Joe Dever’s Lone Wolf App

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Der Einsame Wolf ist nicht totzukriegen. Nachdem er neulich den Sprung in den Ebookmarkt geschafft hat gibt es nun auch eine vollwertige Einsame Wolf App für Android und iOS. Wer dabei erwartet mit „Joe Dever’s Lone Wolf“ bloß eine Kopie der Spielbücher für sein Mobilgerät zu kriegen wird jedoch eines anderen belehrt…

Das das Lone Wolf Spiel etwas anderes sein will als ein interaktives E-Book macht schon der Einstieg in das Spiel klar. Erst nach einer Kamerafahrt auf einen 3D-Buchständer mit darauf liegendem Buch das sich schön animiert öffnet, gibt sich der Blick auf das Hauptmenü frei. Dieses ist dann auch wie der Großteil des Spiels als altes Buch designt, das zusammen mit schöner Hintergrundmusik einiges an Stimmung erzeugt. Danach wird die App (erst einmal) klassischer. Vor unseren Augen entsteht ein Text der uns erklärt das nun wir es seien die diese Geschichte in der Hand haben und was es so mit dem Einsamen Wolf auf sich hat. Danach geht es auch schon an die ersten Entscheidungen. Die sind interessanterweise nicht unmittelbar in den Text eingebettet sondern stellt sich als eine Art Entscheidungsrad dar, bei dem mehrere Entscheidungsmöglichkeiten (meist 2-3) durch eingängige Symbole dargestellt werden. Durch einen Touch geben diese dann auch den Text zur Entscheidungsmöglichkeit frei und ein weiterer Touch in die Mitte des Rades bestätigt unsere Wahl…

Was vielleicht etwas umständlich oder zumindest ungewohnt wirkt gibt den Ansatz des Spiels gut wieder. Obwohl es im Kern eine interaktive Spielbuchgeschichte ist, wurde diese um modernere Spielmechaniken erweitert. Die App will mehr sein als ein bloßes Replika eines Spielbuchs, und das macht es gewöhnungsbedürftig aber erstaunlich gut.

Zum Ersten wäre da das jederzeit abrufbare Inventar, ein sich langsam aufbauendes Glossar, ein Questtagebuch und eine klassische Lebenspunktanzeige die eher aus PC-Rollenspielen als einem Spielbuch übernommen wurden. Dann wäre da eine Karte die uns nach gewissen Erzählabschnitten vor Reiseentscheidungen stellt und so die Welt weiter visualisiert. Das wäre für sich genommen nicht sonderlich innovativ, wird aber um weitere Mechaniken erweitert. Die wichtigste Mechanik dabei sind sogenannte QTEs. Dabei handelt es sich um schön animierte Touchanweisungen die die Reaktion des Spielers fordern. Statt zu würfeln wird man beispielsweise in manchen Situationen aufgefordert möglichst schnell wiederholt auf einen Punkt zu drücken um einen Kreis in einer gewissen Zeit zu füllen. Andere QTEs erfordern Swipes in eine bestimmte Richtung, einen Touch wenn sich zwei Kreise treffen etc. Solche Reaktionsspiele sollen die Intensität des Spiels erhöhen und finden insbesondere bei kämpfen Anwendung. Die Kämpfe sind dann auch das unerwartetste Moment des Spiels.Während normale Erzählabschnitte durch kleine Tusche-Bilder illustriert werden und sich manchmal stimmungsvolle „ganzseitige“ und leicht animierte Tuschbilder finden, spielen sich die Kämpfe in moderner 3D-Grafik ab. Eine gelungene Überblendung führt uns in eine 3D-Szenerie in der wir verschiedene Kampfoptionen auswählen können und diese mittels diverser QTEs verstärken können. So wird das Werfen von Dolchen Beispielsweise durch Präzisions-QTEs (drücken wenn sich zwei Kreise treffen) umgesetzt, ein Schlag der uns zu Boden schmeißt kann mit einem rechtzeitigen Swipe nach oben beantwortet werden und Swipes auf die Gegner erlauben uns Zusatzschläge. Das ganze spielt sich gewöhnungsbedürftig aber nach etwas Übung durchaus flüssig und allemal anders als gewohnt.

Ähnlich verhält es sich mit einem weiteren Minispiel. Wollen wir bestimmte Schlösser knacken sollen wir dies mit Hilfe von Dolch und Dietrich lösen, was in sauberem 3D geschieht, aber eine ziemlich frickelige Angelegenheit darstellen kann. Während einige Rezensenten das Schlösserknacken gelungen und machbar finden, habe ich mich – nachdem mein gesamter Dietrichvorrat beim ersten Schloss draufgegangen ist – gegen jedes weitere Schlossknackspiel entschieden…

Inhaltlich wurde sich grob an der Einsame Wolf Spielbuchvorlage orientiert, das eigentliche Abenteuer ist aber in der Form völlig neu und wurde wirklich gut umgesetzt. Die Spieldauer des ersten von mindestens 3 angekündigten Kapiteln sollte bei etwa 1-2Std liegen, wobei ich es noch nicht zu Ende gespielt habe, so dass ich nur grob mutmaßen kann. Der Wiederspielwert hält sich trotz Charaktererstellung in Grenzen da die meisten Gabelungen nur wenige Alternativen ermöglichen, dies sollte sich aber mit den zukünftigen Kapiteln ändern.

Fazit

Joe Devers Lone Wolf App geht neue Wege die gewöhnungsbedürftig aber gut umgesetzt wurden. Leider fällt der Preis mit ca. 5€ Pro (immerhin recht ausführlichen) Kapitel etwas hoch aus und stürzt das Spiel zumindest auf dem iPad Mini häufiger ab. Auch sind die Schriften nicht perfekt eingebettet so das einleitende Anführungszeichen durch Kästchen ersetzt werden…

Das Spielgefühl ist insgesamt sehr stimmig und bietet eine interessante Mischung aus eher passivem Spielbuch- und aktivem Computerspielerlebnis. Für Einsame Wolf Fans ist die App allemal empfehlenswert und wer sich für eine etwas andere Spielbuchumsetzung interessiert sollte ebenfalls zuschlagen. Einen guten Einblick der fast alle Spielmechaniken zeigt findet sich außerdem im Trailer.

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