Die Rückkehr der Yeti-Elfen

Kaphornia 6

Kaphornia, ein Spielsystem – und eine Welt – gedacht für casual Rollenspieler. Also jene, die noch nie oder nur ab und an mal die Luft des Rollenspiels schnuppern wollen, aber nicht so richtig einsteigen. Für jene unter euch, die das Kaphornia Prinzip noch nicht kennen, hier erst einmal eine kurze Übersicht wie das ganze funktioniert und welche Regeln es gibt:

Bei Kaphornia wählen sich die Mitspieler Charaktere aus den im Buch angegeben (oder aus vorherigen Geschichten stammende) aus und werden damit in eine ziemlich gradlinige Geschichte geführt. Diese Geschichte leitet ein weitere Spieler, der im Spiel den Spielleiterposten übernimmt. Viel von dem was in Kaphornia und der Geschichte selbst natürlich passiert, ist schlichter Vorlesetext, also etwas wo sich der Spielleiter nicht groß Gedanken machen muss, sondern eben vorträgt was da gerade steht. Unterbrochen wird diese Geschichte von Kämpfen und einigen Proben, bei denen die Spieler zeigen müssen, was ihre Charaktere so drauf haben. Dabei sind diese Proben und auch Kämpfe strengen Regeln unterworfen. Es gibt immer je nach Ergebnis weitere Vorlesetexte mit dem was nun passiert und bei Kämpfen ist es üblich, dass es zusätzliche Optionen für bestimmte Kampfaktionen gibt, die den Spielern einen Vorteil in der Handlung bringen (und natürlich für alle möglichen Ausgänge auch mit Vorlesetexten versehen sind). Beispiel: Zu Beginn können beim Kampf im Magierturm Alchemika genutzt werden, die aber erst ordentlich gemischt werden müssen. Viele der Kämpfe haben ein vordefiniertes Ende, wenn eine bestimmte Bedingungen eingetroffen ist und in der Regel mehrere Runden, die auch Unterschiede mit sich bringen. All diese Übersichtsinformationen stehen für den Spielleiter auch noch einmal direkt am Rand neben dem Text, auf das er nicht suchen muss, sondern sich ganz auf die Geschichte konzentrieren kann. Es gibt einige wenige Gelegenheiten bei denen die Spieler mit ihren Charakteren frei mit einem NSC reden können, und bei denen der Spielleiter natürlich ebenso frei antworten muss, aber auch da sind mögliche Antworten im Text zu finden.

Die Geschichte selbst beginnt mit einer Suche. Die Charaktere haben nämlich eine Nachricht bekommen, die sie zu einem alten Bekannten – einem Magier in einem Turm – schickt, den sie allerdings erst einmal finden müssen. Ist das geschafft, zeigt sich, dass sie wohl spät dran sind und die Party schon einmal ohne sie angefangen hat… zumindest deuten diverse tote Körper im Turm darauf, dass hier etwas los war oder noch ist. Oben angelangt können sie dann auch direkt eingreifen und versuchen zu verhindern, dass seltsame Wesen ihren Bekannten und auch sie selbst killen. Doch damit nicht genug, tauchen sogar immer neue von diesen auf. Nachdem dann irgendwann kein Nachschub mehr kommt, kann ihnen der Magier endlich erklären was sie denn da sollen. Und zwar hat er erfahren, dass ein großes Übel auf Kaphornia zu rast. Ein riesiger Asteroid, der die Stadt zerschmettern wird. Und nicht irgendeiner, sondern geschickt von Mermad, dem bösen Herrscher des ewigen Imperiums. Und die Charaktere sind die einzigen Helden, die jetzt noch eine Chance haben Kaphornia zu retten. Doch dazu müssen sie das Dämonische Kochbuch finden und die Atompilzsuppe kochen, denn damit kann der Asteroid zersprengt werden. Natürlich muss das Zeug auch noch dort hin gebracht werden… so gilt es also vielen Gefahren zu trotzen um wieder einmal die Welt zu retten.. doch werden die Helden das wirklich? Und wer ist diese Frau mit den Schneegolem-Sturmtruppen?

Ist es nun gut oder schlecht? Das ist ja immer die Frage, die man nach einer Rezension beantwortet haben möchte – oder zumindest eine Idee für eine Antwort bekommen möchte. Diese Frage kann man allerdings nur mit einem: „Kommt auf den eigenen Geschmack und das was man haben möchte“, beantworten. Denn wie vielleicht der eine oder andere schon beim Titel oder der Beschreibung bemerkt hat, ist dieser Kaphornia Teil einer gewissen Space Saga gewidmet und die Spieler werden alle Nase lang Vertrautes auf andere Art und Weise entdecken. Humoristisch aufgemacht, versteht sich. Und das ist eben nicht für jeden etwas. Auch die im Grunde nicht vorhandene Möglichkeit aus der Geschichte auszubrechen und etwas eigenes zu tun (wir erinnern uns, eigentlich besteht das Ding hauptsächlich aus Vorlesetexten und Kämpfen) mag dem einen oder anderen Rollenspieler unpraktisch erscheinen. Doch für solche Spieler ist es eigentlich ja auch gar nicht gedacht. Es beschreibt sich selbst als „Ein Fantasy Film zum Nachspielen“… gut.. „Ein Science Fiction Film zum Nachspielen“ wäre passender. Und damit für die Masse an Menschen, die eigentlich von Rollenspiel keine Ahnung haben und hierfür auch gar nicht brauchen (die aber den Kontext und die Art der Geschichte natürlich immer noch mögen müssen). Erfahrene Rollenspieler mit einer Neigung für Bier und Brezel Rollenspiele werden vermutlich auch von der Sache angesprochen. Das schöne an vorhandenem Material ist ja, dass man es benutzen kann, aber nicht muss. Und so lässt sich natürlich mit Erfahrung auch das Grundgerüst nehmen und etwas anderes oder erweitertes Bauen.
Das System selbst ist denkbar einfach (und natürlich am Anfang erklärt): Gewürfelt wird auf Fertigkeit + Modifikator gegen einen Wert (je höher desto besser natürlich). Das versteht auch Otto-normal Spieler sofort und man kann das ganze ohne große Vorbereitung (im Gegensatz zu einem „richtigen“ Rollenspielabenteuer) direkt starten.
Ein bisschen arg schade ist, dass viele Herausforderungen bei Nichtschaffen kaum eine andere Auswirkung haben, als wenn sie geschafft sind (Beispiel: Die Charaktere suchen am Anfang den Turm des Magier, bei Erfolg haben sie ihn sofort gefunden, bei Misserfolg halt einfach später und sie verlieren einen Schicksalspunk – so eine Art Rettungspünktchen), aber das merken die Spieler ja vielleicht gar nicht.

Fazit
Menschen, welche gerne humoristisch an bekannte Geschichten gehen und diese selbst nachspielen wollen, aber wenig/keine Erfahrung im Rollenspiel haben werden hiermit sicherlich auf ihre Kosten kommen und auch alles im Spiel finden, was sie dafür brauchen. Rollenspieler werden allerdings die praktisch nicht vorhandene Wahlmöglichkeit und Herausforderungen fast nur durch Kämpfe wohl schnell langweilig finden, wenn sie nicht gerade Fan solcher Persiflagen sind.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

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  1. Es war ein gutes Jahr | Neue Abenteuer

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