Vampire: the Dark Ages 20th Anniversary Edition, Teil II

Eine Besprechung aus der Welt der Dunkelheit, von Infernal Teddy

Und da sind wir wieder auf unserer Reise zurück in das finstere, finstere Mittelalter der Welt der Dunkelheit. Wir hatten zuletzt schon über die Jubiläumsausgabe von Vampire: the Dark Ages gesprochen, und hatten uns über den allgemeinen Hintergrund, den Clans und den Blutlinien unterhalten. Heute setzen wir die Besprechung fort, beginnend mit den Pfaden der Erleuchtung, oder wie man sie in Dark Ages nennt, den Viae…

“The blood is the life!”
-Bram Stoker, Dracula

Kapitel drei beschäftigt sich, wie oben schon erwähnt, mit den Philosophien, welche in der Gegenwart als die Pfade der Erleuchtung bezeichnet werden, und macht hier etwas ganz… ich will es als etwas ganz cleveres beschreiben. Das ursprüngliche Vampire: the Dark Ages hatte eine große Zahl an Viae, an Pfaden, welche alle sehr spezifisch waren, und im Laufe der Reihe immer wieder um weitere Pfade ergänzt wurden. Dark Ages: Vampire dagegen hatte eine kleinere Anzahl an Pfaden, welche aber dafür breiter aufgestellt worden waren. DA20 kombiniert beide Ansätze, und ändert dabei ein wenig die Terminologie. Es gibt nach wie vor die breiteren „Straßen“ der Erleuchtung, wie Via Humanitas (Road of Humanity), Via Regalis (Road of Kings) oder Via Peccati (Road of Sin). Allerdings gibt es innerhalb dieser Roads noch einzelne Pfade, Varianten, welche sich auf bestimmte Aspekte konzentrieren, wie Path of Illumination (Via Humanitas), Path of Chivalry (Via Regalis) oder Path of Pleasure (Via Peccati). Sollte ein Charakter einem Pfad folgen muss er weitere moralische Einschränkungen hinnehmen, und bei manchen Pfaden werden auch einige der Sünden gegen andere ausgetauscht. Insgesamt scheinen alle Pfade und Viae enthalten zu sein, welche in vorherigen Veröffentlichungen enthalten waren.

Kapitel Vier bewegt sich dann wieder auf bekanntem Terrain, mit der Beschreibung der Charaktererschaffung. Hier gibt es keine Überraschungen gegenüber bekannten Versionen von Vampire. Ebenfalls hier enthalten sind die Beschreibungen der verschiedenen Attribute und Fertigkeiten. Hier gibt es eigentlich keine großen Überraschungen, außer das Sprachen wie in allen anderen Titeln der Twentieth Anniversary-Reihe auch als Vorteil deklariert worden sind (Etwas, das ich nach wie vor für eine merkwürdige Entscheidung halte, aber gut, mich hat keiner gefragt…).

Nach der Charaktererschaffung kommt dann die große Sammlung der Diszipline, der „Gifts of the Blood“. Ohne mich jetzt mit allen Büchern hinzusetzen, in denen diese Kräfte bisher abgedruckt worden sind fällt es mir schwer zu vergleichen in wie fern sich die verschiedenen Kräfte genau unterscheiden, aber zumindest auf dem ersten Blick gibt es kaum Unterscheide zur V20 – leider betrifft das auch Celerity, wo mir die teurere Dark Ages-Version von der Spielblanace besser gefallen hatte, anderseits ist Celerity generell etwas entschärft worden. Quietus, die Clansdisziplin der Assamiten besteht jetzt aus zwei „Pfaden“, und die Salubri-Disziplin Valeren hat jetzt drei Ausrichtungen (Den drei Linien des Clans entsprechend). Unter der Blutmagie finden wir jetzt vier Diszipline: Neben Thaumaturgie und Nekromantie gibt es jetzt Abyss Mysticism (Eine Kunst, welche hauptsächlich von den Lasombra ausgeübt wird), und Koldunische Hexerei. Bis auf Abyss Mysticism hat jede Spielart der Blutmagie verschiedene Pfade, und bei den verschiedenen Clans und Blutlinien steht oft dabei, welche ihnen zur Verfügung stehen – oder auch nicht. Abgerundet wird das Kapitel durch eine kleine Auswahl an Kombi-Diszipline.

