Romanze im Rollenspiel

Teddy und die Liebe

Wie viele eurer Charaktere sind eigentlich verheiratet?

Einer der klassischen Motivationen in der Literatur ist schon immer die Liebe gewesen, doch während andere Motivationen (Gier zum Beispiel, oder Rache) immer und immer wieder aufgegriffen werden taucht die Liebe doch eher stiefmütterlich auf. Eigentlich schade, eignet sich die Liebe doch stärker als vieles andere als Motivation – warum also ist die Hemmung so groß, seinen Charakteren ein Liebesleben zukommen zu lassen das über das klischeehafte „Ich such mir im Puff was zum bumsen“?

Eine Ursache kann natürlich sein das viele Spieler sich bei der Vorstellung unwohl fühlen, mit einer imaginären Person zu flirten, die von einer Person gleichen Geschlechts gespielt wird, sprich dem Spielleiter. Schaut man sich an wie viele Spieler bzw. Gruppen drauf bestehen das man nur das eigene Geschlecht spielen soll (Eine blödsinnige Idee, vor allem in Anbetracht der Aufgabe eines Spielleiters, aber gut, ich komme vom Thema ab…) könnte man unweigerlich zur Schlußfolgerung kommen das viele Spieler latent Homophob sind. Wobei sich da natürlich auch wieder die Frage stellt wie das mit der Prostituierten passt die man im Badehaus abschleppen will, die ja auch vom Spielleiter dargestellt wird…

Für andere Spieler liegt die Begründung vielleicht darin das sie dem Spielleiter bloß keine Angriffsfläche bieten wollen, weil wir ja alle solche Hintergrundelemente nur dazu nutzen um unsere Spieler in die Pfanne zu hauen und ihnen etwas wegzunehmen. Es hat also oftmals etwas mit Kontrollverlust zu tun.

Und welche Gründe gibt es für die Romanze im Rollenspiel? Das Offensichtliche ist natürlich „Plot“. Damit ist natürlich nicht gemeint das der Spielleiter mal wieder die olle Kamelle aufwärmen muss wonach der Sinistre Schurke Seraphim und der Böse Erzmagier Bob die Frau des Charakters entführt haben und er sie zurückholen muss. Aber eine Ehefrau oder Ehemann kann genauso ein „Questgeber“ sein wie jeder andere NSC. Nehmen wir an, der Ehepartner betreibt ein Geschäft während der SC auf Abenteuer ist. Der SC kommt heim und muss feststellen das eine Bande von elfischen Terroristen sich im Viertel breitgemacht hat und jetzt Schutzgelder erpresst – wer würde sich das gefallen lassen? Zumal die blöden Spitzohren den Ehering mitgenommen haben…

Was gibt es noch an Gründe? Gutes Rollenspiel könnte man auch aufführen – in manchen Kulturen oder Settings könnte es einfach erwartet werden. So sollten die meisten Spielercharaktere in Rokugan oder Kara-Tur früher oder später verheiratet sein oder werden – sei es, weil der Daimyo es verlangt, sei es, weil die Familie es erwartet. Und in Anbetracht des Platzes den Zwerge in den meisten Settings auf der Roten Liste genießen sollte man erwarten das selbst Zwerge die auf Abenteuer ziehen verheiratet sind und versuchen ihren Teil zum Überleben der Spezies beitragen.

Wie ich auf dieses Thema komme? Ich leite gerade für eine Gruppe die Kingmaker-Kampagne für Pathfinder, und sie stehen kurz davor ihr eigenes Königreich zu gründen. Bestimmt findet sich bald das eine oder andere Angebot für eine politisch motivierte Hochzeit…

2 Kommentare zu Romanze im Rollenspiel

  1. Ich hatte drei verheiratete Charaktere. Einer hat eine NPC-Dame geehelicht, einer ein anderes Gruppenmitglied, und der dritte hatte eine Ehefrau zuhause, die der SL schon vor Einstieg des Charakters umgebracht hat.

  2. Stimmt, das ist wirklich ein Aspekt, der oft hinten runter fällt.
    Bei uns ist der auch oft vergleichsweise wenig vertreten, auch wenn ich nicht genau sagen kann, woran das wohl liegen mag.

    Möglich wäre wirklich, dass es einem unangenehm ist, Flirtversuche mit dem Spielleiter auszuspielen.
    Ich kanns nicht rational begründen, aber mir persönlich fällt das schwer. Wobei das auf den Spielleiter ankommt.
    Wenn meine beste Freundin leitet, geht klar. Aber bei meinem besten Kumpel krieg ich das aktuell einfach nicht ernsthaft ausgespielt. Was irgendwo schade ist.
    Nichtsdestotrotz hatte ich schon Charaktere, die im laufenden Spiel geheiratet haben, eine Beziehung geführt haben, oder denen zumindest deutliche Avancen gemacht wurden,
    Hat dem Rollenspiel in meinen Augen auch wirklich was gegeben, fand ich.

    In meinen momentanen Runden ergibt es sich nicht so, rein durch die Gruppenkonstellation bedingt.
    Ein NSC muss ja nicht endlos zum Char passen, man weiß ja wie sich so was im RL ergibt, also könnte ich das da eigentlich ins Rollen bringen, auch wenns im ersten Moment gar nicht zum Char zu passen scheint.

    Was ich allerdings einschränke, und persönlich nicht im Spiel mag, sind Ingame-Romanzen mit dem eigenen Partner.
    Einerseits hab ich das Gefühl, dass man damit schnell der Gruppe auf die Nerven gehen kann, und andererseits birgt mir das zuviel Risiko, dass sich OT-Stimmungen, Konflikte etc. gleich nochmal stärker ingame auswirken, als das sonst vielleicht der Fall wäre.
    Was natürlich nicht heißt, dass ich da anderen reinreden würde, wie sie spielen, oder wie sie das in dem Punkt halten.
    Nur ich persönlich mags bislang eher nicht so.

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