Drachenbrut

Eine Shadowrun-Rezension von Infernal Teddy

Einer der Punkte an der sich Shadowrun von allen anderen Cyberpunk-Rollenspielen unterscheidet ist die Einbindung von Elementen die man traditionell als der Fantasy zugehörig betrachtet – Elfen, Magie, Orks und, natürlich auch Drachen. Drachen sind in Shadowrun nicht einfach nur besonders große Monster die besonders tolle Schätze bewachen, sondern zum Teil unglaublich mächtige Figuren in Politik und Wirtschaft – der größte Konzern der Sechsten Welt gehört und wird geführt von Lofwyr, einem Drachen. Es war also nur eine Frage der Zeit bis zu den Drachen ein Quellenbuch für Shadowrun Vierte Edition erscheinen würde. Doch wie bereichert ein solches Buch die Kampagne eines Spielleiters? Was bringt dieses Buch der Gruppe die sich nicht mit den oberen 5000 der Shadowrun-Welt beschäftigt? Hoffen wir mal das Drachenbrut diese Fragen beantworten kann.

Pegasus hat und dieses Buch als PDF zur Verfügung gestellt, was natürlich mein Rezensionsschema ein wenig über den Haufen wirft. Ich nutze normalerweise keine PDFs, und habe entsprechend auch weder ein Gerät um unterwegs PDFs zu lesen (Weswegen diese Rezension so lange in Arbeit war), noch habe ich Ahnung was denn ein wirklich tolles PDF ausmacht. Die Datei ist 13 MB groß, und lässt sich auf jeden Fall durchsuchen. Das Blättern im Dokument macht zumindest auf meinem Rechner keine Probleme. Layouttechnisch entspricht alles dem Druckerzeugnis, mit farbigem Cover und Inhalt in Schwarz/Weiß. Das Cover zeigt einen Drachen der gerade mit Raketen beschossen wird, und wirkt ein wenig… verwaschen? Unscharf? Jedenfalls wirkt es auf mich nur mäßig gelungen.

Nach einer einseitigen, settinginternen Einleitung die auch andeutet das jedermanns Lieblingsdecker Fastjack langsam senil wird und einer zu vernachlässigenden Kurzgeschichte steigt der Text direkt in die Vollen – „Der Krieg aus der Drachenperspektive“. Es scheint als wäre der in Verschwörungstheorien angedeutete Bürgerkrieg unter den Drachen mittlerweile ziemlich heiß geworden, während gleichzeitig einige der Drachen sich dafür stark machen, der Metamenschheit klar zu machen wer hier der Boss ist. Bei diesem Kapitel hatte ich phasenweise das Gefühl, ich hätte irgendwie ein paar Veröffentlichunge verpasst, da immer wieder Hinweise auf Ereignisse auftraten, von denen ich mich nicht daran erinnern kann sie gelesen zu haben. Jedenfalls scheint der Konflikt unter den Flugechsen sich immer weiter und immer globaler auszuweiten, und die wichtigsten Spieler in diesem Kampf werden hier vorgestellt. Die Hauptakteure sind natürlich Lofwyr und Hestaby, die beide von sich behaupten könnten, die Erben des verstorbenen Dunkelzahns zu sein. Auch Ghostwalker spielt hier eine Rolle, zusammen mit den Veränderungen die sich durch seine Abwesenheit und Wiederkehr ergeben haben (Ich werde das Gefühl nicht los das es gerade hier viele Bezüge zur amerikanischen „Mission„-Kampagne gibt, die ich nicht verstehe weil ich die Kampagne nicht kenne). Zuletzt gehört hier auch Sirrurg zu den wichtigsten Akteuren, da seine Attacken gegen Atzlan dazu beigetragen haben das der Konflikt sich auf die Metamenschheit ausweitet.

