Die Ratmann-Chroniken

Kaphornia 7

Der siebte Teil der Kaphornia Spielreihe, eines Spielsystems und einer Welt gedacht für casual Rollenspieler, ist zugleich der Beginn einer neuen Reihe namens „Die Straßen von Kaphornia“. Dabei ist das Spiel für diejenigen, die ab und an mal die Luft des Rollenspiels schnuppern wollen. Zur Übersicht wird hier nochmals kurz das Regelsystem zusammengefasst, welches bislang in jedem Kaphornia Teil zu Beginn steht um wirklich mit einem Buch alleine alle Informationen zu bieten:

Bei Kaphornia wählen sich die Mitspieler Charaktere aus den im Buch angegeben (oder aus vorherigen Geschichten stammende) Charaktere aus und werden damit in eine ziemlich gradlinige Geschichte geführt. Diese Geschichte leitet ein weitere Spieler, der im Grunde den Spielleiterposten übernimmt. Viel von dem was in Kaphornia und der Geschichte selbst natürlich passiert, ist schlichter Vorlesetext, also etwas wo sich der Spielleiter nicht groß Gedanken machen muss, sondern eben vorträgt was da gerade steht. Unterbrochen wird diese Geschichte von Kämpfen und einigen Proben, bei denen die Spieler zeigen müssen, was ihre Charaktere so drauf haben. Dabei sind diese Proben und auch Kämpfe strengen Regeln unterworfen. Es gibt immer je nach Ergebnis weitere Vorlesetexte mit dem was nun passiert und bei Kämpfen ist es üblich, dass es zusätzliche Optionen für bestimmte Kampfaktionen gibt, die den Spielern einen Vorteil in der Handlung bringen (und natürlich für alle möglichen Ausgänge auch mit Vorlesetexten versehen sind). Viele der Kämpfe haben ein vordefiniertes Ende, wenn eine bestimmte Bedingungen eingetroffen ist und in der Regel mehrere Runden, die auch Unterschiede mit sich bringen. All diese Übersichtsinformationen stehen für den Spielleiter auch noch einmal direkt am Rand neben dem Text, auf das er nicht suchen muss, sondern sich ganz auf die Geschichte konzentrieren kann. Es gibt einige wenige Gelegenheiten bei denen die Spieler mit ihren Charaktere frei mit einem NSC reden können, und bei denen der Spielleiter natürlich ebenso frei antworten muss, aber auch da sind mögliche Antworten im Text zu finden. Das System selbst ist denkbar einfach: Gewürfelt wird auf Fertigkeit + Modifikator gegen einen Wert (je höher desto besser natürlich). Das versteht auch Otto-normal Spieler sofort und man kann das ganze ohne große Vorbereitung (im Gegensatz zu einem „richtigen“ Rollenspielabenteuer) direkt starten.

Die Helden sind gerade erst nach Kaphornia gekommen. Doch da bricht schon ein kleines Unglück los, denn irgendwie sind ein paar Basilisken aus dem Zoo entwichen und beginnen gerade die Bewohner einer kleinen Gasse zu terrorisieren. Das ist in den Augen der Helden natürlich nichts, was man sich selbst überlassen sollte, und so wird eifrig in den Kampf eingegriffen und hoffentlich die Stadt vor schlimmerem bewahrt… schlimmerem? Als wäre es noch nicht genug, taucht auch noch ein purpurner Drache auf, der sich einen Kampf mit einem grünen Drachen und einer anderen Heldengruppe liefert und zumindest in jenem Augenblick fast zu gewinnen scheint. Auch hier sollte man natürlich seinen Helden stehen und den fiesen Purpurwurm angreifen. Doch das hat ungeahnte Folgen für unsere Helden. Denn als der Drache letztlich stirbt, zerspringt er in einzelne Purpurscherben, welche sich in die Haut der umgebenden graben und diesen besondere Fähigkeiten verleihen. Doch leider kommen mit diesen Fähigkeiten auch noch bösartige Gedanken und der Wunsch eben solche Taten zu unternehmen, so dass der Preis für diese Fähigkeiten hoch ist. Nun heißt es, herausfinden was diese Scherben sind, doch bei der Suche treffen die Helden nicht nur auf einen Mäuse Mafia Boss mit seiner Bande und einen irren Clown, sondern auch auf.. RATMANN.

Auch dieser Teil der Reihe ist natürlich wieder für eine spezielle Zielgruppe gedacht, die eben den entsprechenden Geschmack hat. Wie auch schon die letzten Teile ist auch dieser einem Thema gewidmet, dieses mal Batman. Es wird auch im Gegensatz zu den Teilen 1-6 nicht ein Film, sondern eine Serie nach gespielt. Kenner der Verfilmungen (Verserieung?) werden also natürlich Bekanntes wiedererkennen, besonders wohl für die etwas ältere Generation: der Schallwortautomat, der die Szenen mit passenden Ausdrücken wie „Wam”, „Zack” oder „Boing” versorgt und als kleines Minispiel in einen Kampf eingebaut ist. Wer jetzt aber denkt, dass Ganze sei eine lose Aneinanderreihung von läppischen Szenen, die irgendwie in einem lustigen Zusammenhang mit Batman stehen, der irrt. Denn die einzelnen Teile sind durchaus logisch zusammenhängend aufgebaut und vermitteln ein Gefühl von stringenter Geschichte.
Für „richtige“ Rollenspieler ist das Büchlein natürlich nur bedingt etwas, denn vieles an Handlungen ist vorgegeben und somit die Wahlmöglichkeit schon sehr eingeschränkt – was natürlich einen fähigen Spielleiter nicht daran hindern muss, das ganze etwas freier zu gestalten. Denn Weglassen geht natürlich immer.
Nach wie vor ist es schade, dass manche Herausforderungen bei Nichtschaffen kaum eine andere Auswirkung haben, als wenn sie geschafft wurden, aber das ist wohl dem geschuldet, dass die Geschichte auch bei miesem Würfeln weiter gehen soll. Für die ganz miesen Würfe, so dass die Runde komplett ausgeschaltet wurde, ist sogar angedacht, dann einfach ein Kapitel zu wiederholen – was dem ganzen mehr das Gefühl eines Brett- oder Kartenspiels verleiht, in dem man eine Stufe nochmals spielen kann. Das hilft aber sicherlich dem angesprochenen Spielertyp.
Sehr unpraktisch ist allerdings, dass in diesem Band keine Karten mehr mit drin sind (zumindest in der pdf Version). Denn so kann der Spielleiter nicht einfach starten, sondern muss im Internet die entsprechenden Karten erst einmal herunterladen und ausdrucken. Wenn man das ganze also mit zu einer einsamen Hütte in den Bergen ohne Internet genommen hat, dann hat man ein Problem.

Fazit
Wer gerne mal in eine andere Rolle schlüpfen und eine nette kleine Geschichte mit humorvollen Einlagen austesten möchte, der ist bei Kaphornia – Die Ratmann-Chroniken gut bedient. Erfahrene Rollenspieler werden allerdings die starren Vorgaben der Handlung einschränkend finden.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

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