Die Stahlhöhlen

Zwei Romane von Isaac Asimov

Heute mal eine Rezension eines Klassikers: Stahlhöhlen von Isaac Asimov, mit einem der bekanntesten Sci-Fi Autoren überhaupt. Um genau zu sein enthält diese deutsche Ausgabe, die hier vor lag, sogar noch mehr als das originale „The Caves of Steel“ von 1953. Es enthält nämlich zusätzlich noch den Roman „Die nackte Sonne“- „the naked sun“ aus dem Jahre 1957, welcher dieselbe Hauptfiguren hat (wie noch zwei weitere Romane). Stahlhöhlen ist im übrigens auch verfilmt worden, falls jemand die Story reizt, aber nicht das Buch lesen mag. Unsere anderen Rezensionen zu Büchern der Reihe findet ihr übrigens hier: Meine Freunde, die Roboter (handelt vor diesen Ereignissen) und Die Foundation Trilogie (welche deutlich später spielt)

Elijah Baley ist seines Zeichens Detectiv der New Yorker Polizei. Aber nicht des New Yorks was wir heute kennen, sondern eines weit in der Zukunft in dem die Städte unter riesigen Stahlhimmeln liegen und kein einziger Mensch je mals nach draußen in richtiges Wetter und Sonnenlicht tritt. Da der Platz in den sogenannten Cities beschränkt ist, haben sich die Menschen daran gewöhnt, dass Privatsphäre eher ein Luxus ist. So gibt es keine Toiletten und Küchen in der eigenen Wohnung, sondern eben öffentliche Räume dafür mit kleinen Kabinen für die Eigenwäsche und riesige Kantinen. Von A nach B bewegt man sich über Expressways. Fahrstreifen, die mit bestimmten Geschwindigkeiten dahin rasen und sogar Cities verbinden. Das Leben wäre auch im Grunde ganz in Ordnung, wären da nicht vor einiger Zeit die Spacer angekommen. Jene Menschen, die vor vielen, vielen Jahren die äußeren Welten besiedelten und nachdem sie feststellten, dass das mit der Weltbevölkerung nicht so richtig gut lief entsprechend Geburtenkontrolle und Einwanderungspolitik betrieben haben. Dadurch entwickelten sich die Spacer technisch in eine andere Richtung und arbeiteten viel mit Robotern. Nun sind die Spacer seit kurzem mit einem Außenposten auf der Erde und versuchen dir dortigen Verhältnisse aus ihrer Sicht zu verbessern. Etwa in dem sie verlangen – dank militärischer Überlegenheit können sie das – dass Roboter eingesetzt werden, was die Menschen auf der Erde dazu veranlasst eine starke Abneigung sowohl gegen die Freiluft und Platz liebenden Spacer, als auch gegen ihre Roboter zu entwickeln.

Stahlhöhlen
In Spacetown, der einigen Stadt der Spacer ist ein Mord begangen worden. Ansich klingt das erstmal wenig ungewöhnlich, jedoch besteht der ziemlich eindeutige Verdacht, dass dieser Mord von einem Erdenbürger verübt wurde. Und das bedeutet nun schon irgendwie politische Verwicklungen. Schlimm genug, dass der Abteilungsleiter der entsprechenden Abteilung der New Yorker Polizei und damit Elijahs Chef zu jener Zeit in Spacetown war um mit einem Spacer zu sprechen. So konnten ihn die Spacer direkt dazu auffordern, dass er einen seiner loyalsten Mitarbeiter auf den Fall ansetzt – unter der Bedienung, dass er mit einem Spacer Partner aus Spacetown arbeitet. Elijah findet dies schon so eher unpraktisch, aber als er dann auch noch herausfindet, dass sein Partner ein möglichst menschlich aussehender Roboter namens R. Daneel Olivaw ist, ist es mit der Sache für ihn fast ganz vorbei.. wäre da nicht eben jene Loyalität, die ihn dazu veranlasst einen Job auch zu erledigen, wenn er ihn angefangen hat. Und so muss er wohl oder übel mit einem Roboter arbeiten und zeitgleich auch noch ein Verbrechen aufklären bei dem weder die Leiche, noch die Tatwaffe mehr erhältlich ist.

