Ein Magier auf Abwegen – Teil 7

Der Plan

„Wunderbar.“ Sie selbst klatschte kurz in die Hand und der ältere Herr kam mit einem Kelch und einer Karaffe voller rotem Wein wieder. „Nun, dann beginn zu erzählen.“ Sagte sie zu mir, wedelte auffordernd mit der Hand.
„Äh… wie? Worüber denn? Da werdet ihr mir schon ein bisschen genauer sagen müssen, womit ich euch informieren kann.“ Ich schaute sie leicht verwirrt an. Was will sie denn?
Die Dame lächelte mit weißen makellosen Zähnen. „Nun, was hat euch hierher verschlagen, worin zeichnet ihr euch aus und was sucht ihr hier.“
Ich nickte leicht mit dem Kopf und lächelte sie dann ebenfalls an.
„Was mich hierher verschlagen hat? Das fragt ihr noch? Immerhin besteht ja wohl hier eine vernünftige Chance, dass ich meine Talente tatsächlich nutzten kann und nicht wie überall sonst meine Zeit mit unnützem Zeugs verschwenden muss, nur weil es der derischen Obrigkeit nicht gefällt, dass wir mehr Macht erlangen könnten, wenn wir wollten!
„Aber sprechen wir da nicht drüber… ihr wisst mit Sicherheit, dass ich nicht ohne Grund hier aufgetaucht bin und auch mit Sicherheit nicht so unverschämt bin und eure Zeit stehle, wenn ich nicht wirklich Ahnung hätte. Ihr fragt nach Dingen mit denen ich mich auskenne, ja? Und ihr habt meine Siegel gesehen, so dass ihr eigentlich wissen müsstet womit ich mich beschäftigt habe. Wenn es auch weniger die Untoten, als die Wesen der siebten Sphäre waren mit denen ich viele Erfahrungen gesammelt habe.“ Hoffentlich war das nicht zu dick aufgetragen.
„Mit den Wesen der siebten Sphäre. Keine wirklich schlechten Voraussetzungen um hier arbeiten zu können.“ Schmunzelte sie, der Herr schenkte ihr Wein ein und sie nippte mit zufriedenem Lächeln an diesem. „Und welche Vorstellungen hast du, wie würdest du dich selbst am sinnvollsten einsetzten. Verstehe mich bitte nicht falsch, wir brauchen hier jeden ausgebildeten Magier, mit den Hexen und Scharlatanen kann man nicht arbeiten, mich interessiert nur deine Person.“
„Natürlich kann man das nicht. Die haben ja auch keine fundierte Ausbildung und auf Glück alleine sollte man sich bei den Sachen mit denen wir uns beschäftigen wohl nicht verlassen…“
Ich schenkte ihr den entsprechenden Blick zu der Aussage.
„Und da ich leider nicht weiß was ihr überhaupt benötigt, werde ich die Auswahl eine passenden Stelle wohl euch überlassen müssen.“
Die Frau winkt ab. „Du machst dir keine Vorstellungen. Ich habe in Rashdul studiert und muss mich nun mit Scharlatanen abgeben, die meist nur Dilettanten sind, kaum mehr zustande bringen als einen Apfel schweben zu lassen.“ Sie verdrehte die Augen. „Insgesamt sind neben uns beiden noch drei ausgebildete Magier in der Stadt, wobei zwei als persönliche Getreue von Xeeran und Galotta hier sind. Wir bereiten derzeit alles für ein großes Ritual am Friedhof vor, aber der Zeitplan des Herren wird ohne jedes Problem eingehalten.“
„Drei nur? Ich hatte mit mehr gerechnet. Immerhin ist das doch die Chance etwas zu erreichen, oder nicht? Aber vielleicht sind sie einfach noch nicht reif genug dafür…“
Ich zuckte unwillkürlich mit den Schultern.
„Dieses Ritual… um was soll es gehen. Vielleicht kann ich da ja helfen.“
Amasa nickte nur. „Es war schone eine Heidenarbeit diese drei mit zu bekommen, wobei ich zwei kaum zu Gesicht bekomme. Ich wurde von dem Dämonenmeister selbst beauftragt und Xeeran stellt mir fünf Hexen und zwei Druiden des Eises zur Verfügung. Als ob einer von diesen animalischen Zauberern auch nur wüsste wie man ein Magnus Opus schreibt, also die entsprechenden Runen. Genau darum geht es auch. Auf dem Friedhof liegen fast 20 Generationen von Bewohnern der Stadt und diese sollen gerufen werden.“ Insgesamt wirkte die Frau wie eine brillante Planerin, aber keine berauschende Geheimagentin oder Auftraggeberin.
„Wozu, wenn ich fragen darf?“ Ich zog dabei beide Augenbrauen hoch, wie ich das gewöhnlich mache, wenn etwas eher suspekt aussieht.
„Und ich fürchte, allzuviel weiß ich darüber auch nicht, da ich mich, wie bereits gesagt, eher weniger mit den Toten beschäftigt habe. Aber vielleicht helfen Kenntnisse über Dämonen von Tijakool etwas weiter.“
Sie überlegte kurz. „Nun, ein waschechter Nekromant wäre mir lieber gewesen, aber ich gehe davon aus, dass du Zhayad schreiben und sprechen kannst, nicht? Und das du die einzelnen Glyphen für die Manifestation kennst.“ Sie nickte leicht. „Es soll ein zweites Heer aufgestellt werden unter der Kontrolle von Rhazzazor. Soweit ich es weiß. Ich persönlich meide den Drachen.“