Kapitel zwei nimmt sich dann Organisationen und Einzelpersonen vor, die entweder direkt oder indirekt im „Drachenkrieg“ involviert sind, hier finden wir so illustre Personen wie Harlekin, aber auch die Draco Foundation, Ryan Mercury und seine Drake-Zuflucht, und sogar der Konzerngerichtshof und die Vereinten Nationen. Hier zeigen sich … interessante Verwicklungen, wie zum Beispiel Hestabys Versuch die Kontrolle über die Zuflucht zu erlangen während sie gleichzeitig vorgibt für die Freiheit der Drakes einzutreten. nach einer weiteren vergessenswerten Kurzgeschichte folgt ein Kapitel das einige beispielhafte Situationen weltweit beschriebt, und wie diese sich aus dem Drachenkonflikt ergeben. Diese Ereignisse bieten eine interessante Persepktive, und können entweder als Grundlage eigener Runs oder gar Kampagnen dienen, oder als Beispiel für eigene Szenarien herhalten. Nach einer weiteren Kurzgeschichte (Mussten so dringend Seiten gefüllt werden?) folgen dann einige Kurzkapitel in denen eine Reihe von großen Drachen und ihre Handlungen in diesem Konflikt beschrieben werden: Aden (Machtbasis im Mittlerer Osten, wo er der Hauptkonkurrent für Lofwyr ist), Celedyr (In Wales zuhause und einer der treibenden Kräfte hinter NeoNet), Henequen (Einer gefiederten Schlange die hauptsächlich gegen Atzlan agiert), Damon (Einem musik- und medienbegeistertem Drachen aus Boston), Fucanglong (Einem „neuen“ Drachen der in China aufgetaucht ist), Kalanyr (Einem Drache der scheinbar eine Faszination für Radioaktivität entwickelt hat), Naheka (Eine weitere Gefiederte Schlange dessen hauptaugenmerk auf der Yakuza liegt), Perianwyr (Der sich in Denver zurückgezogen hat und wohl versucht sich aus dem Konflikt herauszuhalten), die Seedrachin (Von der immer noch nicht ganz klar ist ob sie existiert) und Urubia (Die wohl in Seattles Barrens haust und im Konflikt zwischen dem Tir und Kalifornien verwickelt war). Danach gibt es schon wieder eine Kurzgeschichte.

Der Kurzgeschichte folgt ein kurzes Kapitel über Antidrachenwaffen und -technologien, nach der nicht eine weitere Kurzgeschichte kommt sondern ein recht umfangreiches Kapitel über Drachen in der ADL, mit den wichtigsten Drachen, ihre Machtstrukturen und ihren Einflüssen. Als letztes gibt es ein Kapitel mit allen Spielrelevanten Werten (Nein, nicht für Drachen, sondern für im Band erwähnte und wichtige NSCs), zusammen mit einer Chronologie des Drachenkonflikts und der sehr groben Beschreibung einiger Horte. Und (*Seufz*) der obligatorischen, abschließenden Kurzgeschichte.

Fazit:
Die Sechste Welt wird immer gefährlicher. Das ist ja die Richtung die Catalyst für die Fünfte Edition vorgegeben hat, und dieser Band ist eindeutig teil der Einleitung zu dieser Entwicklung. Wo Drachen früher mit wenigen Ausnahmen sich relativ bedeckt hielten rücken sie mit diesem Band an die vorderste Front. Leider beschreibt das vorliegende Buch nicht wie eine Gruppe die nicht zu den Super-Duper-Toprunnern gehören die jede Woche mit Damien Knight davon wirklich profitieren soll – Spielleiter können natürlich ihre Runs auf Basis der Ereignisse in diesem Band entwerfen, aber davon sollten in der Regel die Charaktere nichts mitbekommen, womit der ganze Hintergrund an ihnen verschwendet wäre. Allgemein muss ich sagen das sich hier der Abwärtstrend in der Qualität bei Shadowrun fortsetzt den man schon bei Verschwörungstheorien feststellen ließ. Wenn sich der Trend in Gefahrenzuschlag fortsetzt (Rezension demnächst in diesem Theater) lässt das für die Zukunft von Shadowrun schlimmes befürchten, und damit meine ich nicht Settingintern. Mein Fazit: Enttäuschend.

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