Gesinnungen: Die Kehrseite – Nekromantie

Ein Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs von Infernal Teddy

Vor kurzem habe ich noch über den Paladin gesprochen, und wie dieser über seine Gesinnung definiert wird, bzw. von dieser eingegrenzt wird. Der Charaktertyp, über den ich heute mit euch reden möchte, wird in vielen Rollenspielen ebenfalls – direkt, wie in D&D oder auch DSA, oder indirekt wie in den meisten anderen Rollenspielen – durch seine „Gesinnung“ definiert. In fast allen Fantasywelten (Wie in allen mir bekannten realen Kulturen) wird das stören der Toten, und dazu gehört wohl auch das animieren der Toten, als ein böser, und verwerflicher Akt angesehen, und so verwundert es nur wenig das der Nekromant als jemand angesehen wird, der dem Pfad der „linken Hand“ folgt, der sinistren Magie. Ich habe ja schon mal hier auf Neue Abenteuer über Nekromantie geschrieben,und darüber, das diese Spielart der Magie fast immer als etwas Böses angesehen wird. Schließlich geht es ja in der Nekromantie nicht nur um die Störung der heiligen Totenruhe, sondern – wie Giovanni-Spieler wahrscheinlich am Besten wissen – auch und vor allem um den Tabubruch und um das Überschreitender religiöser Gesetze, um daraus Macht abzuleiten. Aber MUSS der Nekromant denn zwangsläufig böse sein, oder kann er auch nur… missverstanden sein? Ist der Nekromant unter Umständen ein Charakter, dessen Zweck die Mittel heilt, dessen Pragmatismus ihn zum wahren gegenstück des idealistischen Paladins macht?

In gewisser Hinsicht ist der Nekromant im Rollenspiel das Gegenstück zum unmoralischen Gelehrten des Schauerromans, vor allem am Beispiel des Victor von Frankenstein festzumachen. Er sucht macht und Erkenntnis, welche weiter über das hinausgehen was den meisten Charakteren vergönnt ist, und dazu bereit, für dieses Wissen „über Leichen zu gehen“ (Man sehe mir das Wortspiel nach). Im Schauerroman – und oft auch im Rollenspiel ist dieses Wissen, diese Macht, entweder reiner Selbstzweck oder dient der persönlichen Bereicherung. Doch ab und an sieht man auch mal Beispiele für Nekromanten, welche diesem Vorurteil eben nicht entsprechen. So gibt es im d20-Setting der Scarred Lands von Sword & Sorcery Studios (Bzw. neuerdings Onyx Path) die Stadt Hollowfaust, welche von Nekromanten regiert werden, und welche ihre unheilige Macht dazu einsetzen, die Stadt durch untote Legionen zu schützen. Diese Nekromanten mögen nicht unbedingt gemäß den Definitionen des D&D-Gesinnungssystems „Gut“ sein, aber in ihrem Bestreben, die Gemeinschaft zu schützen fällt es schwer, sie direkt als „Böse“ zu verdammen. Ähnliches gibt es auch im Warhammer Fantasy-Rollenspiel, wo zumindest in der ersten Edition es die eine oder die andere Stadt gab, in der Untote verwendet wurden, um die Kanalisation sauber und funktionsfähig zu halten. Ich gebe zu, ich weiß nicht, wie DSA die Nekromantie betrachtet, aber ich vermute stark, dass es dort unter die Aufsicht der Schwarzmagier, Borbaradianer und ähnliches Gesocks fällt, und das die Diener des Totengottes davon nicht sonderlich begeistert sind.

Können Nekromanten also Gut sein? Sicher, warum nicht? Zugegeben, sie werden – in meinen Augen – niemals wie Paladine Rechtschaffen-gut sein können, dafür basiert Nekromantie einfach zu sehr auf den Tabubruch und auf die gezielte Verletzung kultischer und kultureller Maßregeln, aber Neutral Gut? Chaotisch Gut? Warum eigentlich nicht. Letzten Endes werden aber, wenn man es sich genau betrachtet, die meisten Nekromanten, egal was ihre Kritiker sagen, eher im grauen, grauen Bereich der neutralen Gesinnungen zuhause sein – was mein Argument stützt, Gesinnungen machen nur bei Charakteren mit strengen Handlungscodices wirklich Sinn.

