Salzträume Band 1 & 2

Ein zweiteiliger Steampunk-Roman

Vor kurzem haben wir an dieser Stelle uns ja über den ersten Roman von Ju Honisch unterhalten, Das Obsidianherz. Heute finden wir uns hier zusammen um über die Fortsetzung zu Plaudern, [I]Salzträume[/I]. Diese Fortsetzung ist mit zwei Bänder zu je kanpp 600 Seiten wesentlich umfangreicher als die vorhergehende Geschichte, stellt sich nur noch die Frage was man inhaltlich geboten bekommt.

Auch dieses mal haben wir es hier mit optisch sehr ansehnlichen Taschenbüchern zu tun: Wieder wurde die Lederbandoptik gewählt, dieses Mal allerdings mit einem leicht durchsichtigen Uhrwerk darüber, und oben und unten Salzkristalle. Außerdem findet sich in der Mitte jeweils ein kleines Portrait – beim ersten Band ein Mann, beim Zweiten eine Frau – allerdings kann ich nicht wirklich zuordnen wen sie darstellen sollen.Für den Titel – und im Inneren die Überschriften – wurde dieses Mal ein Font gewählt, der lesbarer ist, ansonsten gelten eigentlich alle Kommentare zur Innengestaltung auch hier wieder.

Die Handlung beginnt knapp ein halbes Jahr nach den Ereignissen von [I]Das Obsidianherz[/I], Corrisande Jarrencourt und Delacroix haben geheiratet, der Rest der Truppe hat sich mehr oder weniger verstreut. Eröffnet wird die Handlung durch das Verschwinden eines gewissen Ian McCullen, dem Neffen des Magiers aus der letzten Geschichte, und einem Bericht über eine potenzielle Weltvernichtungsmaschine in Österreich, die ihre Energie aus Feyon-Wesen bezieht. Nach und nach bilden sich vier mehr oder weniger unabhängige Handlungsstränge heraus, die aber nach und nach miteinander verwoben werden. Zum einen wäre da der bereits bekannte Von Görenczy, der als Agent eine Gruppe österreichischer Verschwörer unterwandert hat, die mit Hilfe der erwähnten Erfindung Österreich zur dominanten Weltmacht machen wollen. Sein Kontaktmann ist ebenfalls bekannt, nämlich Von Orven, welcher bei einer Bergwanderung in eine Felsspalte abgestürzt ist, und von Delacroix und Aengus McCullen gefunden wird während diese nach Ian suchen und vor unbekannten Verfolgern flüchten. Delacroix wiederum hat seine junge Frau und deren Zofe in einem Gasthof zurückgelassen, wo sie bald Gesellschaft in Form von Cérise Denglot, der Opernsängerin, erhalten. Cérise wiederum ist in der Gegend, weil hier ihr Geliebter, der Vampir Graf Arpad, verschwunden ist – verschwunden deshalb, weil er das Haus eines alten Bekannten besuchte, in dem ihm die Verschwörer aufgelauert haben, die ihn in der Maschine verheizen wollen, und aus dem ihn die Nichte des Bekannten rettete, die als Kind eine Verbindung zu einem Freyon hatte, und einem der Anführer der Verschwörer versprochen war. Verworren? Nur ein wenig, und das sind nur die Hauptfiguren! Dazwischen haben wir noch kleinere Nebnstränge, wie das Auftauchen dreier Wesenheiten, die vielleicht die Schicksalsgöttinen sind, oder die Träume eines Wesens das vielleicht mal Ian McCullen war. Ganz ehrlich, ich war mehr als einmal über die Auflistung der Dramatis Personae am Anfang des Romans dankbar.