Die nackte Sonne
Nach seinem Erfolg mit der Aufklärung des Mordes in Spacetown hat Elijah wieder ein recht ruhiges Leben geführt. Bis zu dem Tag an dem ein hoher Regierungsbeamter erklärt, dass die äußeren Welten speziell ihn angefordert hätten einen Mordfall aufzudecken. Jedoch nicht auf der Erde, sondern auf Solaria, einem der Planeten der äußeren Welten. Und so muss sich Elijah auf den Weg machen zu dem Planeten auf dem genau das andere Extremum herrscht. Dort wohnen nur etwa 20.000 Menschen, aber 10.000 mal so viele Roboter, die die Hauptarbeit verrichten. Was einst als Urlaubsplanet begann hat sich so in eine Gesellschaft gewandelt in der man nur sehr ungern die körperliche Anwesenheit eines anderen Menschen erträgt, Menschen verheiratet werden auf Grund ihrer genetischen Zusammensetzung und die daraus entstehenden Kinder – deren Zeugung etwas sehr widerwärtiges ist – hauptsächlich von Robotern aufgezogen werden. Die meistgenutzte Möglichkeit um sich mit jemand anderem zu unterhalten ist das Sichten. Eine Art 3D Projektion mit Tonübertragung und für die Solarianer der gesellschaftliche Kontakt. Und doch muss jemand den Fötologen umgebracht haben. Und auch wenn seine Frau die Gelegenheit dazu hatte – immerhin war sie als einziges weit und breit am Tatort – besteht sie darauf das nicht getan zu haben. Zumal auch irgendwo das Motiv und die Waffe fehlt. Und so muss sich Elijah nicht nur mit dem „Draußen“ befassen, sondern auch mit einer höchst seltsamen Gesellschaftsform, die ihm die Ermittlungen nicht leicht machen. Immerhin erhält er dabei wieder Unterstützung von seinem alten Roboterpartner R. Daneel Olivaw.

Sci-Fi Detektivgeschichten… ansich ja eine nette Sache, aber so besonders sind, die beiden Fälle nun nicht, dass nicht ein erfahrener Krimileser recht schnell auf die Täter kommen würde. Allerdings ist das ja auch nicht das wichtige an den beiden Geschichten, sondern eben das drum herum in dem der jeweilige Mordfall verübt wurde. Asimov erweckt hiermit eine Zukunftsvision, die sehr große Extrema aufweist. Sowohl in Richtung technischer Möglichkeiten auf bestimmten Ebenen, als auch vor allem gesellschaftlich. Und daher handelt es sich hierbei auch mehr um ein Gedankenexperiment eines „Was wäre wenn“, denn eines banalen Mordfalls. Und gerade diese gesellschaftliche Ebene führt den Leser dazu, dass man auch über die derzeitige Welt nachzudenken beginnt. Ob Ansätze der einen oder anderen Richtung nicht auch jetzt schon zu finden sind. Zudem darf man natürlich nicht vergessen wes Zeiten Kindes diese beiden Geschichten sind.
Asimov kann neben einer wirklich genialen Zukunftsmodellierung jedoch eines eher weniger: Dialoge schreiben. Man merkt zwar, dass der zweite Roman und damit ja 4 Jahre mehr Erfahrung, weniger holprig ist, aber dennoch enthalten beide sehr viel Beschreibung und in sich gekehrte Sicht des Handelnden, und sind damit nicht ganz einfach zu lesen. Behält man dies aber im Hinterkopf, wird man mit einer sehr guten Geschichte und der Lust auf mehr belohnt.

Fazit
Eigentlich ein (bzw zwei) Sci-Fi Geschichten an denen kein Fan des Genres vorbei kommen sollte. Aber auch Nicht-Kenner und Gerade-Einsteiger, die sich für soziologische Aspekte und ein wenig für Krimi interessieren ist dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

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