Warhammer Quest

iPlay 7

Die Warhammer Welt war auf Mobilgeräten bisher eher kärglich vertreten. Mit Warhammer Quest ist nun vor einiger Zeit die erste Umsetzung eines Warhammerspiels für iOS und Android-Geräte erschienen.

Spielablauf

Warhammer Quest ist ein klassischer Dungeoncrawler mit einem soliden aber leider wenig innovativen Spielprinzip. Im Grunde führen wir vier Helden rundenbasiert durch einen Dungeon an dessen Ende ein Boss und eine Belohnung warten. Mechanisch geschieht dies so das wir uns je Held eine gewisse Felderzahl vorwärtsbewegen können und dann eine gewisse Anzahl an Nah- und Fernkampfattacken durchführen können. Haben wir mit einem Helden einmal angegriffen darf dieser sich auch bei übergebliebenen Bewegungspunkten nicht mehr bewegen, so dass ein Großteil der Taktik darin besteht eine Position zu finden an der alle Attacken eingesetzt werden können. Die genaue Mechanik wird im sehr schönen Journal grob erklärt, wobei ich leider die Brettspielvorlage nicht kenne. Das System sollte aber eng am üblichen Warhammersystem orientiert sein und erntet bei Kennern der Vorlage großes Lob.

Da es sich bei Warhammer Quest um einen Dungeoncrawler handelt liegt der hauptsächliche Reiz im Sammeln und Ausrüsten von Gegenständen und der Charakterentwicklung. Ersteres ist recht gut, wenn auch etwas ungewohnt umgesetzt. Jeder Kill gibt uns etwas Gold und jede besiegte Welle einen simplen Gegenstand. Am Ende eines Dungeons erhalten wir dann einen mächtigen Gegenstand, den wir im Gegensatz zu anderen Spielen bereits vorher kennen. So haben wir die Möglichkeit bei der Auswahl der Dungeons (es gibt meist die Wahl zwischen drei Dungeons) darauf zu achten welchen Helden wir unterstützen müssen. Dies ist auch wichtig, da die meisten Gegenstände an eine Charakterklasse gekoppelt sind und daher wenig Möglichkeit zum Austauschen besteht. Anfang und Ende des Dungeons werden durch langatmige Textboxen beschrieben die auch manchmal im Dungeon oder einer Stadt zum Einsatz kommen und (negative) Spieleffekte auslösen können, also Fallen, (wiederkehrende) Begegnungen oder Besonderheiten des Dungeons beschreiben.

Nach einem solchen Dungeon geht es in eine anliegende Stadt nach Wahl, die nicht nur die möglichen nächsten Questen bestimmt, sondern auch einen Marktplatz zum Handeln und die Möglichkeit des Stufenanstiegs bereithält. Beides ist funktional aber ebenfalls wenig innovativ. Das Marktangebot ist recht beschränkt und der Stufenanstieg – der ebenfalls Gold kostet – generiert eine automatische Steigerung auf die wir keinen Einfluss haben. Dadurch fehlt sowohl eine Charaktererschaffung als auch eine eigene Steigerung die über die (beschränkte) Auswahl der Ausrüstung hinausgeht

Auch das Inventarsystem ist ungewohnt. Die gesamte Gruppe verfügt über ein angenehm großes Gruppeninventar, und jeder Charakter über 12 weitere Slots an Gegenständen die er aktiv nutzen kann. Nicht nur die verwirrende Mechanik, dass das Inventar nur durch kippen des Geräts geöffnet werden kann (es fehlt ein Knopf, so dass man mit aktivierter Kippsperre gar nicht in das Inventar kommt…) auch sind diese Slots nach Seltenheitsgraden der Gegenstände sortiert. Jeder Held kann also 4 gewöhnliche, 4 außergewöhnliche und 4 seltene Gegenstände tragen, zumindest wenn so gewährleistet ist, dass er nur eine Rüstung, nur einen Helm etc. trägt. Dies führt zu ziemlich absurden Ausrüstungsentscheidungen die keinerlei Bezug zur Spielwelt haben, da die Seltenheit der Gegenstände mit zur Entscheidungsgrundlage gehört.