Kapitel Sechs und Sieben überspringe ich an dieser Stelle, ich denke die Regeln von Vampire dürften den allermeisten Lesern dieses Artikels geläufig sein, und auch das Kapitel über das Leiten von DA20 können wir getrost überspringen – interessant zu erwähnen wäre hier höchstens das wir Regeln für Wahrer Glaube erhalten, und eine Auswahl an fertigen NSCs und Bedrohungen erhalten. Kapitel Neun bietet eine sehr, sehr grobe Übersicht über Europa im Jahre 1242, mit einem Schwerpunkt auf die Staaten Italiens, mit einem kurzem Blick über das restliche Europa und den Teilen Asiens, welche daran angrenzen – schließlich stehen die Mongolen fast schon an der Haustür. Das Kapitel ist ganz nett, und als erster Überblick sollte es ausreichen, aber ich würde jedem, der vorhat in dieser Zeit zu leiten, sich sein Geschichtsbuch aus der Schule nochmal vorzunehmen – für die meisten Gruppen sollte das problemlos ausreichen.

Damit wären wir durch die regulären Kapiteln durch, und sind bei den beiden Anhängen angekommen. Anhang A präsentiert Vor- und Nachteile, welche nach Rücksprache mit dem Spielleiter bei der Charaktererschaffung gewählt werden können. Viel gibt es hier nicht dazu zu sagen, man kennt das ja alles schon von anderen Spielen der Welt der Dunkelheit, und wer was vermisst hat wahrscheinlich auch das Buch zur Hand in dem sein Vor- bzw. Nachteil abgedruckt wurde. An der einen oder anderen Stelle wurden die Kosten noch geändert, aber sonst ist das hier Altbekanntes. Interessanter ist da Anhang B, „Apocrypha of the Clans“. Hier werden zusätzliche Optionen und Geheimnisse der Clans präsentiert, welche mit Zustimmung des Spielleiters zur Verfügung stehen. So bekommen wir hier die Via Sanguinus des Assamiten – und die Hexer und Krieger mit ihren Disziplinen, oder Dokumente der Brujah über den Fall von Kathargo. Die Ghulfamilien der Tzimisce sind hier ebenfalls vorhanden, wie auch die Road of Set oder auch wichtige Mitspieler unter den Giovani. Nicht jeder Clan bekommt eigene Regeloptonen, aber zu jedem gibt es hier eine Kleinigkeit. Das Buch schließt mit der Liste der Backer, dem Index, und dem vierseitigem Charakterbogen.

Fazit:
Ähnlich wie die 20th Anniversary Editions zu Vampire: the Masquerade und Mage: the Ascension ist auch Vampire: the Dark Ages ein großes, solides Buch für die Liebhaber des Spiels, mit möglichst viel Material zwischen den Buchdeckeln. Und wie auch die V20 schafft es DA20, alles wirklich wichtige zum Spiel in einem Band unterzubringen. Gleichzeitig ist es aber nicht einfach ein bloßes Sammelprodukt, sondern setzt ähnlich wie die M20 den alten Metalot fort – und erfindet sogar neues Material dazu.

In meinen Augen ist DA20 definitv ein sehr gutes Produkt, welches die gesetzten Ziele mit Bravour erreicht, und gleichzeitig dem bekannten Spiel Neuerungen bietet, wie man es eher von einer traditionellen neuen Edition erwarten würde, statt einem solchen „Liebhaberprojekt“. Ich kann das Buch jedem nur wärmstens empfehlen, der sich für das Thema „Blutsauger im Mittelalter“ interessiert, egal ob er jetzt wie ich ein Dark Ages-Fan der ersten Stunde ist, oder ob er erst mit der V20 zur Welt der Dunkelheit gefunden hat. Für mich auf jeden Fall die interessantere Alternative zur V20.

1 Kommentar zu Vampire: the Dark Ages 20th Anniversary Edition, Teil II

  1. Das Buch ist per se erstmal recht ordentlich. Es hat für mich ein paar Macken. Das sind die „Blutlinie“ Nictuku – und das mit dem Hinweis, dass eigentlich alle Linien Spiel(er)geeignet sind, und der SL doch bitte gute Gründe vorbringen sollte sie nicht zu zulassen. In der Kombi graust es mich etwas.

    Etwas, was ich sehr irritierend fand war die Umsetzung von Verdunklunklung (Obfuscate) wobei die erste Stufe dem klassischen Quietus 1 entnommen wurde. Per se eine nette Idee, aber sie wirkt „Spielfremd“ eher als ob ein N-WoD Autor sich hier versucht hätte.

    Die kleineren Änderungen bei den Clansschwächen sind an sich zu überleben. Mein Fazit, es ist gut, aber ich komme nicht ums Hausregeln herum und muss mir das V20 Modern Ages daneben legen. Schade. Dieses Buch ist eine Bereicherung insbesondere wenn man noch nichts in dem Bereich hat. Wer sonst schon gut aufgestellt ist, also vielleicht schon Dark Ages Bücher und das V20 hat, sollte sich zumindest kurz überlegen, ob er es haben will. Ein Fehlkauf ist es sicher nicht. Aber auch kein Schnäppchen.

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