Mater Ecclesia

Eine Rezension zu den Chroniken der Engel von Infernal Teddy

Rollenspiel
Engel 2.0
Traumsaat
Himmel über Aachen (Caninus)

Romane:
Hiobs Botschaft
Homini Lupus (Caninus)
Deus Vult (Caninus)
Apocalyptica (Caninus)
Apocalyptica

Sonstiges:
Pandoramicum
In The Nursery – Engel

Es ist mittlerweile schon wieder etwas länger her das wir uns an dieser Stelle über Die Chroniken der Engel unterhalten haben, und mir kommen langsam berechtigte Zweifel, ob es mir gelingen wird, die Reihe vollständig besprochen zu haben bis die neue, FATE-basierende Version erscheint. Wir hatten zuletzt über die Traumsaat gesprochen, der Kreaturensammlung für das Europa des 27. Jahrhunderts, heute geht es an die erste große Erweiterung des Spiels, sowohl was die spielbaren Optionen angeht, als auch den Hintergrund, nämlich Mater Ecclesia, dem Quellenbuch rund um die heilige Mutter Kirche.

Das Buch selbst ein ein schicker Hardcoverband, dessen Aufmachung und Farbgebung sich an die bisher erschienenen Bänder der Reihe orientiert. durch die vielen weißen Zierelemente wirkt das Cover sehr unruhig, was aber den Gesamteindruck nicht schmälert. Das Layout des 192 Seiten langen Buches entspricht dem, was wir mittlerweile von den Chroniken der Engel gewohnt sind, das Artwork für dieses Buch wurde bis auf das Kartenmaterial vollständig von Eva Widermann abgeliefert. Wenden wir uns dem Inhalt zu.

Aufgeteilt ist das Buch in fünf große Kapitel, der Einleitung, und den Anhängen, zu denen sich noch ein Index und ein Charakterbogen gesellt. Die Einleitung beschreibt, worum es in diesem Band geht, und wo innerhalb der Chronologie des Settings das Ganze angesiedelt ist – eine Invasion des isolierten Britanniens durch die Angelitische Kirche steht kurz bevor (Das wird uns in unseren nächsten drei Rezensionen verfolgen). Ein wenig ironisch ist allerdings der Passus, in dem erklärt wird das in diesem Band nicht alles zur Kirche gesagt wird, und man bestimmte Punkte in späteren Bänden nochmal aufgreifen und erklären wird – was dann bisher zumindest doch nicht geschehen ist. Aber genug Geschwätz über die Zukunft, wenden wir uns den Dienern des Herrn zu.