Optik und Technik

Die grafische Umsetzung des Spiels ist gelungen, wenn auch nicht umwerfend. Das eigentliche Spiel findet in wenig abwechslungsreichen Dungeons statt die zwar schön gezeichnet sind, sich aber oft wiederholen. Überzeugender sind die Charakter- und Gegnermodelle die in 3D daherkommen und nah an den Zinn bzw. Plastikmodellen orientiert sind. Es ist durchaus ein gutes Gefühl die Tabletopfiguren animiert auf dem Tablet zu sehen, zumal der Warhammerstil zwar Geschmacksache ist aber strengen Richtlinien unterliegt damit er in allen Produkten konsequent umgesetzt wird. Auch in den Menüs und Landkarten kann das Spiel überzeugen. So wird beispielsweise der Besuch jeder Stadt durch das öffnen eines Buches eingeleitet auf dessen Seiten dann ein abstrahiertes Modell der Stadt entsteht.

Leider muss man optisch trotzdem einige Abstriche machen. Die 3D-Modelle kommen kaum zur Geltung da sie den größten Teil der Zeit unbeweglich an Ort und Stelle stehen und aus einer etwas unvorteilhaften Vogelperspektive betrachtet werden. Hinzu kommt wenig Abwechslungsreichtum bei Freund und Feind, so dass man nach wenigen Dungeons alle Gegnertypen gesehen haben sollte und die Dungeons so – verstärkt durch die immer gleichen Raumillustrationen – wirklich austauschbar wirken.

Technisch ist das Spiel auch nicht ganz optimal umgesetzt. Auf älteren Geräten wirkt das Spiel schlecht skaliert und ruckelt etwas. Auch ist die Möglichkeit die Ansicht zu drehen eher verwirrend als nützlich. Positiv ist jedoch hervorzuheben, dass es über iCloud – Synchronisation verfügt so das man das Spiel auf verschiedenen Geräten nutzen kann und der Fortschritt extern gesichert wird.

Cashcow (?)

Natürlich würde man Games Workshop nicht GW abkürzen, wenn sie nicht versuchen würden aus jedem Produkt möglichst dreist Geld zu schlagen. Dies gilt auch hier. Das Spiel selber ist mit etwa 5€ der Preis für eine etwas teurere vollwertige App. In der Regel bekommt man dafür eine umfassende App mit geringen Zusatzkäufen, was ich grundsätzlich akzeptabel finde. Ich bin durchaus bereit für zusätzlichen Inhalt Geld auszugeben wenn mich ein Spiel überzeugt, GW musste es aber übertreiben….

Für einen einzelnen neuen Abenteurer schlagen so happige 2,69€ zu Buche. Da es gleich 7 dieser neuen Charaktere gibt und es wahrscheinlich ist das man immer wieder (gute) Gegenstände im Spiel findet die man nur mit diesen zusätzlichen Charakteren nutzen kann wird einem damit eine Investition von insgesamt etwa 20€ deutlich nahe gelegt. Damit nicht genug kann man für 4,49€ zwei neue Regions- und Feindespacks kaufen. Die scheinen mir noch am vertretbarsten, da damit neue Dungeonillustrationen und Gegnerbündel mitgeliefert werden. Wer noch nicht genug hat kann dann noch 3 neue Dungeonpacks kaufen deren Umfang nicht ganz klar erklärt wird die aber mit je 2,69€ auch wieder in den Geldbeutel schlagen. Und da auch das nicht genug ist gibt es sogar noch eine Pay-To-Win Mechanik. Natürlich können wir in-Game Gold mit Echtgeld kaufen was sich bei den happigen Händlerpreisen in den Stadtmarktplätzen auch empfiehlt und dann dürfen wir sogar 5 legendäre Waffen für je (!) 89Cent erwerben…

Fairerweise muss zumindest angemerkt werden dass das Grundspiel bereits viel Inhalt mit sich bringt und auch für sich stehen kann, wenn man bereit ist einen Großteil der gefundenen Ausrüstung wieder zu verkaufen… Wer das ganze Spiel haben will, darf etwa 40€ in die Hand nehmen, was mir in dieser Dimension noch nicht untergekommen ist.

Fazit

Wenn das Spiel im Zuge einer Aktion reduziert ist kann man durchaus zuschlagen. Mit Warhammer Quest kann man auch ohne Zusatzcontent einige Abende verbringen, die sicher 1-2€ Wert sind und für die auch die fast 5€ vertretbar sind, wenngleich es für den gleichen Preis weitaus bessere Produkte gibt. Leider ist das Spielprinzip selber nicht sonderlich innovativ und lebt das Spiel vom Sammelfaktor der in dem Fall tendenziell in Richtung Zusatzkauf steuert. Daher kann ich das Spiel nur beschränkt empfehlen. Es ist ein solider Dungeoncrawler der sich etwas langsam spielt, schnell langweilt und zusätzlich an den Geldbeutel will…

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