama ist später auch eine Überschrift und man will das ja wieder aufgreifen, aber man sich eben das Kapitel „Drama“ durchliest, dann passt Mitreißend eigentlich auch ganz gut. ein kleines und unwichtiges Beispiel, aber hier und da reihen sich 1-2 solcher Beispiele aneinander und es entsteht ein paar unnötige Ecken und Kanten. Außerdem ist im englischen Original manches nicht so prägnant formuliert wie es sein könnte, was man bei einer Übersetzungen auch hätte glattbügeln können.

Klingt vielleicht nach viel Gemecker, aber so dramatisch ist es dann auch nicht. Vor allem da die eigentlichen Fachbegriffe was mich angeht ausnahmlos sehr gut übersetzt worden sind! Bravo dafür, denn bei manchen Begriffen hätte ich mich doch recht schwer getan. Genau deswegen hat man wohl dabei die Community einbezogen.

Fazit

Auch wenn vieles von Illustrationen bis hin zum Text unnötigerweise zu nahe am Original geblieben ist, Uhrwerks Buch kann sich sehen lassen! Das schlichtweg bessere Layout mit freundlicheren Farben macht Lust das Buch zu lesen. Für diejenigen, die mit dem englischen Buch klarkommen, lohnt sich das Buch vielleicht nicht unbedingt. Ein Mehrwert wie er beispielsweise bei Shadowrun in der deutschen Version produziert wird bleibt hier aus. Das Buch ist vom Inhalt „nur“ genauso gut, wie das hervorragende Original. Wer aber ein englisch Muffel ist oder  solche in seiner Runde hat, der profitiert von der Uhrwerk Ausgabe immens.

Zusammen mit den bald erscheinenden deutschen Settings, denke ich, dass wir auf Cons bald wesentlich mehr Fate Runden sehen werden. Gut so!

 

3 Kommentare zu Fate Core – Eindruck von der deutschen Ausgabe

  1. Bei FAE und Turbo-Fate ist es mit den Bildern im übrigen ähnlich. Die Motive sind extrem ähnlich. Der Stil im deutschen Werk erinnert mich ein wenig an Aeon Flux und gefällt mir sehr gut.

  2. Also die Illustrationen im deutschen gefallen mir im Gegensatz zu Fate Turbo sehr gut.
    Aber auf die Dreifarbigkeit hätte ich bei beiden gut verzichten können. Die empfinde ich eher als störend denn als hilfreich. Aber das ist wohl stark Geschmackssache.

  3. Sehr interessant. Deine Meinung zu freien Überstzungen teile ich, doch obendrein ist mir grammatikalische Korrektheit noch wichtig. Es müsste heißen: „Am besten erzählt man mit Fate Geschichten, deren Protagonisten von selbst die Initiative ergreifen, kompetent und einfach mitreißend sind.“

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