Das Haus des Hirschs

Ein Fantasyroman von Kage Baker

Wir haben an dieser Stelle bereits zwei Romane der 2010 viel zu früh verstorbenen Kage Baker besprochen, Die Frauen von Nell Gwynne’s (Eine Steampunk-Spionage-Novelle) und Der Amboss der Welt (Eine Steamfantasy-Geschichte). Heute dreht sich unsere Besprechung um Das Haus des Hirschs, ein reiner Fantasyroman aus dem Hause Feder & Schwert, welches im gewissen Sinne eine Vorgeschichte zu Der Amboss der Welt darstellt.

Von der Aufmachung her entspricht Das Haus des Hirschs den meisten Romanen von Feder & Schwert, so das man mittlerweile nicht viele Worte dazu verlieren muss. Mit 536 Seiten ist es der bisher umfangreichste Roman der bei F&S von Frau Baker erschienen ist.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der erzählt wird als wäre es eine Legende aus frühster Zeit. In dieser Geschichte geht es um ein einsames Tal in dem ein Menschenvolk friedlich lebt welches keine Gewalt kennt, bis ein Volk von Sklavennehmern ins Tal eindringt und beginnt dieses Volk, die Yendri, zu versklaven. Doch dann taucht ein Mann unter den Yendri auf, den man „den Stern“ nennt und ihnen eine neue Religion und eine Art Magie bringt, gleichzeitig aber Gewaltlosigkeit predigt. Zwei Brüder entdeckten diesen Stern, aber ihre Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich. Ranwyr versucht sich die Lehren des Sterns anzueignen und dessen Weg zu folgen, während sein Adoptivbruder Gard (Welcher wie wir später im Roman erfahren ein Dämonenkind ist) so wütend ist er Wege sucht gegen die Sklavenhalter zurück zu schlagen. Dabei geht er so gewalttätig vor das er von den Yendri verstoßen wird und unter ihnen zu einer Figur des Bösen wird. Die eigentliche Geschichte beginnt scheinbar nur wenige Tage später, nachdem Gard auf den Hängen eines Berges von einem Volk von Zauberern gefangen genommen wird und zunächst als Gladiator zur Unterhaltung dient, dabei aber immer weiter in der Gunst seiner Meister aufsteigt und Zugang zu immer mehr Geheimnissen erlangt. Doch eines Tages gelingt ihm seine Befreiung und die Befreiung der meisten gebundenen Dämonen, und er beginnt seinen Aufstieg zu einer mächtigen und gefürchteten Person.
Zur gleichen Zeit ist ein geheimnisvolles Heiliges Kind von den Yendri gefunden worden, welche sich auf Wanderschaft befinden, auf der Flucht vor den Sklavenhaltern. Das Kind, ein kleines Mädchen, wird zum Nachfolger des Sterns und spiritueller Führer der Yendri bis sie endlich ein neues Zuhause finden. Dabei kämpft das Kind gegen die sich bildende Priesterschaft welche die Botschaft des Sterns für sich in Anspruch nimmt, gegen die Huldigung durch ihr Volk welche droht ihr die Menschlichkeit zu nehmen und aus ihr ein Symbol zu machen, und gegen ihre eigene Einsamkeit. Die ganze Situation spitzt sich nach Jahren zu als die Yendri wieder auf andere Menschenvölker treffen – und auf Gard, den Bösen ihrer Vergangenheit. Doch das Kind muss feststellen das dieser nicht das ist, was man ihr immer in Geschichten erzählt hat, und auch die Yendri müssen seine Rolle überdenken. Bevor es allerdings dazu kommen kann wird Gard von seiner eigenen Geschichte eingeholt.

Fazit:
Davon das Das Haus des Hirschs zu Der Amboss der Welt gehört merkt man im Text des Romans ehrlich gesagt nicht viel – die Geschichte ist eine wundervolle, in sich abgeschlossene Fantasygeschichte die an Pierce Anthony denken lässt, oder an die Geschichten der Flachen Erde von Tanith Lee. Die Geschichte ist spannend erzählt, hat gleichzeitig einen subtilen Sinn für Humor, und bietet sympathische und glaubwürdige Hauptfiguren. Wer moderne Fantasy sucht jenseits vom EDO-Schema in einer interessanten – wenn auch nur oberflächlich skizzierten – Welt, ist hier gut aufgehoben. Die Übersetzung ist gut und fängt den Humor der Autorin gut ein. Eine definitive Kaufempfehlung.

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