Stimmen

Ein Roman von Ursula Poznanski

Ein junger Arzt wird ermordet aufgefunden. Aber nicht einfach irgendein Arzt, sondern einer, der auf der besonderen Station für Trauma-Patienten gearbeitet hat – und zu allem Überfluss hat auch noch einer der Patienten die Spurenlage ziemlich zerstört. Getötet wurde der Mann nicht durch den augenscheinlichen Stahlträger durch den Hals und auch die seltsamen Gegenstände auf dem Körper, die das ganze wie einen Ritualmord aussehen lassen, müssen natürlich nachträglich auf den Toten gelangt sein. Für Beatrice Kaspary und ihren Kollegen Florin Wenninger ist aber nicht nur der Mord selbst ein Rätsel. Die Nachforschungen in einem solchen Umfeld sind nämlich alles andere als normal. Der Patient, welcher die Spuren zerstörte, hört Stimmen , da ihn seine Mutter in der Kindheit schwer misshandelt hat (und eine von ihnen befahl ihm, dass Blut auf zu lecken) und ist sich bei keiner sicher, ob sie realen Personen angehört oder unsichtbaren (natürlich irgendwo ebenso realen) Personen. Eine weitere Trauma-Patientin ist vermutlich von ihrem Stiefvater schwer sexuell missbraucht worden und hat die Sexualität als Folge nach außen gekehrt (und behauptet, dass der Chefarzt es wild mit ihr treiben würde – aber auch mit anderen). Und dann gibt es da noch die junge Frau, welche nicht spricht oder irgendwie sonst zu kommunizieren scheint. Die vor einiger Zeit in den Schlagzeilen war, da sie fast ihre gesamte Kindheit angekettet in einem dunklen Keller verbracht hat. Eine Frau, die für den Chefarzt vor allem eines ist: Prestige. Weshalb aber die Öffentlichkeit außerhalb der Fachwelt nichts davon wissen darf. Und mitten in den Ermittlungen, welche ja schon heikel genug sind, passiert ein zweiter Mord. Oder war es ein Selbstmord? Bei Verrückten weiß man ja nie…

Dieses hier ist der dritte Roman des Ermittler-Duos aus Salzburg, aber rein technisch gibt es nur wenig was die Romane verbindet (Fortführung einer Liebelei zwischen den Hauptfiguren, weiteres aus der Scheidung zwischen Kaspary und ihrem Mann, und ähnliche für den eigentlichen Fall nicht interessanten Geschichten, die aber das Leben natürlich etwas bunter machen). Man ist also nicht gezwungen die Romane in der entsprechenden Reihenfolge zu lesen.
Bei diesem Roman schafft es Poznanski mal wieder ein Thema zu finden, an das sich bislang eher wenig Thriller-Autoren gewagt haben. Wo es noch eher ungewöhnlich im ersten Roman Fünf um Geo-Cacher ging, im zweiten Blinde Vögel um eine Facebook Gruppe, ist es nun eine psychatrische Abteilung in der Morde passieren. Und mit psychisch Kranken kann man natürlich wunderbar spielen, gerade auch mit den Erwartungen der Leser was denn wirklich los ist und ob es sich nun um die Tat eines der Insassen oder vielleicht doch einen Arzt handelt. Für die Geschichte wird der Fokus leider zu schnell auf die eigentlich wichtige Person gelegt und ermittlungstechnisch von den beiden Ermittlern eher geschlampt (was sich dann hinterher aber als richtige Entscheidung herausstellt – aber gut, die Autorin wusste ja auch was passierte). Für Rollenspieler bietet dieser Band wieder ähnlich gute Ideen wie der erste Band. Man kann die Geschichte zwar nicht ganz so problemlos wie Fünf in ein Abenteuer umsetzen, bekommt aber genug Story um es recht einfach zu haben.
Und für Spiele in denen psychisch Kranke auftauchen können, gibt es hier natürlich erst recht eine gewisse Fundgrube zu finden, die – für diesen Aspekt – gerne auch noch mehr „Irre“ hätte enthalten können.

Fazit:
Dieser dritte Roman ist wieder auf den Niveau vom ersten Band und jeder der gerne Thriller liest sollte sich diesen (oder den ersten) auf jeden Fall einmal genauer anschauen.

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