The wild Hunt

Ein Horror Film über LARP

„LARPER“ das niederste Gezücht unserer noblen Nerdsubkultur. Zumindest herrscht bei dem ein oder anderen diese Meinung.

Sicher, ich weiß nicht wie es bei den Kanadiern ist, wo dieser Film herkommt, aber so ganz neutral ist der Film (hoffentlich) nicht.

Fangen wir aber von vorne an.

Zusammengefasst in aller Kürze:
Erik ist über seine Ex nicht hinweg. Diese ist derweil zusammen mit Eriks Bruder in ihre LARP-Veranstaltung eingetaucht, um dem Alltag zu entkommen. Erik, der mit dem Ganzen nichts anfangen kann, reist hinterher und spielt zu Beginn mehr oder minder widerwillig beim LARP mit. Durch seine Einmischung geht so einiges drunter und drüber und durch einige wütende Spieler, die Realität und Spiel nicht trennen können, nimmt die ganze Geschichte ein brutales und düsteres Ende.

The Wild Hunt ist merkbar ein Low Budget Film. Mit dem vorhanden Budget wurde aber wirklich gut gehaushaltet. Der Film ist technisch ordentlich, der Schnitt wirkt fast schon professionell und auch sonst kann man sich wenig beschweren. Sicher, die Nachtaufnahmen sind offensichtlich nachgedunkelte Tagaufnahmen, bewegen sich aber noch im Rahmen. Technisch also soweit schon mal sozusagen 2 von 3 Punkten wenn man das Budget bedenkt.
Apropos… nach meinem Wissenstand sehen wir im Hintergrund tatsächlich Szenen aus einem echten LARP. Natürlich sind die Handlung und selbst der intime Plot komplett erfunden, aber das Ambiente ist wirklich gut eingefangen.
Die Charaktere wirken alle over the Top. Erik? Vielleicht der einzig realistische Charakter. Die LARPER jedoch sind zumindest nach meinem deutschen LARP Verständnis jenseits von gut und böse. Die ganze dargestellte Veranstaltung wirkt so als hätte man die heftigsten LARPER zusammengepackt und jeden halbwegs normalen Typen rausgeschmissen.

Da hätten wir den extrem peinlichen Charakter: Libellenartige Flügel aus Stoff, die lose am Rücken verbunden sind (auch wenn das wohl ein SL sein soll).
Den „mein Gott bin ich cool“ Typen: Jeder Satz wird mit extra dunkler kratziger Stimme gesprochen und soviel Pathos wie auffindbar wird in jede Silbe geschmissen.
Allgemein scheinen ALLE LARPER da ihr Spiel und ihre dargestellte Welt so ernst zu nehmen, dass sie offensichtlich nicht zum Spiel gehörende Elemente ignorieren und einfach weiterspielen, nachdem es schon lange kein Spaß mehr ist.

Diese Rezi ist sicher nicht neutral. Ich bin LARPER und ich mag mein Hobby.
Der Plot ist an sich nicht sooo unrealisitisch. Es gibt solche Idioten, die nicht wissen wo das Spiel aufhört. Es gibt Pappnasen, die das ganze zu persönlich nehmen. Die Idee, dass irgendwann irgendwo die kritische Masse dieser Typen überschritten wird und etwas gehörig schiefgeht, kann einem kommen auch wenn sie unwahrscheinlich ist.
Aber fast jeden einzelnen Charakter schon an der Grenze des Realitätsflüchtling darzustellen und die gleichzeitige scheinbare Nähe zum Hobby (der Rest wirkt ja sehr authentisch!) macht aus dem Film einen noch viel wirksameren Mazes & Monster Film, nur eben ohne Hanks. Was fehlt ist der „normale“ Larper. Ein Hauptcharakter hätte da schon gereicht, denn Eriks Bruder erfüllt diese Funktion leider nicht.

Ich bin sehr froh, dass es sich nicht um eine große Hollywoodproduktion handelt, denn sonst würde ich bei RTL II und co schon demnächst wieder Hasssendungen über den Bildschirm flimmern sehen.

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