Herr der Zeit

Eine Zeitreise in die Zukunft

Joe Haldeman. Einige werden vielleicht seine anderen Bücher kennen, besonders das Erstlingswerk des Autors namens „Der ewige Krieg“. Dies hier ist nun ein neuer Roman vom Autor (zumindest für den deutschen Markt, die englische Originalausgabe ist von 07) im Manticore Verlag, welcher auch weitere Bücher angekündigt hat.

Der Roman erzählt die Geschichte des Physik-Studienabbrechers Matt Fuller, welcher im Jahre 2050 am MIT in Cambridge einen Aushilfsjob hat und eigentlich bloß eine kleine Maschine bauen sollte um eine bestimmte Sache zu messen. Doch diese Maschine kann noch etwas mehr, als diese Messung. Sie ist nämlich in der Lage in der Zeit zu reisen. Zumindest für eine bestimmte Dauer. Diese nimmt jedoch logarithmisch zu. So ist die erste Reise nur wenige Augenblicke und führt zunächst dazu, dass sein Professor ihn für überarbeitet hält, da er ein Gerät verschwinden sieht. Die nächste Reise dauert jedoch – Matt hat das Gerät mit nach Hause genommen – schon wenige Minuten und so ist er sich sicher, dass es sich um eine Zeitmaschine handelt. Nach einem weiteren Versuch mit einer kleinen Schildkröte, die davon recht unbeeindruckt zurückkehrt, und der Tatsache, dass ein jüngerer Student nicht nur seine Freundin, sondern nun auch noch seinen Job gestohlen hat, macht sich Matt im Auto seines Drogendealers (gelegentlich bei ihm etwas gekauft – würde er es nennen) auf um ein paar Monate in die Zukunft zu reisen. Dort ist jedoch nicht alles wunderbar und so springt er weiter, dieses Mal 15 Jahre und muss mit ansehen, wie sein Professor von damals, dem er in der Zwischenzeit Aufzeichnungen zu seinen Untersuchungen des Geräts gegeben hatte, einen Nobelpreis eingeheimst hat und die Welt eigentlich immer noch nicht so rosig aussieht – wenngleich er hier eine Berühmtheit ist. Nach dem zusätzliche Problemen auftauchen wagt er einen weiteren Sprung, der ihn fast 200 Jahre in die Zukunft führt. Doch auch dort ist alles ganz anders als er dachte. Und so beginnt er sich weiter in dieser seltsamen Flucht fort zu bewegen auf der Suche nach einem Ort an dem er zufrieden sein kann.

Der Roman hat einen sehr unverwechselbaren Stil in der Übersetzung und vermutlich auch im Original. Die Sätze sind alle relativ kurz gehalten und vermitteln in der Regel nur die unmittelbare, unausgeschmückte Information. Möglicherweise liegt dies am Hintergrund des Autors, welcher selber Physiker und Astronom ist und am MIT unterrichtet. Die Wissenschaftssprache kommt ja ebenso ohne Zusätze aus. Durch diesen Stil jedoch wird der Leser direkt in die Geschichte mit genommen und von einem Kapitel ins nächste gezogen. Die beschriebenen Zukunftsversionen unterscheiden sich allerdings nicht sonderlich von unserer heute, wobei jedoch in einem Fall sogar begründet wird, warum dies so ist und warum auch alle noch immer amerikanisches englisch sprechen obwohl viele viele Jahre vergangen sind.
Dabei geht es grundsätzlich in der Geschichte natürlich um die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und eine etwas ungewöhnliche Methode diesen zu finden. Gestreift werden dabei jedoch auch Religion und der extreme Umgang mit dieser, sowie die Folgen von Technik, die nicht immer nur positiv sein müssen.
Für den Leser werden die meisten „Rätsel“ aufgeklärt, bis auf die Tatsache, dass die Maschine ohne Matt immer zurück in ihre angestammte Zeit kehrte, mit Matt jedoch nicht weiter auf diese Möglichkeit der Rückkehr eingegangen wird.
Im Anhang des Buches befindet sich neben einem Interview mit dem Autor über ganz verschiedene Dinge auch ein kurzer Text zum Buch in dem er mehr oder weniger darüber amüsiert ist, dass seine groben Überlegungen zum physikalischen Hintergrund der Zeitmaschine tatsächlich so sein könnten, wie die Autoren eines neuen Papers es meinen inzwischen herausgefunden zu haben. Das Lektorat – immer ein Thema bei kleinen Verlagen – ist bis auf ein paar wenige Stellen (das Kapitel 21 gibt es zweimal, einige Buchstaben sind zu viel bzw. falsch) vollkommen in Ordnung.

Fazit:
Ein definitiv lesenwerter Roman mit leider einem sehr hässlichen Cover, was dem Buch absolut nicht gerecht wird und hoffentlich keinen Zufallsleser davon abhalten wird, dieses zu kaufen. Wer auch nur irgendwie was mit Sci Fi anfangen kann, sollte auf jeden Fall einen Blick in das Buch werfen. Mehr braucht es vermutlich nicht um es dann auch zu kaufen.

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