Hobbit-Geschichten aus dem Grünen Drachen

Eine Kartenspielrezension von Infernal Teddy

Ich bin ganz ehrlich: der Uhrwerk Verlag gehört nicht unbedingt zu den Publishern in Deutschland die ich automatisch mit Brett- oder Kartenspielen in Verbindung bringen würde. Um so überraschter war ich als wir von eben jenem Verlag ein nettes kleines Kartenspiel zugeschickt bekamen – angesiedelt in Mittelerde, von den Autoren des Rollenspiels Der Eine Ring, und laut Verpackung sogar mit der Möglichkeit, das Kartenspiel im Rollenspiel zu verwenden. Schauen wir uns das Ganze also mal an.

Hobbit-Geschichten aus dem Grünen Drachen kommt in einer netten kleinen Pappschachtel daher, und erinnert von der Gestaltung auch direkt an das Rollenspiel. Innerhalb der Schachtel finden sich neben dem sechszehnseitigem Regelheft und einem kleinen Spielbrett 115 Spielkarten im „üblichen“ Tarotformat (Davon 75 Abenteuerkarten, die anderen 40 sind Gefahrenkarten), einen zwölfseitigen Würfel und einen Bogen mit Counter. Ach ja, und fünf Bierdeckel – auf deren Bedeutung war ich ganz besonder gespannt. Das Spiel gibt als Mindestalter 13+ an, und ist für zwei bis fünf Spieler gedacht. Worum geht es jetzt in diesem Spiel? Hobbit-Geschichten ist ein Erzählspiel, bei dem die Spieler sich in der Rolle von Hobbits gegenseitig Geschichten in der Kneipe „Zum Grünen Drachen“ erzählen, und wer die beste Geschichte erzählt, gewinnt. Aber wie funktioniert das jetzt?
Zunächst wird ein Spieler zum Erzähler bestimmt, und zieht vier Karten vom Abenteuerstapel. Die anderen sind für diese Runde „Gefahrenspieler“, und ziehen eine Anzahl von Gefahrenkarten die von der Anzahl Gefahrenspieler abhängig ist. Danach zieht der Erzähler erneut zwei Karten, und schaut sie sich an. Eine davon legt er offen auf das erste Feld des Spielbretts – das ist die Eröffnung, mit der seine Geschichte beginnt. Die andere Karte wird verdeckt rechts neben dem Brett gelegt – hierbei handelt es sich um das Epilog, die Karte mit der die Geschichte beendet wird. Der Erzähler beginnt nun eine Geschichte zu erzählen, ausgehend von der Eröffnungskarte. Der Erzähler muss sich dann von Handkarte zu Handkarte eine Geschichte zusammenstricken. Jedes mal wenn dabei eine seiner Handkarten Teil der Geschichte wird legt er sie auf das Spielbrett aus, und die Gefahrenspieler dürfen versuchen Gefahrenkarten auszuspielen. Allerdings darf eine Gefahrenkarte nur ausgespielt werden wenn bestimmte Symbole auf der Gefahrenkarte auch auf den ausliegenden Abenteuerkarten vorliegen. Sobald eine Karte ausgespielt worden ist wird dann gewürfelt – ist das Ergebnis höher als der Gefahrenwert auf der Karte (Oder es wird das Augensymbol gewürfelt) war der Wurf erfolgreich, und die Abenteuerkarte wird vom Spielfeld genommen. Außerdem bekommt der Gefahrenspieler einen Prostmarker, welchen er verdeckt zieht und unter seinem Bierdeckel versteckt. Ist der Wurf ein Misserfolg kann der Erzähler weiter seine Geschichte erzählen, und wenn eine „Gandalf-Runde“ gewürfelt wird darf er sogar einen Prostmarker ziehen. Sollte der Erzähler keine Handkarten mehr haben, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende (Sprich, es sind noch Felder auf dem Spielbrett offen) darf er nachziehen um die Geschichte abzuschließen – kommt da allerdings noch eine Gefahrenkarte dazwischen ist seine Geschichte vorbei und er muss seine Geschichte schlecht ausgehen lassen. Der Erzähler zieht dann so viele Prostmarker wie er Karten auf dem Spielbrett liegen hat, und gibt dann die Rolle des Erzählers an den nächsten Spieler weiter. Wenn alle Spieler einmal an der Reihe waren ist die Partie zu ende, und es werden Prostmarker gezählt – wer am meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Es gibt noch ein paar optionale Regeln mit denen man das Spiel ändern kann, aber im Großen und Ganzen war es das. Die Regeln machen die Hälfte des Regelheftes aus – die andere Hälfte wird hauptsächlich von einem SEHR ausführlichen und gut beschriebenen Spielbeispiel gefüllt, welches die Regeln nochmal verdeutlicht. Den Abschluss bilden zwei Seiten Regeln um Hobbit-Geschichten statt Würfelwürfe für Gefahrenepisoden im Der Eine Ring-Rollenspiel einzusetzen. Da ich allerdings das Rollenspiel nicht kenne fällt es mir schwer, diese Regeln zu kommentieren. Die Idee jedenfalls gefällt mir.

Fazit:
Hobbit-Geschichten aus dem Grünen Drachen ist einfach ein sehr nettes kleines Spiel. Die Regeln sind kurz, elegant, und einfach zu erklären, die Komponenten sind schön gestaltet und von hoher Qualität, und insgesamt macht das Spiel einfach Spaß. Wie Eingangs schon gesagt wird das Spiel empfohlen ab 13 Jahren, und ich denke, das ist auch durchaus gerechtfertigt, auch wenn man manchen Kindern das Spiel schon früher vorsetzen kann. Was das Spiel vor allem auch ist, ist eine getarnte „Einstiegsdroge“ – vom Geschichtenerzählen mit diesem Kartenspiel zu richtigen Rollenspielen dürfte es nur noch ein kurzer Schritt sein. Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen das dieses Spiel auch sehr gut geeignet ist für Erwachsene für zwischendurch, entweder weil man Abwechslung braucht, oder während man auf den Spielleiter wartet. Bleibt nur zu hoffen das es dem Uhrwerk-Verlag gelingt das Spiel dort zu platzieren wo es hingehört, nämlich im Spielwarenhandel.

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