Die Handlung des ersten Bandes liest sich fast wie eine Schnitzeljagt – jeder der Handelnden sucht entweder eine Person, eine Information, oder eine Zuflucht. So sucht zum Beispiel Corrisande recht bald ihren Gatten, nachdem sie immer wieder davon träumt das dieser von einem Ungeheuer verfolgt wird. Begleitet wird sie dabei von Cérise, die wie schon erwähnt ihren Vampir sucht, von ihrer Zofe, die einen Gatten sucht, und von einer ehemaligen Geliebten von Arpad. Delacroix und McCullen suchen ursprünglich nach dem Neffen, doch kurz nachdem sie Von Orven finden suchen sie zu dritt nach einem Fluchtweg aus dem ehemaligen Salzbergwerk in dem sie gefangen gehalten werden – finden aber dort zumindest Von Görenczy der ihnen zur Flucht verhilft, und auch die Weltuntergangsmaschine. Arpad wiederum flieht mit Charlotte, die ihn befreit hat, in die Bergregion in der sich auch die Maschine befindet, wird aber mit ihr in den Höhlen verschüttet und sucht einen Ausweg. Im Laufe der Handlung wird diese immer verworrener, und die phantastischen Elemente nehmen immer mehr zu, bis am Ende des Bandes Delacroix von einem Monster aus seiner Vergangenheit verfolgt wird, und die drei Damen drei Wesenheiten begegnen, die vielleicht die Schicksalsgöttinen sein könnten…

[ATTACH=CONFIG]19788[/ATTACH]Der zweite Band setzt Nahtlos dort an, wo der Erste aufhört, und ab hier werden die phantastischen Elemente immer ausgeprägter – die Handlung allerdings leider immer verworrener. Delacroix und McCullen werden von dem Wesen gerettet das sie verfolgt, von einem Geist der den Körper des verschwundenen Ian übernommen hat und sich als Traumweber bezeichnet, die Damen werden von den Schickalsfrauen durch den Berg geleitet um die zu retten, die sie lieben, und ganz generell gehen die Suchen weiter. Von Orven gelingt es, mit Corrisandes Zofe aus dem Berg zu fliehen, bei der Österreichischen Kaiserin Meldung über die Angelegenheit zu machen und dabei noch allerlei Abenteuer zu erleben, während Charlotte und Arpad weiter durch den Berg irren. Und gerade als die Handlung nicht verworrener werden könnte verliebt sich der Geist des nahe gelegenen Sees in Corrisande…

[B][U]Fazit:[/U][/B]
Ich kann der Handlung dieser Geschichte eigentlich nicht gerecht werden, ohne viel zu viel zu spoilern. Auch hier gelingt es Frau Honisch, mit ihrem lockeren, flüssigen Erzählstil zu fesseln. Was mir allerdings immer wieder Probleme bereitete sind drei Dinge. Das erste Problem ist ganz klar die Ideenvielfalt der Autorin. Es mag seltsam anmuten, jemanden vorzuwerfen, er oder sie habe zu viele gute Ideen, aber im Falle von [I]Salzträume[/I] muss man sagen das die Autorin zu viel in eine Geschichte stecken wollte, was dem Roman nicht bekommen ist – man fühlt sich als Leser versucht, sich Notizen und Diagramme zu machen, um mit der Handlung mitzukommen. Probleme zwei und Drei sind die selben wie auch schon bei [I]Das Obsidianherz[/I] – zu viele wichtige Charaktere, die zum teil mitten in der Handlung eingeführt werden, und die das Verständnis nochmal ein wenig anstrengender machen, und zu viele Stellen die einfach den Roman in die Länge ziehen.
Insgesamt kann Frau Honisch mit ihrem zweiten Roman nicht so überzeugen wie mit ihrem Erstling, was schade ist, da sie hier ein wahres Feuerwerk der Ideen abgeliefert hat. Eine schlechte Geschichte ist [I]Salzträume[/I] definitiv nicht geworden, und ich freue mich darauf, mehr von der Autorin zu lesen, aber es zeigt sich hier deutlich, das weniger manchmal doch mehr ist.

ISBN Band 1: 978-3-86762-062-8
ISBN Band 2: 978-3-86762-063-5

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