Das erste Kapitel, Credulitas et dogma, beschäftigt sich vornehmlich mit der Lehre und dem Leben in der Angelitischen Kirche. Zunächst wird in einer Art FAQ geklärt, was denn die Grundlagen des Glaubens sind – die Angelitische Kirche ist eben keine christliche Kirche, sondern hat von dieser nur gewisse Formen und Elemente übernommen. Es gibt nur Gott, dieser ist nicht dreigeteilt, und sonderlich barmherzig ist er auch nicht. Wenn überhaupt ist das angelitische Dogma eher mit dem Alten Testament als mit dem Neuen vergleichbar. Außerdem gibt es für uns Menschen weder Himmel noch Hölle, sonder diese Sind dem Schöpfer und dem Widersacher vorbehalten, wodurch die Kirche auch noch ein gnostisches bzw. zoroastrisches Element bekommt. Nach diesen Grundlagen geht es dann ins Detail. Die Weltanschauung der Kirche wird hier in verschiedenen Aspekten ausgeleuchtet und untersucht, und auch die Acht Gebote werden beschrieben, zusammen mit der Deutung der Kirche. Wo es aber Gebote gibt, gibt es auch Strafen, und gibt es auch Menschen, welche diese Gebote überwachen, und auch dieses Thema wird an dieser Stelle ausgeleuchtet, inklusive der Inquisition, und wie diese innerhalb der verschiedenen Orden agiert. Teil des angelitischen Rechtssystems ist natürlich auch das Lehnswesen, welche hier auch kurz angerissen wird – auch die Schrottbarone finden hier als weltlichen Teil dieser Struktur Erwähnung.
Im zweiten Kapitel wenden wir uns dann dem zu, was die Angelitische Kirche tatsächlich ausmacht – dem Klerus. Hier bekommen wir Einblick darin, wie der Klerus aufgebaut ist, sowohl im allgemeinen Überblick als auch in Bezug auf die einzelnen Orden. Es wird beschrieben wie der Eintritt in die Kirche und die ersten Jahre der Ausbildung von statten gehen, wie die Kloster in der Regel aufgebaut sind, und was das Leben in den Klostern ausmacht. Danach werden die fünf Hauptorden der Kirche genauer betrachtet, inklusive Zeichnungen der üblichen Trachten der Orden (Etwas, das der Rezensent sehr begrüßenswert findet). Interessanterweise finden sich hier aber nicht nur die großen Orden besprochen, sondern auch die „untergegangenen“ Orden, wie die Samaeliten oder die Ragueliten, von denen es ja nach wie vor noch ein paar Vertreter in der Welt gibt. Diese Kleriker können also – wenn der Spielleiter zustimmt – ebenso von Spielern eingebracht werden wie auch die der Gabrieliten oder Urieliten. Ein bestimmter „Arm“ der Angelitischen Kirche fehlt allerdings – die Krieger der einzelnen Orden.
Diese Soldaten des Herren werden nämlich im dritten Kapitel thematisiert. Der Fokus liegt in diesem Kapitel hauptsächlich natürlich auf die Templer der verschiedenen Orden, wie ihre Einheiten aufgebaut sind, wie sie ausgerüstet werden, und so weiter. Auch hier gibt es eine Zeichnung mit verschiedenen Templer und ihrer Ausrüstung, aber wo es im vorherigen Kapitel eine solche Seite pro Orden gab ist es hier eine Seite für alle fünf, was der Rezensent etwas… schade findet. Das Thema des vierten Kapitels wiederum ist etwas… unerwartet. hier werden auf wenige Seiten sowohl jene beschrieben, welche im Sold der Kirche stehen, als auch verschiedene Arten, wie die Kirche an Geld kommt. Das fünfte Kapitel ist das umfangreichste im Buch, und besteht aus einer großen Auswahl an NSCs, welche in irgend einer Form mit der Kirche in Verbindung stehen. Das beginnt mit Johannes zu Gemmingen, und arbeitet sich runter zu ganz gewöhnlichen Priestern. Dabei werden alle Charaktere mit Hintergrund und Motivationen beschrieben, mit Bild versehen, und mit den Werten, welche man benötigt um den Charakter im d20-System nutzen zu können.
d20-System ist da ein gutes Stichwort, der geneigte Leser ist an dieser Stelle nämlich am Anhang angekommen, welcher die Regeln enthält, welche man benötigt um ein Mitglied der Angelitischen Kirche im d20-System bauen und spielen zu können. Der Rezensent hat sich diese Regeln allerdings nicht sonderlich genau angeschaut, und geht davon aus das er damit nicht alleine ist. Abgerundet wird der band durch einen Index, welcher so karg ist das man sich wundern könnte, warum er überhaupt erstellt wurde, und einem neuen Charakterbogen, der sich nicht vom bisherigen unterscheidet.

Fazit:
Als Quellenband ist Mater Ecclesia großartig. Es füllt sehr viele Lücken im Setting auf, nicht nur jene, welche die Angelitische Kirche betreffen, und erlauben es so dem Spielleiter die Welt von Engel wesentlich glaubwürdiger zu präsentieren. Schade nur, das der Band für jede Frage, die er beantwortet, für jede Lücke die er stopft, drei neue aufweist. Besonders frustrierend ist das, weil ja in der Einleitung davon die Rede ist das bestimmte Informationen absichtlich vorenthalten wurden, um Material für Bücher zu haben, welche nie erschienen sind. Interessant ist auch das Material, um einen Diener der Angelitischen Kirche spielen zu können. Ich sage bewusst interessant und nicht praktisch, weil ich ehrlich gesagt nicht wüsste, warum man das tun sollte, wenn man einen Engel spielen kann. Apropos Engel – über die namensgebenden Spielercharaktere ist hier herzlich wenig enthalten. Zu den großen Schwächen der Spielreihe gehört ja, das die Handlung des Metaplots die Engel völlig außen vor lässt, etwas, das hier besonders deutlich wird. Alles in allem aber ein guter Band, der sich für den Engel-Spielleiter lohnt.

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