Musik im Rollenspiel

Ein Fallbeispiel anhand der Schlacht in den Wolken

Bestimmt hat jeder schon einmal davon gehört, in einer Runde mitgespielt bei der es verwendet wurde oder es gar selbst getan: Musik als Hintergrunduntermalung fürs Rollenspiel.

Ich möchte euch heute hier ein Fallbeispiel aufzeigen, und erklären wie ich die Musik für so eine Sache nutze.

Das ganze wird anhand des Abenteuers „Schlacht in den Wolken“, genauer gesagt des Finales dieses Abenteuers geschehen, wer das also noch spielen möchte, sollte vielleicht nicht weiter lesen, denn natürlich werde ich auf die Szenen eingehen um zu sagen warum ich da welche Stücke verwendet habe.

Um ein wenig die Vorgeschichte zu klären: Das Finale des Abenteuers spielt in Gareth und ist – wie man ja vielen Abenteuern von DSA vorwirft wirklich sehr gradlinig. Aber! Das ist für uns „wir wollen Musik nach Szenen verwenden“ (alles andere ist immer mehr oder weniger unpassend und nie so richtig geil) – Freunde genau richtig. Da kann man dann wunderbar schon im Vorfeld die genaue Gestaltung der Sache planen und Musikstücke auswählen. Die ganze Sache, die zu diesem Finale führt ist in kurzen Worten zusammengefasst: Galotta hat einen Teil seiner Stadt Yol-Ghurmak in den schwarzen Landen in die Luft erhoben und ist zusammen mit einem Herr von Untoten unter der Kontrolle des schwarzen Drachen Rhazzazor über die Grenze ins Mittelreich eingewandert. Die Helden haben dies zunächst nur peripher miterlebt, weil sie erst etwas anderes als heiligen Auftrag untersuchten und waren dann dabei, als Galotta einen Zerstörungstest auf den Feldern vor Wehrheim unternahm. Sie haben dabei zugesehen was die fliegende Festung verursachen kann und sind dann nach Gareth um sich auf dessen Ankunft vorzubereiten in der Hoffnung die Zerstörung der Hauptstadt verhindern zu können.

Soweit was bislang geschah.

Im Finale gibt es nun folgende Szenen, bei denen ich jeweils das Musikstück und den Grund für diese Wahl erklären werde:

Wie wohl in jeder Runde üblich wird zunächst zusammengefasst was bisher geschah: The Descent vom Stage Beauty Score, weil das schön neutral ist.

Um dann auf die steigende Bedrohung hinzuweisen habe ich zu Lockdown Lenny vom Butterfly Effect Score gewechselt, da dieses Stück ruhig beginnt und schneller wird.

Die Festung wird am Horizont gesichtet: The darkest day vom Independence Day Score. Den Witz konnte ich mir einfach nicht verkneifen.

Dann folgen einige Kampfszenen und Scharmützel bei denen ich Heat of battle vom Medieval 2:Total War OST und der Main Titles vom Signs Score verwendet habe.

Wenn dann Rhazzazor Emer mit sich nimmt und die Helden danach alleine auf dem Boronsanger zurückgelassen werden, ist die Stimmung eher traurig und gedruckt, welches ich durch a small measure of peace vom the last samurai Score ausgedrückt habe.

Der Angriff der Bodentruppen beginnt: Battle at the pyramid vom Stargate Score. Ein Fall von ‚diese Musik wurde für eine äquivalente Szene konzipiert‘.

Die Helden reiten auf den aus der Luft aufgetauchten Greifen zur Festung empor: Da passt natürlich das Theme From Armageddon aus dem Armageddon Album (Achtung, wirklich Album, nicht Score!, da sind andere nette Stücke drauf) wie Faust aufs Auge und kam super gut an.

Um in die Festung zu gelangen müssen sie durch den sich gerade entfesselnden Mahlstrom: Maelstorm vom Chrono Trigger Score. Das Stück ist einfach fürchterliches Rauschen und sorgte bei den Spielern für starkes Missfallen, genau wie es den Charakteren gehen sollte.

In der Festung selbst habe ich einige Stück von den Silent Hill Scores und Aphex Twin abwechselnd verwendet um die befremdliche und widernatürliche Atmosphäre der Umgebung auch mit Musik zu untermalen.

