Menschmaschinen

Eine Anthologie-Rezension von Infernal Teddy

„Eine Steampunkcyberanthologie“ steh auf dem Cover der Anthologie, welche André Skora für den Amrûn-Verlag zusammengestellt hat. Cyberpunk und Steampunk sind zwei Genres, wie regelmäßige Leser unserer Literatur vielleicht mitbekommen haben, mit denen ich ein wenig auf Kriegsfuß stehe – einerseits mag ich beide Genres, anderseits hat der Cyberpunk sich seit zwanzig Jahren überlebt, und der Steampunk ist meist alles, nur nicht Punk (Aber man siehe hierzu auch unseren Gastartikel von Judith Vogt…). Aber die Anthologien, welche wir bisher von André Skora zu Gesicht bekommen haben, waren immer spannend, interessant, und abwechlungsreich – vor allem aber auch unterhaltsam. Schauen wir also, was es in dieser Genremischung zu entdecken gibt.

Uns liegt Menschmaschinen als Epub vor, welches gerade mal ein Megabyte groß ist. Das Layout ist entsprechend schlicht, und bis auf die Fotos der Autoren sind auch keine Grafiken enthalten. Insgesamt sind zehn Geschichten im Band enthalten, welche zusammen mit dem Vorwort von Christian Vogt und den Kurzbiographien der Autoren bequem per Hyperlink vom Inhaltsverzeichnis aus erreicht werden kann. zumindest auf meinem Tablet wird die Seitenzahl mit 129 angegeben.

In seiner Einleitung philosophiert Christian Vogt über eine Gemeinsamkeit des Steampunks und des Cyberpunks, nämlich künstliches Leben und die sich daraus ergebenden Folgen. Dieser kurze Text ist gleich auch wegweisend für die darauf folgenden Geschichten. Die Erste dieser Geschichten, „Fitzroy, Falstaff und andere furiose Menschmaschinen“, von Thorsten Küper, ist auch zugleich die Längste. Eine Dame namens Cornelia Victoria Baybridge und ihr scheinbar künstlicher Diener besuchen eine Veranstaltung eines Erfinders namens Fitzroy, auf der dieser seine neueste Erfindung, eine Menschmaschine namens Falstaff, präsentiert. Doch die Präsentation ist nicht der Grund für ihre Anwesenheit in New Orleans – beide haben einen Grund, Rache an Fitzroy zu suchen, und beide sind nicht ganz das, was sie zu sein scheinen. Die zweite Geschichte, „Der Heizer“ von Melanie Ulrike Junge, ist deutlich kürzer. Ein junges Mädchen, welche zu den Privilegierten gehört die das Leben in den Luftschiffen genießen, stößt bei einer Entdeckungstour auf einen Heizer der nicht mehr ganz Mensch ist, und erlebt die Unzufriedenheit der erdgebundenen Arbeiter – und stößt ein Umdenken bei ihrem Vater an. Marco Ansing versucht in „Der wilde Reiter“ einen „Tatsachenbericht-Stil“ zu simulieren, welcher in diesem Format nicht so wirklich für mich funktioniert. Diese dreiteilige Geschichte erzählt, wie ein Reporter ein Komplott der „Mechanauten“ aufdeckt, das neue Reiterdenkmal auszunutzen, um den Rat von Hamburg gefangen zu nehmen. Ruhiger geht es da in „Ultramarinblau“ zu, aus der Feder von Gloria H. Manderfeld. Hier wird von einem alten Soldaten erzählt, welcher nachdem er im Großen Krieg von 1875 verwundet wurde mithilfe von mechanischen Lungen lebt, und als Wärter im Krupp-Reservat für Norm-Menschen arbeitet. In besagtem Krieg wurden nämlich schreckliche Waffen eingesetzt, und seid dem gibt es nur noch wenige Menschen, welche nicht Mutationen aufweisen. Der Protagonist in dieser Geschichte, welche neben der Ersten zu meinen Favoriten gehört, hat sich mit einer jungen Frau angefreundet, welche in einem Reservat für „Reine“ lebt, und nun dem Freitod den Vorzug vor dem Zoo geben will. „Adam“, aus der Feder von Mia Steingräber und Tobias Rafael Junge führt uns wieder zurück in die Welt von Eis & Dampf. Diese Geschichte ist etwas schwermütiger als die meisten Geschichten, welche wir aus dieser Welt bisher bekommen haben, geht es doch um einen „Shelly“, welcher für eine Madame arbeitet, die sich auf ganz besondere Kunden… und Mädchen spezialisiert hat. Aber zwischen dem Shelly und seiner Herrin gibt es noch eine viel finstere Verbindung. Peer Bieber widmet sich in „Böse Träume“ der „Hauptstadt“ des Steampunks, London, in eienr Geschichte, welche als gruselige Kindesentführung beginnt, und deren Ende… noch etwas gruseliger ist. Eine ähnliche Entmenschlichung findet sich auch in der Geschichte von Peter Hohmann, „Rettung“, in der sich die Tochter eines Industriellen sich nach einem schrecklichen Zwischenfall an den Verursacher zu rächen versucht, quasi von Jenseits des Grabes. Um eine ganz andere Art von Prothese – und um das berühmte Voynich-Manuskript – geht es in „Der Fall Rohrschach“ von Andreas Winterer, in der ein skrupelloser Wissenschaftler versucht zu rekonstruieren, was denn die Denkprothese sein soll, die ein Hersteller von künstlichen Gliedmaßen erfunden haben will. Die erste Geschichte, die man nicht dem Steampunk zuordnen kann, ist dann „Rupert“ von Eva Strasser – hier geht es um einen Mann, welcher seiner Frau zuliebe ein Kind nach Hause bringt, welches insgeheim ein Experiment darstellt, ein Experiment zu dem der Mann selbst auf mehrere Ebenen auch gehört. Die letzte Geschichte, „Happy Transition Day!“ von Anja Bagus, ist ebenfalls im Science Fiction zu verorten. Hier wechselt ein junger Mann von einer Daseinsform zur nächsthöheren, von einer Inkarnation in die Nächste, um ein vergangenes Leben für sich zu gewinnen. Abgeschlossen wird der Band durch die Kurzbiographien der einzelnen Autoren.

Fazit:
Ich fange mal mit dem an, was mich hier am meisten gestört hat: ich hätte mir eine stärkere Durchmischung gewünscht. Bei der Beschreibung „Steamcyberpunk“ hätte ich mir ehrlich gesagt gewünscht das es zumindest ungefähr gleich viele Geschichten aus beiden Genres gibt. Aber so viel zum nit-picking. Die ausgesuchten Geschichten wissen alle zu gefallen, und betrachten das Thema „Menschmaschine“ alle aus unterschiedlichen – und zum Teil ziemlich schrägen – Gesichtspunkten. meine persönlichen Favoriten sind definitiv die Geschichten „Fitzroy, Falstaff und andere furiose Menschmaschinen“, „Adam“ und „Der Fall Rohrschach“, aber das heißt nicht das die anderen Geschichten deswegen schlechter sind – die Auswahl fällt mir hier tatsächlich schwer. Nicht die beste Anthologie die mir André hat zukommen lassen – dieser Titel bleibt Blutroter Stahl vorbehalten – aber zusammen mit Gamer ein entschiedener Platz zwei.

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