Bergungskreuzer Möwe

Eine Fate-Besprechung von Infernal Teddy

Ich habe das Gefühl, Fate bewegt sich langsam im selben konzeptuellen Raum, wie es auch schon Savage Worlds tut – die veröffentlichten Settings sind alle irgendwie mit einem „Twist“. Zumindest ist es bei den Fate Abenteuerwelten so, den Kurzsettings die Evil Hat über Patreon finanzieren lässt, und von denen der Uhrwerk Verlag bisher Masters of Umdaar, Eagle Eyes und Nest veröffentlicht hat. Und dem Setting, das wir uns heute anschauen werden, Bergungskreuzer Möwe. Bergungskreuzer Möwe, geschrieben von Günter Lietz, war der Gewinner der Fate Weltenband-Challenge des Uhrwerk Verlags, und damit das erste deutsche Setting, das für Fate Core veröffentlicht wurde.

Wie die beiden Abenteuerwelten, die wir bisher besprochen haben ist auch Bergüngskreuzer Möwe ein kleines, schmales Heft mit 77 Seiten, zu denen sich noch ein spezieller Charakterbogen gesellt. Auch das Layout folgt den Vorgaben, die wir bisher in dieser Reihe beobachten konnten. Die Illustrationen sind im Gegensatz zu den letzten beiden Bänden, die wir besprochen haben nur in Schwarz/Weiß, aber dafür sehr stimmungsvoll, stellenweise etwas „eigen“ – um zum Teil auch vom Autor selbst angefertigt. Aber was ist denn jetzt ein Bergungskreuzer Möwe eigentlich, und was mache ich damit?

Die Prämisse für dieses Setting ist folgende: 1909 tauchte eine außerirdische Flugscheibe über dem Atlantik auf, und wurde von der Kaiserlichen Marine abgeschossen. Allerdings nicht bevor diese mit kosmischen Energiestrahlen dafür gesorgt hat, das die Polkappen schmelzen und der Meeresspiegel um satte 125 Meter gestiegen ist. Bergungskreuzer Möwe betrachtet jetzt wie denn das Jahr 1982 in dieser Welt aussieht, mit Hauptaugenmerk auf Deutschland und Europa, inklusive einer Karte des nördlichen Europas. Deutschland ist nach wie vor Kaiserreich (Die Hauptstadt wurde allerdings nach München verlegt), und hat eine Vormachtsstellung inne, wie sie in unserer Welt die USA hatte. Den Meeren geht es gut, deren Bewohner sind zahlreich, und zunehmend größer und aggressiver als sie es vor der Flugscheibe war. Die Spieler verkörpern in dieser halbversunkenen Welt die Besatzung eines Bergungskreuzers, eines privaten Schiffes, welches in den untergegangenen Ruinen Norddeutschlands nach Fundstücken und Schätzen sucht, sich dabei vor wildgewordenen Meerestieren, Piraten und Schlimmerem schützen muss, und unterwegs spannende Abenteuer erlebt. Dabei kann man entweder sein eigenes Schiff und seine eigene Mannschaft erstellen, oder mit der vorgefertigten Mannschaft der Möwe spielen.

Natürlich passt Bergungskreuzer Möwe die Regeln von Fate Core an das vorgegebene Setting an. Das geht los mit einer angepassten Fertigkeitenliste, und setzt sich in der Liste der vorgestellten Beispielstunts fort, von denen einige auch nur für ein Schiff zur Verfügung stehen. Es finden sich gleichzeitig aber auch kurze, knackige Regeln für Windstärken und Seegefechte (und als jemand, der in der Junior School die Beaufort Scale auswendig lernen musste finde ich es total cool, die hier nochmal zu finden…), zusammen mit Ausrüstungsregeln für Schiffe und andere Gegenstände, die man so auf KaperfahrtSchatzsuche gebrauchen kann. Natürlich gibt es auch eine Auswahl an Beispielabenteueransätzen – zusammen mit einer Tabelle für zufällige Ereignisse – und ein kleines Bestiarium (Die Aliens sind übrigens Quallenartige). Abgerundet wird das Heft durch die Anhänge, in dem wir ein Seemannsglossar vorfinden, die Beispielcharaktere – und, was ich gleichzeitig für ein sehr cooles Settingelement halt und zum Schreien komisch, die aktuelle Hitliste des Jahres 1982 in dieser Welt, unter anderem mit Falcos „Der Kapitän“.

Fazit:
Ich muss gestehen, als ich das erste Mal die Beschreibung von Bergungskreuzer Möwe gelesen hatte war mein Gedanke „Eh“. Aber Güter Lietz hat hier ein sehr schönes, sehr kompaktes Setting abgelegt, welches sich auf sehr wenige Klischees verlässt (Naja, auf eine Fortsetzung des Kasiertums hätte ich verzichten können) und sich trotz allem sehr Deutsch anfühlt, was damals die Vorgabe der Challenge war. Das präsentierte Setting macht einfach Lust, direkt loszuspielen, was bisher das Hauptmerkmal der Abenteuerwelten-Reihe zu sein scheint. Leider wird es laut Dominik Pielarski wohl so schnell keine neue Weltenband-Challenge mehr geben, aber wer spannende Meeresabenteuer in einem Gestern, das es nie gegeben hat, spielen will sollte sich diesen Band dringend anschauen – ich bin froh das ich es in meiner Sammlung habe.

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