Den Pfad verloren

Infernal Teddy und Pathfinder-Ermüdung

Am Samstag hat meine Pathfinder-Gruppe den zweiten Teil von Rise of the Runelords abgeschlossen, der wohl bekanntesten Kampagne für das Pathfinder RPG. Sie haben sich außerdem dafür entschieden eine Pause einzulegen und lieber einen One- bzw. Two-Shot mit einem anderen Spiel und Setting einzulegen.

I’m Infernal Teddy, and I’ve had enough of Pathfinder.

Ich spiele bzw. leite das d20-System im Prinzip seid dem Erscheinen des D&D 3 Player’s Guide, mit kurzen Unterbrechungen, aber erst seid ich für diese Gruppe leite ist mir aufgefallen, wie sehr mich das System mittlerweile runterzieht, und ich glaube, beide Gründe dafür sind Systemimmanent. Der erste Grund dafür ist System Mastery. Monte Cook, einer der drei Entwickler des d20-Systems, hat in Interviews immer wieder gesagt, das eines der Ziele des Teams es war, jene Spieler zu belohnen, welche sich intensiver mit dem System beschäftigen. Die Folge davon ist allerdings auch, das man sich als Spielleiter ständig und immer und immer wieder mit dem System beschäftigen muss, auch wenn man gerade nicht spielt, weil man sonst zu viele Kleinigkeiten und Details vergisst. Man ist sehr schnell an dem Punkt an dem man bei Kämpfen mehr Zeit damit verbringt, Dinge nach zuschlagen, statt tatsächlich zu spielen. Das war für mich „back in the day“ nicht so auffällig, weil ich für ein paar Jahre fast ausschließlich d20 gespielt bzw. geleitet habe, aber heute spiele ich nur noch selten d20 (bzw. Pathfinder), und mir wird es immer deutlicher. Das zweite Problem ist die Fülle an Material und Optionen, welche das System mitbringt – und das bereits im Grundregelwerk. Meine Gruppe hat sich bereits auf das Grundregelwerk und den Advanced Players Guide beschränkt, und mir fällt es zunehmend schwerer, den Überblick zu behalten.

Zugegeben, mit der Einschränkung der Bücher auf Spielerseite habe ich beide Probleme etwas erleichtert, aber auf meiner Seite des Schirms wird es dadurch nicht unbedingt besser. Aus Spielersicht ist das Spiel noch vergleichsweise einfach – man fängt mit einem einfachen Charakter an, und je weiter der Charakter aufsteigt desto mehr nimmt die Komplexität zu. Allerdings steigt diese Komplexität vergleichsweise gemächlich, ganz im Gegensatz dazu wie es auf der Seite des Spielleiters aussieht. Wie gesagt, da sieht alles anders aus wenn man regelmäßig und viel Pathfinder bzw. d20 spielt, aber aus meiner Sicht ist es so, das ich mich in jeder Begegnung durch Statblocks durchkämpfen muss, bei denen ich mir Feats und Spells in Erinnerung rufen muss, oder die ich nachschlagen muss. Mir wird es einfach zu viel. Pathfinder ist eh schon am Rande dessen, was ich an Komplexität bereit bin zu ertragen. Addiert man dazu, das ich einfach keine Lust habe, mich ständig mit dem Spiel zu beschäftigen, egal ob ich diese Woche leite oder nicht, und schon wird es klar das Pathfinder nicht mehr das Spiel ist, das ich spielen bzw. leiten möchte.

Da passt es ganz gut das meine Spieler sich – ohne mein Zutun – dafür ausgesprochen haben, erstmal was anderes zu spielen. Ab Februar spielen wir ein Kurzabenteuer für Hunter: the Vigil. Das kann ich wenigstens leiten, ohne Hausaufgaben machen zu müssen.

3 Kommentare zu Den Pfad verloren

  1. „I’m Infernal Teddy, and I’ve had enough of Pathfinder.“

    Ich mag falsche liegen, aber ich bin der Meinung, dass dies Deine Meinung zu Pathfinder seit ca. Ende 2015 ist?

  2. Ich hatte eine Phase von knapp 2 Jahren in denen ich gar nicht Rollenspiele gespielt habe. Als ich dann wieder einsteigen wollte, natürlich wieder mit Pathfinder, dass ich vorher über Jahre gespielt hatte, hatte ich genau die gleichen Erkenntnisse wie InfernalTeddy. Irgendwie konnte ich mich einfach nicht zum erneuten Studium der ganzen Regeln, und vor allem der ganzen neuen Optionen die es mittlerweile gab, bewegen.
    Schade daran ist, dass Paizo einfach immer extrem gute Produkte abliefern und die jetzt völlig an mir vorbei gehen. Auch Starfinder werde ich nicht anrühren. Ist schon schade…

  3. Mir geht es gerade sehr ähnlich. Nach einer 10-jährigen Rollenspiel-Pause bin ich bei meiner Rückkehr von Pathfinder geflasht worden. Ganz schnell zwei Runden damals gestartet, Runenherrscher und Legacy of Fire. Letztere meistere ich noch, erstere ist nicht mehr aktiv. Trotz des fertigen Abenteuerpfads muss ich als GM so viel Zeit in Vorbereitung stecken. Ich habe nicht immer Lust, mich 8 Stunden hinzusetzen, und mir Notizen zu machen, was denn die Gegner so alles drauf haben, und dabei nicht aus den Augen zu verlieren, was die PCs mittlerweile können.

    Als Alternative möchte ich bald mal ins neue D&D reinschnuppern, und ansonsten leite ich noch eine Numenera-Runde, die so entspannt ist. Da reichen mir die groben Umrisse eines Abenteuers, und improvisiere einfach eine Menge, ohne von einem Wust an Optionen erschlagen zu werden.

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