The Tomb of Dreams

Exalted 3rd Edition Schnellstartregeln, besprochen von Infernal Teddy

Ich glaube, ich habe mich über die Jahre immer mal wieder als Liebhaber klassischer Sagenhelden geoutet. Ich bin mit den Sagen um König Arthur aufgewachsen, mit den griechischen Heldensagen und – nachdem wir nach Deutschland gezogen sind – mit den deutschen Heldensagen. Man kann also sage das ich mich dem Konzept der überlebensgroßen Helden verbunden fühle. Erstaunlicherweise gibt es aber jenseits des Superheldengenre nur wenige Rollenspiele welche genau diese Helden bedient. Eines davon, Scion, habe ich bereits vor Jahren beschrieben, ebenso die zweite Edition von Exalted. Und mit Exalted wollen wir uns auch heute wieder beschäftigen, genauer gesagt mit The Tomb of Dreams, dem Schnellstarter der aktuellen dritten Edition.

The Tomb of Dreams gibt es sowohl asl PDF als auch als POD über DrivethruRPG, mir liegt das Heft in der Druckfassung vor. Das Heft ist 58 Seiten lang, und komplett in Farbe. Optisch weiß der Schnellstarter zu gefallen, mit einem offenen, hellen Layout und Artwork das selbst bei normalem Druck sehr gut aussieht. Gleichzeitig ist das Artwork etwas, das mir ein wenig Zahnschmerzen bereitet. Es hat sich zum größten Teil vom „Anime-Styling“ der früheren Editionen wegbewegt, was dem Spiel ganz gut tun dürfte, da es eigentlich nie ein „Anime-Spiel“ war. Anderseits ist dadurch das einheitliche Styling ein wenig verloren gegangen das den vorherigen Editionen eine klare Linie verliehen hat.

Inhaltlich teilt sich The Tomb of Dreams in drei große Abschnitte auf, Regeln, Abenteuer und vorgefertigte Charaktere. Der für mich interessanteste Teil sind die Regeln, von denen Onyx Path in ihrer Beschreibung des Heftes sagt das sie für neue Spieler völlig ausreichen als Einführung in das Spiel, und am Spieltisch auch als Schnellreferenz dienen können. Exalted nutzt auch in seiner dritten Inkarnation eine Variante des Stroyteller-Systems, mit allem was dazu gehört: Würfelpools mit W10, Werte welche bis Fünf gehen, und so weiter. Ähnlich wie die anderen Spiele mit „Storyteller 1.5“ (Trinity, Scion, usw.) arbeitet auch Exalted mit einem festen Zielwert, nämlich 7, so das die Spielleitung über die erforderliche Anzahl Erfolge die Schwierigkeit anpassen kann. Außerdem kann man als Spieler bis zu drei zusätzliche Würfel für seinen Pool bekommen, in dem man seine Handlungen über Beschreibungen weiter ausgestaltet, sogenannte Stunts. Wo sich Exalted 3rd Edition allerdings sehr stark von den anderen Storyteller-Spielen (und den vorherigen Editionen) unterscheidet sind die Kampfregeln. Das neue System arbeitet sehr viel mit der Initiative, welche sich im Laufe eines Kampfes immer wieder nach oben und nach unten bewegen kann. Exalted kennt jetzt zwei verschiedene Arten von Angriffen, withering und decisive. Withering Angriffe machen Schaden, zielen aber darauf hin, die Initiative des Gegeners auf Null zu reduzieren und die eigene Initiative dadurch zu erhöhen. Ein Kämpfer dessen Initiative auf Null gesenkt wurde ist leichter zu treffen kann Schaden schlechter absorbieren, und selbst nur noch eingeschränkt handeln – dies soll den Momenten in Kämpfen und Duellen entsprechen, an denen jemand von einem Angriff seines Gegners völlig aus dem Konzept gebracht wird. Decisive Angriffe dagegen zielen rein darauf Schaden zu machen, und davon viel – sollte das Ziel allerdings eine Hardness haben, welche die Initiative des Angreifers übersteigt wird kein Schaden verursacht, weswegen es natürlich von Vorteil ist, vorher mit withering Attacken agiert zu haben… Das Heft geht auch kurz auf das System für „Social Combat“ ein, ebenso auf die regeln für Charms und Sorcery, allerdings nicht weiter als es für dieses Szenario nötig ist. Da ich vorhabe, mich demnächst auch am Grundregelwerk für die 3. Edition zu setzen, werde ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, zumal sich da auch nicht so viel geändert hat.

Zweiter Teil des Heftes ist dann das eigentliche Abenteuer, The Tomb of Dreams. Das Abenteuer weist direkt zu Anfang darauf hin das üblicherweise die Charaktere bei Exalted sehr unabhängig sind, und das die Handlung meistens von den Spielern vorangetrieben wird, statt der von vielen anderen Spielen her gewohnte Ploteisenbahn der Spielleitung, weswegen das Abenteuer keine lineare Handlung vorgibt, sondern bestimmte Szenen und Locations vorgibt, und es der Spielgruppe überlässt durch ihre Handlungen daraus ein Ganzes zu machen. Im vergangenen ersten Zeitalter band eine Gruppe Solars einen Dämonen, und formten aus ihm eine Art Taschenuniversum, in dessen Inneren sich eine Insel befindet, auf der besagte Solars mächtige Waffen und Schätze versteckten. Der Dämon möchte jetzt nichts mehr, als das ein Zirkel Exalted kommt und die Schätze birgt und ihn befreit. Allerdings gibt es auf dieser Insel auch andere Bewohner, Wesenheiten die sich hier hin verirrt haben. Und der Dämon möchte zwar aus seiner Gefangenschaft befreit werden, möchte aber auch Rache nehmen an den Exalted, welche ihn eingesperrt haben, und da werden die Charaktere dafür hinhalten müssen…

Der letzte Abschnitt des Heftes sind die fünf Beispielcharaktere, mit Hintergrundbeschreibung, Charakterbogen, und allen benötigten charakterspezifischen Regelelementen wie Charms oder Zaubersprüchen – für jene geneigten Leser die Exalted bereits kennen, ja es ist ein Solar von jeder Kaste enthalten.

Fazit:
The Tomb of Dreams ist eine gelungen Einführung in Exalted 3rd Edition. Die Regeleinführung präsentiert den neuen Spieler tatsächlich alles, was er beim Spieleinstieg benötigt um losspielen zu können ohne ständig die Spielleitung zu fragen oder ständig im – wirklich dicken – Regelwerk zu blättern. Als Primer also bestens geeignet. Auch das Abenteuer ist ganz nett, und bietet einen ersten Blick darauf, wie bestimmte wichtige Konzepte des Settings funktionieren, ohne das die Spieler versehentlich den angebotenen Bereich verlassen und potenziell die Spielleitung ohne Erfahrung mit der Spielwelt aus dem Konzept bringen. Allerdings ist das Abenteuer durch seine non-lineare Art nicht unbedingt geeignet für unerfahrene Spielgruppen, aber das trifft wohl auf Exalted im allgemeinen zu. Was mir allerdings ein wenig sauer aufstößt ist das man selbst für die PDF-Fassung des Schnellstarters Geld in die Hand nehmen muss, obwohl solche Produkte traditionell kostenfrei angeboten wurden um neue Spieler zu gewinnen.

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