Die Stunde der Helden – Legenden von Nuareth

Ein Roman von Jörg Benne

Der junge Felahar ist zwar eigentlich Gerichtsschreiber, aber die Texte, die er dort schreiben musste, haben ihn schnell gelangweilt, weswegen er seine sieben Sachen gepackt hat um im Norden auf die Jagd nach wirklich guten Geschichten zu gehen und mit diesen dann in Zukunft sein Geld zu verdienen. Doch das Geschichten sammeln und erzählen ist nicht ganz so einfach in den kleinen Dörfern mitten im Nirgendwo und so landet er im kleinen Ort Junaksruh mit wenig Geld. Um seine Börse etwas auf zu füllen erzählt er eine erdachte Geschichte von drei Helden, von denen er in einem anderen Dorf gehört hat. Besagte Helden hören die Geschichte jedoch mit an und sind zunächst etwas irritiert ob des darin vorkommenden Drachen, an den sie sich nicht wirklich erinnern. Fela ergreift jedoch die Gelegenheit beim Schopf und erbittet sich die Gelegenheit die Helden begleiten zu dürfen um dann über echte Heldentaten erzählen zu können. Widerwillig stimmen die drei zu und nehmen ihn mit ins benachbarte Dorf, von dem sie angeheuert wurden ein Rudel Wolfsmenschen zu beseitigen. Nachdem das erledigt ist, darf Fela sogar beim daran anschließenden Auftrag dabei sein. Nämlich einen Händler zu begleiten, und Räuber ab zu halten. Doch schnell wünscht sich Fela dem doch nicht zugestimmt zu haben, denn erst werden sie tatsächlich des nächtens überfallen und dann wird er am Zielort auch noch beim Marktbesuch überfallen und sieht einer unter Umständen kurzen ungewissen Zukunft entgegen. Jetzt muss Fela zeigen, ob er nicht auch zum Helden und nicht nur zum Heldenmacher taugt.

Erfrischend anders als viele übliche Fantasyromane ist die Welt in diesem hier – Nuareth genannt – dreckig, schmutzig und oft sogar widerwärtig. Von strahlendem Heldentum, dem weißen Ritter, der die Jungfrau vor Drachen rettet, fehlt jede Spur. Ja die allerorts bekannten Helden sind selbst eher Söldner, die für ein bisschen Geld, Ratten aus Kellern beseitigen oder Wolfsmenschen erschlagen. Dadurch, dass die ganze Geschichte aus Felas Sicht geschildert wird, ist dem Leser auch schnell klar, dass zumindest in Felas Heimatstadt in gewissen Kreisen eine sehr verklärte Vorstellung von Helden vorherrscht. Zusammen mit dem Leser wird hier also Fela darüber aufgeklärt, was wirklicher Heldentum bedeutet. Und dabei lässt der Autor Fela auch eher selten wirklich seinen Mann stehen – was ebenfalls ungewöhnlich für eine solche Geschichte ist, in der doch in der Regel der kleine Junge hinterher König Artus ist oder sowas. Dennoch schlägt sich Fela durch alle Widrigkeiten und ist somit wirklich genau das, was er auch innerhalb der Geschichte ist. Ein Reporter, aber eben einer an vorderster Front. Die auftretenden Charaktere sind, entsprechend der Wahrnehmung von Fela, oft erstmals alles andere als sympathisch, auch wenn Fela diesen Eindruck bei manchen nach und nach korrigiert und so auch der Leser mit den Helden mitfühlen kann.
Vom Land selbst bekommt der Leser immer nur Eindrücke – bedingt durch die Erzählperspektive wird nicht erklärt wo genau was liegt und wie weit Fela etwa von seiner Stadt entfernt ist. Weiteres über den Inhalt und die Geschichte soll hier auch gar nicht verraten werden – denn auch wenn die Richtung und Handlung in einigen Punkten vorhersehbar ist, ist der Weg dazwischen und auch das Ende doch unklar, und vielleicht für den einen oder anderen auch überraschend.
Wer mehr über Nuareth wissen möchte, kann das auf der Webpage tun und erfährt dann, dass es sich eigentlich um ein Browserspiel handelt. Der dritte Punkt der diesen Roman eher ungewöhnlich macht. Spielromane kennt man ja inzwischen, aber für Browsergames, noch dazu welche, die noch in der Beta stecken, erscheint so etwas eher selten. Auf der Seite findet man aber auch eine Karte – eine Schande eigentlich, dass diese es nicht in den Roman geschafft hat, und dass es weitere Bücher aus diesem Land gibt, allerdings nicht von Manticore – welche hier mal wieder bewiesen haben, dass sie das haptische und optische eines Buches wunderbar aufwerten können.

Fazit
Ein etwas anderer Roman, der nichts mit den leuchtend, strahlenden Heldengeschichten, die sonst oft im Fantasygenre üblich sind gemein hat und eher mit brutalem Mord, Raub und Überfällen eine sehr grausame Welt zeigt, in der wahre Helden zwar gebraucht werden, aber doch in der Regel auch Realisten sind, die von irgend etwas leben müssen. Wer also mal die andere Seite der Medaille erleben möchte, eine Geschichte wie sie doch realistischer erscheint, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

Wer den Stil des Autors mal testen möchte kann das hier tun. Das ganze ist eine kurze Novelle zur ersten Trilogie, welche in Nuareth spielt.

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