Der Nabel der Welten

Roman 147 - Drachenschatten 2

Man hat ja schon fast nicht mehr an das Erscheinen dieses Romans geglaubt, nun ist es doch passiert. Da es sich um den zweiten Teil handelt und der erste Band relativ mitten in der Handlung beendet ist, ist das natürlich um so schwerer gewesen für diejenigen Leser, die eben gerne wissen wollten wie es weiter geht. Eine Rezension zu „Der Kreis der sechs“ findet ihr hier.
Dieser Roman (und auch sein Vorgänger natürlich) erklären ein bisschen das Umfeld vor Beginn der Drachenchronik und stellen somit ein Möglichkeit für Spielleiter dieser Kampagne dar, noch mehr Hintergrund und wichtige Persönlichkeiten einzubauen und ein bisschen mehr zu verstehen von dem was vorher war.

Wie auch der erste Roman enthält dieser zwei Handlungsstränge deren Erzählungen sich immer wieder abwechseln. Zum einen ist dies die Geschichte der jungen Magierin Avesa, des Draconiters Borson und ihrer „Freunde“ in Kuslik zur Jetztzeit (1032 BF), zum anderen die von einem Magier aus Punin namens Killgorn in der Vergangenheit (1010/1011 BF). Zwecks Übersichtlichkeit der Rezension werden die beiden Handlungsstränge einzeln aufgeführt.

Avesas Geschichte
Nachdem Avesa im ersten Band zusammen mit dem fadenscheinigen, gildenlosen und von vielen gejagtem Magier Gorodez, ihrem Geliebten Horadan und ihrem Freund Dartan in die Höhle des Löwen geschlichen ist und dort einen Teil der Ursache über den Raub des Umbilicus erfahren hat, muss sie zunächst erst dem Wachhund, den die sogenannte Verkünderin und damit Anführerin des Ganzen dagelassen hat, entkommen. Dies gelingt Avesa mehr schlecht als Recht, wenigstens kann sie dabei Gorodez retten und Dartan mitnehmen, auch wenn sie den Magier nur deswegen heilte, damit er ihr helfen kann Rache für den Tod an Horadan zu üben. Doch wie findet man dieses Wesen? Und wie hält man es auf? Der Pfad der kleine Gruppe führt sie zunächst zu Lucara, einer Hesindegeweihten, welche nicht mehr ganz dem Weg ihrer Göttin folgt und die selbst ebenso von der Verkünderin geblendet wurde. Mit ihrer Hilfe und einer alten Bekannten von Dartan, als auch von Gorodez gelingt es Avesa in die Ränge der Verschwörer einzuschleusen. Doch um welchen Preis?

Ebenso ist parallel Borson noch immer auf der Suche nach dem Dieb des Umbilicus, der ja während seiner Wache gestohlen wurde. Nachdem er von schrecklichen Träumen und Visionen geplagt wurde, und die Magisterin der Magister aufsucht, bekommt er den Auftrag zusammen mit Praiodana Almira Werckenfels (samt Anhang) nach dem Ursprung des Nabels der Welten zu suchen und dabei vielleicht mehr zu entdecken, als er eigentlich wissen wollte. So treibt es auch diese Gruppe nach Silas, der Stadt in der alles seinen Anfang und sein Ende nehmen könnte.

Killgorns Geschichte
Nachdem Killgorn am Ende des ersten Bandes die Verräter gestellt und zumindest einen von ihnen auf dem Gewissen hat, stellt sich die Frage ob der Plan Taphîrel ‚ar Ralahans noch funktionieren kann. Dieser sieht nämlich vor mit dem Blut von sechs Nachfahren des ursprünglichen Kreis der Sechs, den Limbus zu versiegeln um die dritte Sphäre von der fünften, sechsten und siebten abzuschotten und so dem ewigen Hin und Hergeschubse der Götter zu entgehen. Doch dann taucht Aleya Ambareth, wie auch schon zuvor mehr oder weniger aus dem Nichts auf, und bietet Taphîrel die Hilfe der Menacoriten, jenes Ordens der nur im Limbus wohnt und wacht an. Doch Killgorn ist sich gar nicht so sicher, was die Menacoriten eigentlich wirklich antreibt, und ob sie nicht unter ihrer augenscheinlichen Anführerin Yalstene doch etwas ganz anderes wollen…

Eines muss hier direkt vorweg gesagt werden, wenn man den ersten Teil nicht mehr auf dem Schirm hat – weil man ihn eben bei Erscheinen gelesen hat – dann ist man am Anfang ziemlich aufgeschmissen. Es gibt weder ein „was vorher geschah“, noch eine innerhalb des Romans geführte Unterhaltung die dies wiedergibt. Man wird als Leser mitten in die Handlung geworfen und muss sehen wie man klar kommt. Das ist natürlich bei einer so langen Frist zwischen zwei Teilen mehr als schlechter Stil…
Aber sei es drum, die Geschichte selbst ist wieder einmal großartig geworden. Gerade für jene Leser, sie sich in Aventurien auskennen und denen die ganzen Erwähnungen dann auch etwas mehr sagen, als nur das was tatsächlich im Roman steht, wie etwa die Begegnung von Killgorn und Aleya mit Emmeran von den Nordmarken in Draconia, das heutzutage natürlich vielen Spielern bekannt ist, aber 1010 BF auf Aventurien keiner kannte und auch Killgorn nicht verraten wird.
Die Charaktere sind nach wie vor trotz nur kurzer Beschreibungen einfach auf Grund ihrer Handlungen erstaunlich gut ausgearbeitet und mit Leben erfüllt. Und die Geschichte selbst ist die gelungene Fortsetzung der im ersten Teil begonnenen Detektivgeschichte, die inzwischen zu einer Spionage ausgeweitet wurde und am Ende dann in einem großen Finale kulminiert. Der Epilog hingegen schafft es die natürlich alleine durch das Artefakt gegebene Verbindung zwischen den beiden Zeiten auch noch einmal zusätzlich zu verknüpfen.
Für die weniger kundigen Leser werden die „Fachbegriffe“ der Gelehrten und Magier dann nochmals in einem Glossar erklärt. Ein Personenverzeichnis gibt es jedoch leider nicht.

Fazit
Wer den ersten Teil gelesen hat, wird sehr zufrieden mit dieser Fortsetzung sein (sollte aber diesen nochmals in die Hand nehmen, bevor er den zweiten beginnt). Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, sollte das zuerst tun. Da es sich tatsächlich eher um einen ganzen Roman handelt, der einfach auf zwei Bücher verteilt wurde, entgeht einem einiges ohne eben jenen ersten Teil. Die Geschichte ergibt natürlich dennoch Sinn, aber vieles bleibt einfach auf der Strecke vom Verständnis her. Definitiv eine würdigen Fortsetzung.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

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