Ich nickte leicht. „Natürlich kann ich das…“ Und zögerte kurz. „Der Drache, hmm? Ist bestimmt eine beeindruckende Gestalt, oder?“
Man könnte fast meinen der Frau lief ein kalter Schauer über den Rücken. „Beängstigend trifft es wohl eher. Vier Mitglieder unseres Standes habe ich in den letzten Wochen an ihn verloren. Bitte, tritt du ihm also derzeit noch nicht gegenüber.“ Sie schüttelte seufzend den Kopf. „Aber ja, der untote Drache ist sehr beeindruckend.“
Auch ich schauderte. Bestimmt nicht schön von einem untoten Drachen gefressen zu werden… da kann man dann noch aus dem Hals raus sehen oder so.. brrr. „Aber wenden wir uns doch vielleicht angenehmerem zu… Was also ist zu tun?“
„Nun, es müssen noch einigen Glyphen aufgetragen werden, das Hauptheptagramm wird derzeit schon von meinen Schülern gezeichnet, vorerst müssen wir bis Sonnenuntergang warten und können uns auf eine sehr arbeitsintensive Nacht vorbereiten.“ Sie lächelte leicht matt, schüttelte dann aber den Kopf. „Insgesamt stehen 7 sehr gute Astraltränke zur Verfügung, sowie 20 Personen für die Opferung.“
Ich zögerte leicht. „Mit menschlichen Blutopfern hab ich noch nie gearbeitet…“
„Nun, ein sonderliche großer Unterschied zu tierischen besteht dabei auch nicht. Und wenn du, wie ich vermute, bei der Hauptbeschwörung mitwirken wirst, wird es auch wohl nur ein direktes Opfer sein, den Rest der Energie stellen die Akolythen über einen Unitatio zur Verfügung.“ Kurz zögerte sie. „Du beherrscht diesen Zauber, nicht?“
„Hmm“ Ich nickte. „Aber nicht so besonders gut. Ich hatte bisher kaum Gelegenheit ihn zu üben.“
„Dann wirst du keinen der 4 Kreise anführen, solange du wenigstens die Grundlagen beherrscht. Vielleicht gibt es ja ein Buch in dem er beschrieben wird und das sich hier findet.“ Sie überlegte kurz. „Ich müsste einmal nach schauen. Hast du noch Fragen?“
„Ja. Gibt es einen Ort an dem ich nächtigen kann? Diese Taverne in der ich letzte Nacht war, sagte mir mal so gar nicht zu.“
Ich schaute sie leicht gequält an. „Diese ganzen dreckigen Söldner…“
Die Frau nickte, wirkt aber kurz nachdenklich. „Ja, ich denke es lassen sich Zimmer in einem der noch erhaltenen Herrenhäuser finden. Solange musst du hier im Haus wohl erst einmal mit diesem Zimmer vorlieb nehmen. Fürs Studium. Ich selbst werde gleich wieder zum Friedhof gehen.“
Studium? „Was für’n Studium?“ fragte ich etwas ratlos.
„Nun, um deine Wirkung des Unitatio noch einmal zu wiederholen. Heute Nacht sollte die Matrix ohne Probleme für euch funktionieren, nicht als Leiter, aber als ein Kreismitglied.“ Lächelte sie dann.
„Ich werde aber jetzt nichts in ein paar Stunden lernen, was ich nicht schon weiß. Mir fehlt lediglich die Übung. Sonst nichts,“ bemerke ich recht abfällig.
„Dann übe.“ Erwiderte sie und erhob sich dann. „Ich werde in einigen Stunden wieder im Haus sein.“
„Herrje, wie…,“ ich verkniff mir hässliche Worte, „ihr wisst worum es bei dem Zauber geht. Das kann man nicht alleine üben!“
Sie seufzte leicht. „Nun, indem ihr fragt ob derzeit jemand dafür Zeit hat.“ Belehrte sie mich in lehrerhaftem Tonfall. „Und ja, es hat derzeit jemand Zeit und ich werde ihn zu dir schicken, einen Scharlatan, ein Marktzauberer.“ Damit öffnete sie die Tür. „Gibt es sonst noch Fragen?“ Ganz die Lehrerin zur Klasse.
So langsam wurde ich wirklich ärgerlich. „Euch sollte doch wohl bewusst sein, dass üben mit einem der nie gelernt hat wie man vernünftig Magier wirkt kaum von Nutzen sein kann, oder irre ich mich da und ihr tut nur so als hättet ihr Ahnung?“
Die Frau drehte sich ruckartig zu mir um und kurz blitzte es gefährlich in ihren Augen auf. „Nun, es hat auch wenig Sinn, einen dummen Sturkopf in ein Projekt mit einzubinden, an dem sehr viel hängt. Scheinbar willst du ja wieder zurück zu deinen besoffenen Söldnern. Bitte,“ Ihr Finger deuteten zur Tür. „Du bist nicht so wichtig wie du vielleicht glaubst.“ Schnaubte sie aus.
„Ich selbst habe sowohl Hexen als auch Scharlatanen den Unitatio beigebracht. Sie beherrschen ihn sogar in gildenmagischer Repräsentation. Ich erwarte von allen Teilnehmer, dass sie den Zaubern wenigstens ausführen und mehrere Stunden halten können.“
„Hmmpf. Dann werde ich eben warte.“ Ich wendete mich demonstrativ von ihr ab.

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