Ich hatte das große Glück schon vorher zu wissen, dass einer der Helden an diesem Abend sterben wollte und somit eine Chance dieses als Kampf vor Galotta einzuplanen (das wäre dann beinahe nach hinten losgegangen…). Dazu passte when Feds attack vom Transformers Score, da das am Ende schön heroisch wird und gedacht war um dann einen würdigen Abschied zu liefern.

Galotta wurde dann natürlich trotzdem und wie vom Abenteuer vorgesehen in seiner Festung im Thronsaal von den Helden besiegt und die Festung bricht in Chaos aus, weil niemand sie mehr steuert: Siren vom Silent Hill 2 Score und We’re out of time vom Saw Score. Siren ist damit das einzige tatsächlich auch im Spiel zu hörende Stück, da die Festung selbst eine Art Alarmton von sich gibt bevor sie beginnt abzustürzen.

Die Festung stürzt auf Gareth hinab und vernichtet einen Großteil der Stadt des Lichts: Fire/Bombing London vom 28 weeks later Score. Was macht man bei dramatischen Szenen? Dramatische Musik? Nein, nein. Eben jener Film (der Mist ist, aber der Score ist toll) zeigt uns, dass man genau mit dem Gegenteil so viel mehr erreichen kann!

Am Ende wird dann nochmal für die Helden die zerstörte Stadt beschrieben und wie sie selbst mehr tot als lebendig aus der Sache herausgekommen sind: My Name Is Robert Neville vom I am legend Score. Denn genau dasselbe Feeling für das dieses Stück komponiert wurde, ist es auch was die Helden jetzt treffen soll.

Vielleicht könnt ihr ja auch wenn ihr nun nicht gerade das Finale von Schlacht in den Wolken leitet, etwas mit dieser Liste anfangen und die Musikauswahl für eure Abenteuer mal versuchen ähnlich zu gestalten. Ich sage euch, das lohnt sich.

2 Kommentare zu Musik im Rollenspiel

  1. Hey Cani,

    sehr schöne Zusammenstellung an Musiktiteln! Ich kann mir schon alleine an der Nennung der Titel gut vorstellen, wie gut das bei der Spiele-Session angekommen ist!

    Habe ja schon einmal erlebt, wie Du Musik im Rollenspiel einsetzt bei Deiner Cthulhu-Runde in Münster. Prinzipiell finde ich den Ansatz, den Du damals gewählt hast (nämlich ein Album im Hintergrund auf Dauerrepeat laufen lassen) angenehmer: Man hat weniger Vorbereitungsaufwand und kann sich auf das Eigentliche (nämlich das Spielen bzw. Spielleiten) konzentrieren. Kommt aber wahrscheinlich nur dann wirklich gut rüber, wenn die komplette Story über mehr oder weniger die gleiche Stimmung herrscht.

    Diese von Dir hier vorgestellte Methodik ist neben dem erhöhten Aufwand natürlich auch noch zeitkritisch. Gerade bei Stücken mit einem spezifischen Spannungshöhepunkt braucht es da mMn schon SEHR viel Übung und Geschick, das Timing gut zu treffen – noch dazu, weil man ja nie genau weiß, wie lange die Spieler zum Beschreiben ihrer Handlungen brauchen!

    Alles in Allem aber Hut ab für diesen umfänglichen Artikel.
    Weiter so!

    Liebe Grüße von „drüben“,
    Durro

  2. Hast schon recht, ich hab nicht wenig Zeit in die Vorbereitung gesteckt und mache das natürlich nicht immer, sondern für besondere Szenen. Ab und an, wie bei Cthulhu, lass ich Musik im Hintergrund laufen, wenn das von den Szenen passt, aber hierbei gab es einfach so viele Ansatzpunkte, dass es der Aufwand auch wert gewesen ist.
    Vielleicht liest das hier ja sogar jemand, der das Abenteuer noch leitet und kann direkt etwas damit anfangen. Auch wenn die Sache mit dem zeitkritisch schon nicht einfach ist. Viele Stücke funktionieren zwar auch in einer Schleife – gerade die für Känmpfe, wir kennen alle das DSA Problem dabei – aber eben nicht alle. Da muss man seine Spieler kennen und Szenen auch lenken können. Für einen Spielleitereinsteiger ist es besser nur bei vorhersagbaren Sachen Musik anzuspielen und den Rest des Abends ohne zu gestalten.

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  1. Araclia Rollenspiel Musik | Neue Abenteuer

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