Corrinis – Stadt der Abenteuer

Eine Universal-Stadtbeschreibung

Ich weiß nicht mehr wie ich daran gekommen bin. Es ist ein dünnes Heft, das von sich behauptet „eine vollständig ausgearbeitete Stadt“ zu präsentieren, „Spielbereit für alle Rollenspielsysteme“. Die Rede ist von Corrinis – Stadt der Abenteuer, erscheinen 1986 beim Verlag für F&SF-Spiele. In meiner Sammlung ist es jedenfalls irgendwann Anfang des 21. Jahrhunderts, vermutlich habe ich es irgendwann auf einer Con gewonnen oder so was. Und hab es dann zu einem Fixpunkt in einer mehrjährigen D&D-Runde gemacht. Was ein mittlerweile 26 Jahre altes Heft für mich so reizvoll gemacht hat? Ich will versuchen es zu erklären.

Rein von Außen ist an Corrinis nichts besonderes, erst recht nicht nach heutigen Standards. Das Heft ist 52 Seiten lang und in schwarz/weiß auf rauem Papier gedruckt. Es findet sich zwar alle zwei Seiten eine Illustration oder eine Detailkarte, dennoch wirkt wirkt der Text optisch erschlagend. Das Cover zeigt eine leichtbekleidete Dame die in einer Halle vor ein paar barbarisch aussehende Gestalten sich räkelt. Außerdem lagen dem Ganzen noch zwei Karten der Stadt in A2 bei, einmal ein Stadtplan zum orientieren, und einmal eine isometrische Draufsicht damit man ein Gefühl dafür bekommt wie die Stadt aussieht.

An der Aufmachung liegt es also nicht das der Teddy das Heft lieb hat – woran dann? Schlägt man Corrinis auf (Und ignoriert die uralte Werbung für die Spielbücher der Einsamer Wolf-Reihe), so findet man sich zunächst bei der Einleitung, in der erklärt wird das sich dieser Band als Universalspielhilfe für diverse damals erwerbbare Rollenspiel versteht, unter anderem Das Schwarze Auge, Dungeons & Dragons, oder auch Midgard. Und hier auch gleich ein Hinweis meinerseits – der Text sagt es nie offen heraus, aber er bezieht sich doch ganz deutlich von seinem Hintergrund her auf die Spielwelt Midgards. Dieser Einleitung folgt eine Erklärung, wie ein Spielleiter bestimmte Einträge lesen soll, wie Stufen, Klassen oder Fertigkeiten, die tatsächlich Systemneutral sind. Danach beginnt die eigentliche Stadtbeschreibung, und zwar mit einer groben Übersicht der Historie der Stadt und der sie umgebenden Baronie (Die wirklich recht klein ist). Ebenfalls hier beschrieben werden die soziale und politische Situation innerhalb der Stadt, mit mehreren Fraktionen, und wie – grob – das Rechtssystem aussieht. Auch ein Überblick der hiesigen Religionen, des Marktes und des hiesigen Kalenders fehlt nicht.

Die Beschreibung der eigentlichen Stadt teilt diese in verschiedene Bereiche oder Viertel ein, und weist jedem einen Buchstaben zu – die Viertel A bis M liegen innerhalb der alten Stadtmauern, während die übrigen sich drumherum erstrecken. Am Anfang einer Beschreibung steht auch immer dabei wie Arm oder Reich die durchschnittlichen Bewohner des jeweiligen Viertels sind. Jedes Haus der Stadt wird hierbei beschrieben, wenn auch kurz – meist nicht mehr als drei oder vier Zeilen, manchmal aber auch ein längerer Paragraph. Die Beschreibungen orientieren sich dabei deutlicher an historische Gegebenheiten oder „Low Fantasy Welten“ als es bei typischen Rollenspielwelten der Fall ist. Nach der Beschreibung der Stadt folgt eine Übersicht über: die Burg, einem dunklen Kult, einer Diebesgilde und einigen wenigen aber wichtigen NSCs. Abgeschlossen wird der Band mit einer Beschreibung der Herkunft dieses Hefts – es handelt sich nämlich um eine Übersetzung eines amerikanischen Produktes aus der Welt von Midkemia, die einigen vielleicht durch die Romane von Raymond E. Feist ein Begriff sein könnte, und zwar mit dem Namen The City of Carse. Als letztes folgt noch ein Index, wo man denn welche Geschäfte finden könnte, während Preislisten die Innenumschläge schmücken.

Fazit:
Ihr fragt euch jetzt bestimmt „Okay, es ist ein ganz nettes oldskooliges Produkt Teddy, aber was findest du denn so toll daran?“ Eine berechtigte Frage, zugegeben. Corrinis eignet sich jenseits von Midgard – ein Spiel das ich noch nie gespielt habe und vermutlich auch nie spielen werde – hervorragend als „Startbasis“ für eine Fantasyrunde, wenn die Charaktere noch jung und unerfahren sind (Einigen meiner Spieler hat die Stadt so zugesagt das sie auf höheren Stufen dorthin zurückkehrten um sie zu erobern…), oder falls der Spielleiter eine eher mittelalterlich-authentische Welt darstellen möchte. Darüber hinaus ist die Darstellung so komplett wie es viele ähnliche Produkte mit einem vielfachen der Seitenzahl nicht erreichen – hier wird eine glaubhaft Stadt präsentiert, der man abnehmen mag das es sie irgendwo gibt. Zusammen mit der City of Greyhawk und Ptolus ist Corrinis mein bevorzugtes Städtebuch im Fantasybereich, und wer sie günstig bekommen kann sollte sie sich auf jeden Fall anschaffen.

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