Winterdepression

Persönliche Beobachtungen von Infernal Teddy

Eines der Probleme mit denen ich mich herumschlagen muss ist, das ich – vor allem im Winter – zu Depressionen neige. Ich bin da nicht kurz davor mich umzubringen, oder sitze völlig apathisch in einer Ecke und ritze mir Joy Division-Songs in meine unterarme, aber manchmal stolpere ich einfach über einen Gedanken, und dann lässt der mich für den Rest des Tages nicht mehr los, und ich komme nicht mehr darüber hinweg. Und dann ist auch nicht mehr viel mit mir anzufangen, während meine emotionale Achterbahn sich auf dem Sturzflug nach unten macht. Und was hat den heutigen Anfall ausgelöst, und damit diesen Artikel? Der eigentlich immer coole Tanelorn-Stammtisch in Mannheim, und eine einfache Beobachtung was die Spielgewohnheiten meiner Mitmenschen angeht, und wie sie im Verhältnis zu meinen eigenen stehen.

Ich habe zunehmen das Gefühl, es gibt zwei Arten von Spieler, und ich finde mich in keiner der beiden Kategorien wieder:

  • Mainstream-Spieler: DSA, Shadowrun, Splittermond, D&D bzw. Pathfinder. Vielleicht noch Vampire: the Masquerade. Wenn ihr etwas aus dieser Liste spielt, herzlichen Glückwunsch – ihr werdet niemals das Problem haben, keine Spieler zu finden. Nur leider habe ich im Moment wenig Nerv für eure Spiele, oder ich finde das was ihr spielt doof. Ich befinde mich halt im Moment außerhalb des Mainstreams, und ich weiß nicht wie lange es dauern wird bis ich da wieder eintauchen werde (oder kann).
  • Indie-Spieler: Ich bin ein altmodischer Rollenspieler. Die meisten Indiespiele, die mir bisher über den Weg gelaufen sind suchen Lösungen für Probleme, die ich nicht habe, oder versuchen Dinge zu erreichen, die mich nicht sonderlich interessieren. Über die ganzen “One Trick Ponies” mit denen man nur eine Art von Spiel spielen kann brauchen müssen wir hier nicht reden, und wenn das Spiel keinen Spielleiter braucht bleibe ich auch zuhause. Ich habe hier einfach nichts gefunden, dass mich genug reizt um etwas damit zu machen.

(Theoretisch gibt es noch eine dritte Art, “Spieler, die das spielen wollen, was ich auch spielen will, aber viel zu weit weg wohnen”, aber das hat jetzt mit meinem Thema weniger zu tun.)

So where does that leave me? Ich gehöre also keinem der beiden derzeit dominanten Strömungen an. Und das macht für mich das Suchen oder Zusammenstellen einer Gruppe echt schwer. Zugegeben, es ist für mich keine neue Situation – der größte Teil meiner Rollenspielkarriere besteht aus faulen Kompromissen, weil ich gerne spiele, noch lieber leite, und (fast) nie das spielen oder leiten kann was ich möchte. Oft wird dem “Anderen”, dem, was ich leiten will, eine Chance gegeben. Es werden Vorschläge und Konzepte ausgearbeitet, um begrüßt zu werden mit “Nee, kennen wir nicht, spielen wir nicht”. Im schlimmsten Fall war es sogar “Ich spiele DSA, ich spiele Shadowrun, und sonst spiele ich nichts!”. Stapelweise coole Spiele, die ich gerne mal spielen würde, oder die ich früher mal gespielt habe – aber alles Dinge, die ich wahrscheinlich niemals (wieder) spielen werde, weil sie weder Mainstream sind, noch der neuste geile Indie- bzw. Kickstarter-Scheiß sind.

Aber was bleibt mir dann übrig? Nur noch irgendwas mainstreamiges spielen bzw. leiten, weil ich dann wenigstens zum Rollenspiel komme? Könnte man machen, ja. Aber dann brauche ich wahrscheinlich in einem halben Jahr jede Menge Pillen, weil ich sonst mit meiner Aggression und Depression nicht mehr zurecht komme. Oder doch anfangen irgendwelchen Indie-Quark kaufen und sammeln? Kanns ja auch nicht sein, oder? Zumal ich da auch nicht wirklich Sachen finde, die mich wirklich ansprechen. “Aber Teddy, du hohle Nuss,” höre ich schon jemanden da draußen rufen, “du könntest doch auch einfach wie alle anderen auch versuchen, eine Skype oder Hangout-Runde aufzubauen, dann findest du doch bestimmt Spieler!” Ähm, nein. Zum einen ist für mich Rollenspiel immer noch gesellschaftliche Interaktion, mit gemeinsam Kochen, und mit Leuten am Tisch sitzen. Zum anderen sind weder Caninus noch unsere vier Katzen sonderlich glücklich wenn ich sie vier Stunden lang ignoriere um mit meinem Computer zu reden. Und unsere Katzen können sehr penetrant sein.

