The Black Company

Dunkle Phantastik

Spätestens seit den großen Erfolgen von Game of Thrones oder der Hexerreihe hat sich das Fantasy Genre deutlich vom Klischee idyllischer Wald und Wiesen Fantasy entfernt. Nicht mehr simple idyllische Heldensagen ohne Grauzonen stehen im Mittelpunkt, sondern deutlich komplexere Charaktere in düsteren Welten. Dass das nicht nur für neuere Fantasywelten gilt, zeigt unter anderem Glen Cooks „Black Company“. Die klassische Romanreihe die Mitte der 80er Jahre begonnen wurde, dreht sich um genau solche uneindeutigen, um nicht zu sagen finsteren Gesellen.

Die Reihe begleitet die titelgebende Schwarze Kompanie durch ihre Abenteuer. Bereits die Formulierung Abenteuer mag dabei in die Irre führen. Zwar könnte man die Erlebnisse der Truppe durchaus mit klassischen Fantasyabenteuern vergleichen, statt auf heroische Queste, führt die Kompanie jedoch schlicht und ergreifend Aufgaben im Interesse ihres jeweiligen Auftraggebers durch. Dadurch haben wir es mit einer Military Fantasy zu tun, die den Fokus auf Kämpfe, Armeealltag und die Dynamik soldatischer Truppen liegt. Hinzu tritt eine gute Portion moralischer Uneindeutigkeit. Die Schwarze Kompanie ist nicht nur eine der ruchlosesten Truppen, deren Kämpfer ähnlich wie die Fremdenlegion aus allerlei Zwielichtigen Gestalten mit dunkler Geschichte besteht, sondern stellt ihre Kampfkraft auch in den Dienst eines jeden Auftraggebers. Zu dieser moralischen Uneindeutigkeit tritt eine dunkle und rücksichtslose Welt. Bereits auf den ersten Seiten wird klar, dass wir es hier eher mit einem finsteren Mittelalter mit einer Handvoll Magie und Monstren zu tun haben, als klinisch sauberer High Fantasy. Wenn Magie funktioniert, dann in Form fordernder Hexerei, die ihren Zauberern einiges abverlangt und im Volk gefürchtet wird. Auch die sonstigen phantastischen Elemente beziehen sich mehr auf einzelne übermächtige Gestalten und Furchteinflößende Gegner, als auf eine freundlich gesinnte Fantasywelt mit Elfen, Zwergen und Orks. Also um es noch einmal hervorzuheben: Die schwarze Kompanie ist finster und allemal als erwachsene Unterhaltungsliteratur gedacht.
Zwar vermeidet es Cook in bildhaften Blut- und Gewaltorgien überzugehen oder uns den Ekel allzu plastisch unter die Nase zu reiben. Grausame Gewalt, Rücksichtslosigkeit, sogar Vergewaltigung und selbstredend Gewalt gegen Zivilisten sind Teil des Buches und werden manchmal erstaunlich einfach als Notwendigkeit des Krieges abgetan. Man mag dies als kritischen Realismus interpretieren, der die Verrohung des Krieges kritisch aufzeigt, während Autoren wie Haldeman ihren Fokus genau darauf legen, haben wir es bei Cook jedoch in erster Linie mit Unterhaltungsliteratur zu tun. Die Schlachten sollen beim Lesen durchaus Spaß machen und der Blick auf die Tristesse des Soldatenalltages wird durch lustige, teils etwas infantile Späße der beiden Hexer aufgelockert.
Zumindest der erste Band Seelenfänger, zieht seinen Reiz weniger durch die spannende Handlung als durch eben diese Stimmung. An jeder Ecke wird deutlich das wir es mit „Erwachsenenfantasy“ zu tun haben, die durch einige Geheimnisse in der Truppe und eine große Politische Handlung spannend gehalten wird. Ursprünglich als eine Sammlung von Kurzgeschichten angelegt, zieht sich ein roter Faden durch die Geschichten, der den Leser interessiert hält und die Charaktere mit der Zeit ans Herz wachsen lässt – zumindest soweit man sich mit etwas anrüchigen Soldaten identifizieren mag. Dass das Konzept aufgeht, zeigt die begeisterte Leserschaft die jede Ankündigung eines neuen Titels gespannt kommentiert. Für deutschsprachige Leser hat der Mantikore Verlag bisher die ersten beiden Bände übersetzt und den dritten in Arbeit. Wie gewohnt gibt es dabei kaum etwas zu beanstanden. Die Übersetzung liest sich flüssig und kann den Flair der Welt gelungen übermitteln. Etwas sperrig machen sich die englischen ‚Telling Names‘ der Charaktere aus, die im englischen Original beibehalten wurden. Unser Blickwinkel, der Annalen-schreibende Arzt „Croaker“ hat seinen englischen Namen ebenso behalten, wie die anderen Charaktere mit ihren bildhafte Rufnamen. So werden wir beispielsweise von „One-eye“ oder „Curly“ begleitet. Hat man sich einmal daran gewöhnt stört das den Lesefluss jedoch keineswegs und entlohnt mit der vielleicht schönsten Black Company Ausgabe. Die Titelbilder entfernen sich angenehm weit von den sonstigen Retro Covern und die Produktionsqualität bei einem vertretbaren Preis weiß wie gewohnt zu überzeugen.

Fazit

Black Company ist vermutlich nicht für jedermann, wer sich jedoch etwas für Dark Fantasy und die Genreklassiker interessiert, sollte sich die Reihe dringend anschauen. Cooks Welt und Blickwinkel sind in der Form einzigartig und führen zu einem ganz eigenen Lesegefühl. Es fühlt sich erfrischend anders an, die Seiten zu wechseln und die Elite-Bodentruppen in einer epischen Fantasyschlacht zu begleiten. Die gut komponierte politische Intrigenhandlung und facettenreiche Charakterzeichnung macht das Buch auch abseits davon lesenswert. Nur wer allzu liebliche Fantasy mag dürfte hier etwas viel Eisen zu beißen haben.

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