Aquila

Ein Roman von Ursula Poznanski

Nika ist fassungslos. Zwei ganze Tage hat sie verloren und keine Ahnung was da alles passiert ist. Irgendetwas schlimmes möglicherweise, denn sie wacht in schlammiger Hose auf und findet ein blutbeflecktes Shirt. Und dann ist da auch noch eine Nachricht auf dem Badezimmerspiegel der kleinen Wohnung in der sie mit Jenny wohnt. Die auch verschwunden ist. Und zu allem übel ist auch noch die Tür verschlossen und Nikas Handy und Laptopakku verschwunden, so dass sie niemanden erreichen kann. Immerhin taucht dann wenigstens Jennys Freund auf und lässt die Tür mit Hilfe des Hausmeisters öffnen um dann Nika zu erklären, dass er am Samstag Abend, dem Abend ab dem sich Nika an nichts mehr erinnern kann, Schluss gemacht hat. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Und was haben die seltsamen Botschaften auf dem Zettel in ihrer Hosentasche zu bedeuten? ‚Hüte dich vor Adler und Einhorn‘, ’sic transit gloria‘, ‚du weißt wo das Wasser am dunkelsten ist‘ oder ‚der Spiegel des Löwen zwischen den Farben‘. Nika hat keine Ahnung was sie sich da mitteilen wollte, denn es ist unverkennbar ihre Schrift. Trotzdem muss sie es versuchen. Die Erinnerungslücke irgendwie schließen, obwohl sie erst vor kurzem hier in Siena für ein Auslandssemester angekommen ist und italienisch nicht so wirklich beherrscht. Doch dann wird eine Leiche gefunden und plötzlich ist die Polizei hinter ihr her und Nika weiß nicht ob sie vielleicht in ihrem Black-out einen Menschen umgebracht hat.

Hier haben wir wieder einmal einen typischen Poznanski. Ein Rätsel für den Protagonisten und Leser gleichermaßen, welches sich erst im Verlauf des Romans lüftet und einen Tatbestand hinterlässt, auf den man am Anfang wohl nie gekommen wäre, der aber dennoch nicht wirklich unlogisch ist. Natürlich wird hier nicht verraten was genau passiert ist, nur so viel: Es hätte auch ein Fall für das Ermittlerduo Kaspary und Wenninger werden können, denn es ist letztlich ein klassischer Krimi, wenn auch von einer sehr ungewöhnlichen Seite aufgezogen. Die Anregung für den Verursacher der ganzen Misere kommt sicherlich eher aus Poznanskis Krimis, denn es ist schon ein sehr gestörter Mensch, der so normalerweise in einem Jugendroman nicht in dieser Form auftritt.
Der Hauptcharakter Nika ist ebenfalls Poznanski-typisch ein Außenseiter, obwohl Nika zwar gerne feiern geht und auch Freunde in Siena gefunden hat, ist sie in der Suche nach den verlorenen Tagen doch auf sich alleine gestellt und wegen fehlender Sprachkenntnisse abseits der normalen Bevölkerung, die ihr zu einem Großteil auch überhaupt nicht glaubt, dass sie sich nicht erinnern kann.
Die Auflösung der von Nika selbst erstellten Rätsel ist leider selten so, dass man als Leser auf die Lösung kommen kann bevor Nika es selbst tut. Lediglich die Lösung des Spruchs über Adler und Einhorn könnte Kennern von Siena einfallen, kommt doch hier der Name des Romans her, denn Adler ist auf italienisch Aquila und bezeichnet einen bestimmten Bereich innerhalb der Stadt. Trotzdem ist es nicht so, dass der Leser enttäuscht wird, fiebert er doch der Lösung der Rätsel mindestens ebenso mit, wie Nika selbst.
Auch Poznanski-typisch spielen wieder Protagonisten mit, die nicht ganz das sind, was sie angeben und hinter denen mehr steckt als man meinen könnte.
Die Geschichte eignet sich im übrigen (wie ja auch schon einige der anderen Poznanski-Romane) wunderbar für ein Duo-Rollenspiel, also ein Spielleiter und ein Spieler, der dann die Rolle der Nika übernimmt.

Fazit
Wer schon andere Bücher von Frau Poznanski gelesen (und gemocht) hat, kann hier definitiv zugreifen und wird nicht enttäuscht werden. Wer noch kein Buch von ihr gelesen hat, aber gerne mit dem Protagonisten miträtselt und Krimis mag, macht aber ebenfalls nichts falsch. Wer im übrigen mal reinlesen möchte: hier ist der Link zur Leseprobe.

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