Gut, im Prinzip heule ich hier rum, weil ich seid *Auf dem Kalender schau* zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr etwas gespielt oder geleitet habe, das tatsächlich mir am Herzen lag, sondern bestenfalls ein Kompromiss war zwischen dem was ich machen wollte, und dem was meine Spieler wollten. Und zehn Jahre sind eine lange Zeit. Vielleicht wird es einfach Zeit anzuerkennen, das meine Interessen nicht die meiner Umgebung sind. Vielleicht wird es wirklich langsam Zeit mir eine Modelleisenbahn zuzulegen. Denn ein weiteres neues Rollenspiel, dass keiner mit mir spielen wird scheint mir nicht die Lösung zu sein.

10 Kommentare zu Winterdepression

  1. Öhm, und welche Spiele sind das alle, die nur du spielst, weder Mainstream noch Indie noch für andere Mitspieler interessant?

    • Infernal_Teddy // März 15, 2016 um 13:27 // Antworten

      Ach, das waren über die Jahre so viele… Mage (alt wie neu), Wraith, Exalted, Eclipse Phase, Trinity, Star Trek. …

      Ich bin vermutlich einfach ständig desyncron zu meinem Hobby. Oder ich jammere auf hohem Niveau.

  2. Grundsätzlich kann ich das nachvollziehen. Für Spiele, die etwas spezieller sind, findet man oft wirklich nur sehr schwer Spieler. Ich habe mal versucht Spieler für “Werewolf: The Forsaken” und “Geist: The Sin-Eater” zu finden. Die Resonanz war quasi nicht existent. Deswegen halte ich deinen Frust auch nicht für Jammern auf hohem Niveau. Wenn man Freude an etwas hat, es aber nie so wird, wie man es sich wünscht, dann ist das schlicht und ergreifend frustrierend.

    Den einzigen Vorschlag den ich machen kann, auch wenn ich nicht weiß, ob du das nicht schon probiert hast, ist überregional nach Spielern zu suchen. Dann spielt man wegen der Anreise wahrscheinlich nur einmal im Monat, hat aber eher die Chance jemanden zu finden.

  3. Den Beitrag kann ich auf ganz vielen Ebenen nachvollziehen.

    Wahrscheinlich sollte ich einen Ähnlichen fertigschreiben.
    Darüber, warum der “deutsche Markt” an mir vorbeiproduziert.
    Warum die Versuche “RuneQuest” und “Beyond the Wall” zu bringen
    seit Jahren der einzige Lichtblick sind.

    Was Indies angeht: Die Schwierigkeiten ein passendes, kampagnen-
    taugliches Spiel zu finden, für eine Gruppe die wenig experimentierfreudig
    ist, ist ein ganz eigenes Problem. (Vielleicht außer man nutzt FATE. Wobei
    ich das – zusammen mit Savage Worlds – auch schon fast unter die Mainstream-
    spiele fassen kann, die mir [ebenfalls] nicht taugen.)

    … ob eine online organisierte Allianz “Other Games”, die Con-Runden jenseits von
    Mainstream und Indie anbietet, ein erster sinnvoller Schritt wäre?

    • “… ob eine online organisierte Allianz „Other Games“, die Con-Runden jenseits von
      Mainstream und Indie anbietet, ein erster sinnvoller Schritt wäre?”

      Ich fürchte leider nicht. Es wird das gleiche Problem geben, wie bei allen Online-Communities: Man muss erstmal eine ausreichende Zahl an Leuten dazu bringen mitzumachen. Bspw. hat “spielerunde.org” ja auch alle möglichen Spiele zur Auswahl, trotzdem hilft müssen sich dafür erstmal genug Leute anmelden, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Und aus meiner Erfahrung ist das Angebot auf Cons auch nicht das Problem, sondern diese Spiele in den Rollenspielalltag zu bringen.

  4. Ich baue mein backlog an coolen Rollenspielen tatsächlich über Conventions ab. Vor allem – tadaa – Eclipse Phase, das ich jetzt seit mindestens 2 Jahren auf Cons hier im Rhein-Neckar-Kreis anbiete. Mit gutem Erfolg, würde ich sagen, auch wenn bisher keine feste EP-Runde bei rumgekommen ist. Vielleicht können wir uns am Gratisrollenspieltag in Mannheim mal unterhalten, falls du vorbeischaust? Am Stammtisch war ich bisher nicht.

  5. Nächste Frage wäre, in welcher Region Du wohnst, dass das Feedback auf Deine Bemühungen so schmal ausfällt.

    • Infernal_Teddy // März 16, 2016 um 07:51 // Antworten

      Das ging mit total lange in Kaiserslautern so, Münster war nicht viel besser. Hier im Rhein-Neckar-Dreieck habe ich ehrlich gesagt noch nicht angefangen zu suchen, sollte das aber dieser Tage in Angriff nehmen.

  6. Hmmm kenn ich irgendwie, Mage, Wraith (und der ganze REst der WoD), Exalted sind alles so Spiele die ich seit Ewigkeiten nicht mmher gespielt habe, einfach weil ich niemenden finde, der sich dafür noch wirklich interessiert. Bei mir kommen dann auch noch so Sachen wie Kult buw Rolemaster etc dazu, aber ich hab’ schon so halb aufgegeben, was das angeht.

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  1. Dem Druck widerstehen | Neue Abenteuer

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