Here, there be dragons

Eine andere Welt neben London

Schon wieder ein Mehrteiler… aber dieses Mal nicht nur 3 Bände sondern mehr, gibt es vom Autor James A. Owen. Das Cover ist ein lustig gemachtes Doppelcover, wobei das oberste Blatt nur drei Viertel der Größe des Buches sind, so dass so eine Art Klappe entsteht hinter der man die Indigo Dragon (ein Schiff) sehen kann.

Die Geschichte beginnt mit einem Mord.
Einem Mord in London zur Zeit des ersten Weltkriegs und drei jungen Burschen namens Jack, John und Charles, welche alle eine Verbindung zum Toten haben, wobei nur John ihn wirklich schon real getroffen hat. Von der Polizei zusammen gerufen, kommen die drei ins Haus des Toten und treffen zum ersten Mal aufeinander. Nachdem die Polizei sie entlassen hat gehen sie zusammen noch etwas trinken, jedoch nicht in einem Pub, sondern in einem Charles bekannten Herrenclub in der Bakerstr. 221B. (Ja, ja… wartet’s ab)
Dort werden sie von einem eher ungewöhnlichem Kerl aufgesucht, der John darauf aufmerksam macht, dass dieser nun der Wächter über das Geographica Imaginarium ist – ein Buch in welchem sich Karten zu jeglichen in der Fantasie der Menschen befindlichen Reichen befindet. Diesen Job hatte nämlich der Verstorbene bislang und John gezielt mit Aufgaben auf diesen Job vorbereitet.
Doch zu viel mehr Erklärungen kommt es erst mal nicht, da die Mörder des Professor Sigurdsons nun auf der Suche nach dem neuen Wächter und vor allem dem Buch sind. Glücklicherweise hat der seltsame Kerl ein Schiff am Hafen stehen und so können die drei vor ihren Häschern fliehen und auf die Themse hinaus segeln. Doch schon nach kurzer Zeit sind sie nicht mehr dort, sondern auf dem Weg ins Archipelago, eben jenem Reich das im Atlas beschrieben wird.
Denn dort hat der Winterkönig seine Finger ausgestreckt und überzieht eine Insel nach der anderen mit seinem Schatten – wörtlich. Nun soll John mit seinem beiden neuen Freunden helfen, die ganze Sache in Ordnung zu bringen, denn diese sei verantwortlich für den Krieg in der realen Welt. Doch wo überhaupt anfangen?
Und so beginnt eine irre Reise durch die seltsame Welt des Archipelagos mit Hexen auf Avalon, einem jungen Gehilfen, äußerst mechanisch begabten sprechenden Tieren in Anzügen, einer Insel mit ganz vielen Katzen und einem großen Löwen und noch viel mehr.

Das ganze klingt jetzt erst mal nach einem generischen Fantasie Buch, und ganz grob betrachtet ist es das auch. Aber! Der Autor hat – zumindest in der englischen Fassung, beim Übersetzten ist das vermutlich nicht mehr da –  es geschafft, die Charaktere so zu schreiben, dass man sie beim lesen reden hören kann. Man hat sofort etwas im Ohr, direkt beim ersten Kapitel. Auch die Idee hinter der ganzen Sache, Fantasiewelten alle in einen Bereich zu packen mit einem riesigen Atlas dazu und Wächtern aus unserer Welt über diese ganze Geschichte ist durchaus passabel. Aber leider nicht zu ende gedacht.
Also eigentlich gar nicht gedacht. Zumindest hat man das Gefühl, wenn man auch nur mit ein wenig Verstand an das Buch heran geht. Da hat erst der Autor Mist gebaut und dann der Lektor nicht richtig gelesen. Oder es ist Absicht, dass es einfach völlig unlogisch ist, zwischen drin. Mag ja auch sein, aber macht es nicht besser. Ihr wollt ein Beispiel? Bitte. Am Anfang, wenn die vier „Helden“ vor den Bösen zum Hafen fliehen – und wir reden hier nicht von Männern in schwarz, sondern von gemeinen Werwölfen – unterhalten sie sich geschlagene drei Seiten lang über irgendwelche Hintergründe zu der ganzen Sache, anstatt wie jeder normale Mensch (die sie sind!) völlig damit beschäftigt zu sein, nicht aufgefressen zu werden. In der Regel benötigt man beim Weglaufen die Luft zu eben dem und nicht zum hoch philosophischem diskutieren.
Und das ist nur ein Beispiel auf den ersten paar Seiten. Immer wenn man mein, jetzt hat der Autor es gepackt, jetzt stimmt die Szene mal, hat er sie wieder kaputt. Das ist – weil eben die Sprache so gelungen ist – fast zum verrückt werden.
Der Autor ist nebenbei gesagt nicht nur Schreiber, sondern auch Zeichner und hat für jedes Kapitel eine durchaus gelungene s/w Zeichnung angefertigt, die das Buch ziert.
Ach ja, die Helden sind übrigens nicht einfach nur Leute, sondern bekannte real existierende (bzw. inzwischen verstorbene) Personen, was sich aber erst auf den letzten Seiten offenbart. Wer schon mal raten möchte, hier ein paar Tipps: Sprechende Tiere mit Kleidung, Insel voller Katzen, allen voran ein großer Löwe, eine Pforte, welche sich nur öffnet, wenn man ein Wort das darüber steht in einer anderen Sprache sagt.

Fazit:
Wer eh keine Probleme mit solchen Logikbrüchen hat, wird hier ein wunderbares Buch in die Hand gedrückt bekommen. Wer dabei – wie die Rezensentin – eher Dinge auffressen möchte, bekommt zwar auch ein gutes Buch, hat dann aber zwischen drin einfach Momente, bei denen man es am liebsten irgendwo gegen werfen würde, weil der Rest eben so gut ist.

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