11 Kommentare zu Gesinnungen: Die Kehrseite – Nekromantie

  1. Der Nekromant muss nicht einmal missverstanden werden, die Kernfrage ist ob Nekromantie ethisch betrachtet als Tabu empfunden wird – was es in den meisten Systemen wo es konkrete Verteilung von gut und böse oder auch dem „Leben nach dem Tod“ gibt, als solches dargestellt wird. Aber auch hier kann man den Kult definitiv philospohisch packen.
    Warum sollte ein Paladin nicht die gefallenen Krieger zum erneuten Dienst für Ihren Gott herbeirufen? Und schon hat man den rechtschaffen-guten Paladin-Nekromanten.

    • Infernal_Teddy // Februar 28, 2016 um 07:37 // Antworten

      Es ist halt die Frage, in was für einem Universum man spielt – ist es eines wie Aventurien, Eberron oder unsere Welt, so wäre der Nekro-Paladin durchaus denkbar (auch wenn aus magischer und philosophischer Sicht die Frage nach der Macht durch den Tabubruch bleibt, aber da wären wir bei okkulten Grundlagentheorie).

      Sprechen wir allerdings von einer typischen D&D Welt oder Golarion, wo gut und böse Teil der Naturgesetze sind, dann wird es schon wieder schwieriger.

      • Wobei gerade in D&D das Wiederbeleben fester Bestandteil ist – wer ist mit seinem Helden nicht schon mal gestorben. Leiche zum nächsten Kleriker, Diamant auf den Altar und 2min. später steht der Gefallene wieder in den eingenen Reihen.
        Die Frage ist in Golarion wo ich mich mit der Philosophie am ehesten auskenne eher in der Energie begründet. Ist die Seele – also postive Energie – im Körper zurück ist alles gut und schön geschieht die Rückkehr durch negative Energie (zB. Lich oder Vampir) die ja ansich immer noch verantwortungsvoll handeln könnten, ist es automatisch böse.

        Dazu geben Untote einfach grundsätzlich weltenübergreifend viel zu gute Gegner ab, um sie als Kreaturen des Guten in einem System erscheinen zu lassen.

        • Infernal_Teddy // Februar 28, 2016 um 13:11 // Antworten

          Wiederbeleben ist aber auch keine Nekromantie, sondern ein göttliches Wunder 😉

          • Barak Thor // Februar 28, 2016 um 13:20 //

            Eine Beschwörung des 5. Grades

          • Infernal_Teddy // Februar 28, 2016 um 13:26 //

            Aber immer noch ein klerikaler Zauber, und damit ein göttliches Wunder 😉

          • Barak Thor // Februar 28, 2016 um 13:32 //

            arkan substituierbar und von Hexen und Schamanen die keinem Gott folgen einsetzbar

          • Infernal_Teddy // Februar 28, 2016 um 13:34 //

            Hexen und Schamanen sind aber divine (=göttliche) Caster.

          • Barak Thor // Februar 28, 2016 um 13:41 //

            Hexen sind Arkan
            Und Divine ist nicht auschließlich göttlich sondern eher als systemisch zu verstehen. Druiden zB. können die Kraft aus der Natur selbst ziehen müssen dafür aber nicht zwangsläufig den Naturgott verehren (Die können übrigens auch noch Reinkarnieren)

    • Tatsächlich gibt es auch in Aventurien so etwas in die Richtung. Ich möchte dich (und du da, der du das gerade mitliest) nicht spoilern, deswegen werde ich nicht ganz konkret.
      Tatsächlich gibt es einige Geweihte oder gewissenhafte Diener der Zwölfe die nach dem Tod wieder ins Leben zurückgerufen wurden, als wandelnde Leichen – um im Kampf gegen die Schwarzen Lande mitzuwirken.

      Es war zugegebenermassen kein NEKROMANT sondern Boron selbst. (btw, ich habe mal gehört das der Boron-Kult in Myranor auch Untote verwendet … vermutlich in Massen und nur ausgewählte Untote die Borongefällige Aufgaben erledigen … in Aventurien eher undenkbar. Oder zumindests ziemlich geheim. Who knows ^^)

  2. Torben von Gareth // Februar 28, 2016 um 00:58 // Antworten

    Barak Thor hat es schon erkannt. Die Frage ist nicht, ob Nekromantie gut oder böse ist. Die Frage lautet: Wer dafiniert sie so? Und die letzte Frage: Wie definiert der Leser/die Gruppe/der Schreiber/… die Nekromantie?
    Ich für meinen Teil definiere sie nicht gut bis böse (weil sie z. B. die Ruhe der Toten stören). Aber ich bin ja auch DSA-V123-geprägt :-).

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